Bahn will besser auf Geisterzüge achtgeben
Der Satz Bahn will besser auf Geisterzüge achtgeben ist ein wunderbares Beispiel für einen sprachlichen Widerspruch. Warum? Wenn man auf Geisterzüge achtgibt, dann sind es ja keine Geisterzüge mehr, weil überhaupt kein Geisterzug entsteht.
Oder muss ich mir das anders vorstellen? Also wenn jemand einen Geisterzug bereitstellen oder fahren lassen will, dann wird der Fahrdienstleiter informiert und um Genehmigung gefragt. Wenn dieser nichts dagegen hat, dann vergisst er die Sache ganz schnell wieder und der Bahnangestellte mit Geisterzugneigung setzt sein Werk in Gang, um es darauf ebenfalls zu vergessen.
Oder werden Geisterzüge demnächst in Fahrplänen berücksichtigt, damit es zu keinen Verspätungen mehr kommt? Im Allgemeinen ist es sehr ärgerlich, wenn man auf einen Geisterzug wartet und dann kommt keiner. Auch könnten endlich Lautsprechendurchsagen für Geisterzüge gemacht werden: "Achtung auf Gleis 1, ein Geisterzugdurchfahrt!"
Auch wäre es möglich, Geisterzüge nützlich einzusetzen. Wenn der Zug schon unterwegs ist, dann kann er doch gleich noch was mitnehmen. Schliesslich sind Ressourcen kostbar und nichts fährt günstiger als ein Zug ohne Personal. Die Bahn beschwert sich ja immer über den Kostenfaktor Mensch, obwohl hier bestimmt noch die Gewerkschaft mitreden will. Auch kann man Reisende nicht Schwarzgeisterzugfahren lassen, so dass Geisterpersonenzüge auf jeden Fall einen Schaffner bzw. Zugbegleiter an Bord haben werden.
Photo by Redvers - CC-BY-2.0

Kante
Passiert ist ja folgendes: Eine "Doppeltraktion" (also zwei einzelne Zugeinheiten, wie bei einer Strassenbahn z.B. wenn auf stark befahrenen Strecken zwei Strassenbahnen zu einer gekuppelt werden) wurde am Ankunftsbahnhof planmaessig getrennt, die beiden Waegen wurden voneinander abgekuppelt, als der zweite (fuehrerlose, normalerweise vom ersten Wagen gesteuerte) Wagen wegfuhr. Was eigentlich dank Sicherheitsfahrschaltungen wie Totmannschalter und Fremdbeeinflussung (Zuege der Bahn koennen normalerweise von Extern gebremst werden) unmoeglich sein sollte.
Jedenfalls wurden beide Waegen sichergestellt und in der Werkstatt ueberprueft, mit dem Ergebnis, dass der Fehler reproduzierbar ist: Wird eine Doppeltraktion dieser Baureihe getrennt, waehrend der "aktive" Steuerwagen bereits "heruntergefahren" ist, der "fuehrerlose" Wagen aber noch laeuft - dann erhoeht der fuehrerlose Wagen seine Leerlaufdrehzahl, dank "Drehmomentwandler/Automatikgetriebe" beginnt der Zug zu beschleunigen und spricht auch nicht auf die Sicherheitsmechanismen wie Totmannschalter und Fremdbeeinflussung an, da der Zug der Meinung ist, er faehrt ja gar nicht.
Langer Rede kurzer Sinn: Ein Bug in der Firmware des Zuges.
Sorry fuer den langen Kommentar. Dachte mir nur, dass dich das als Informatiker genauso interessieren koennte und fasziniert, wie mich ;)
bee
Rene99
@bee: Bitte.