Buchkritik: Jean-Christophe Rufin - 100 Stunden
Heute möchte ich einige Worte zum Buch 100 Stunden von Jean-Christophe Rufin verlieren. Obwohl ich es schon vor einiger Zeit gelesen habe, bin ich Euch noch eine Kritik schuldig.
In 100 Stunden geht es um Ökoterrorismus, d.h. man will den Menschen wieder in Einklang mit der Natur bringen. Dazu Bedarf es radikaler Schritte. Diese seien hier aber nicht verraten, weil es sonst keinen Sinn mehr macht, dass Buch zu lesen. Ich will ja nicht soviel verraten, wie es einige Rezensionen bei Amazon immer tun. Als grobe Anhalt sollen nur diese Worte dienen. "Wir sind zu viele Menschen, und die Ökologie lässt besonders in der Dritten Welt zu wünschen übrig."
Rufin beginnt sein Buch sehr spannend und weiss zunächst genug Verwirrung, und falsche Vermutungen zu erzeugen. Später dann, wenn die Agenten einer privaten Organisation ständig an anderen Orten sind, jede Aktion meist glatt geht und ganz unspektakulär Informationen ständig überall immer verfügbar sind, dann wird es langweilig. So verwundert es auch nicht, dass das Buch ohne richtigen Höhepunkt zum Ende kommt.
Zu Beginn möchte man das Buch nicht weglegen und sagt sich immer: "Nur noch das nächste Kapitel." Leider hält die Spannung nicht an und man verliert hier und da die Lust am Lesen. Einige der Agententeile, wenn man wieder alles glatt geht, habe ich dann auch mit grossen Wortsprüngen abgekürzt. Man bleibt nur dabei, weil man wissen, wer zum Ende gewinnt und wie.
Einige Aspekte des Buches, speziell der Einblick in die Gedankenwelten von radikalen Ökos sind sehr interessant und teilweise erschreckend. Speziell dann, wenn man sich dabei ertappt, dass ein oder andere Argument zu bejahen, weil die Begründung dahinter nachvollziehbar erscheint.
Fazit: Ich bin vom Buch enttäuscht, weil auf dem Cover Lobeshymnen zitiert werden, die nicht nachvollziehbar sind. Auch sind Orte und Personen oft zu flach gezeichnet. Einige Seiten wirken, als hätte ich sie geschrieben - reine Handlung ohne Blumen zur Dekoration. Es ist lesbar und der Einblick in die radikale Ökoszene, sofern hoffentlich nicht nur erdacht, ist interessant. Der Rest ist zu einfach und zu glatt. Die Agenten sind zu toll und irgendwie fehlerfrei, vom Adrenalinkick-Sex mal abgesehen. Das grosse Potential der Geschichte wird nicht ausgeschöpft.

Nicki