Fliege, Investments und innerer Protest

Es ist wieder Samstag und damit ist es auch wieder Zeit für einen Blogeintrag über alles und nichts. Vor mir steht der Iced Coffee Latte und eigentlich könnte ich den ersten Teil eines jeden Blogeintrages vom letzten kopieren... wäre unfair, aber zeitsparend.

Das sitzt doch glatt wieder eine Fliege auf dem Rand des Displays und putzt sich. Da es nicht das erste Mal ist, nehme ich an, dass das neue Notebook nett duftet und die obere Kante eine kuschlige Wärme besitzt. Vielleicht sollte ich mich mal selbst draufsetzen? Aber das dürfte dem Gerät nicht gut tun.

Vor wenigen Minuten bin ich aus der Thalia raus. Mit leeren Händen. Innerer Protest war der Grund. Ich wollte eigentlich die Fortsetzung vom Weltengänger mitnehmen, aber ich fand sie nicht. Also wollte ich fragen, aber die Auskunftsstände waren belagert. Ich habe eine Runde gewartet und bin nicht weitergekommen. Entweder verschwand Frau Auskunft und kam nicht wieder oder es waren gerade andere Leute dran. Gut, also wollte ich spontan zwei andere Bücher kaufen, die mich anlachten... die Schlangen an den Kassen waren mir zu lang. Fast wie Weihnachten. Also habe ich alles wieder zurückgelegt und enthalte der Wirtschaft meine 20 Euro.

Während ich wieder die Schönheit(en) der Stadt Jena geniesse, Eingeweihte wissen, was ich meine, denke ich über interessante Inhalte für Euch nach. Kurz vorher sass ein Paar neben mir. Sie schien sichtlich gelangweilt, aber er wuselte redlich, um sie zufrieden zu stellen. Solchen Beziehungen gebe ich keine Chance. Ausserdem stehen Frauen, die ständig unterhalten werden wollen, auf meiner Wunschliste ganz unten... und die Liste ist lang.

Übrigens ist die Hintergrundbeleuchtung meines T500 einer der durstigsten Teile. Powertop von Intel stellt 4 Watt zwischen bissl hell und ziemlich dunkel fest. Hätte ich doch ein X301 nehmen sollen mit LED-Backlight, dafür weniger Power auf der CPU? Naja, nun muss es wieder für ne Weile langen, man kann ja nicht alles haben.

Diese Woche war ja mal wieder das Thema Bonus ganz oben in den Meldungen. Die Banken machen wieder fette Gewinne, nachdem ihnen durch Steuergelder geholfen wurde, obwohl die Wirtschaft immer noch ein Bein nachzieht und die Kredite nicht besonders freigiebig rollen. Selbst als die Banken riesige Verluste gemacht haben, gab es fett Geld für viele. Was man nur mit der intensiven Nutzung der mathematischen Funktion "Absoluter Betrag" begründen kann.

Ausserdem frage ich mich, ob Verschiebearbeiten von Geld überhaupt in einer bestimmten Form entlohnt werden sollte?! Es ist total unlogisch, wenn eine Bank in der Wirtschaftskrise Geld in Unmengen verdient. Sie verleiht wenig Geld, ihre bisherigen Kreditnehmer fallen teilweise aus und Werte schafft sie auch nicht. Wo kommt also der Gewinn her?

Die Antwort ist leider einfach wie traurig. Der Gewinn ist aus der Luft gegriffen! Durch Kauf und Verkauf von Aktien und Beteiligungen sowie wilden Spekulationen auf alles und nichts, machen die Banken Gewinne. Der Witz ist, dass in dieser Zeit niemand real etwas geschaffen hat, sondern einzig und allein aus den Kursanstiegen der letzten Monate ein Gewinn erwächst. Das heisst, dass wir bereits erfolgreich in der nächsten Blase sind.

Diese Woche habe ich auch einen interessanten Artikel über Highspeed-Trading gelesen. Computerprogramme kaufen und verkaufen in Millisekunden Wertpapiere und nehmen mikroskopische Preisunterschiede mit. Die Papiere werden nicht mal lange gehalten als Anlage, sondern sind so schnell wieder weg, wie sie da waren. Gerade läuft übrigens im n-tv Ticker durch, dass weitere 5 US-Banken zusammengebrochen sind. Wohlgemerkt Banken und keine Investmentbanken, also Institute, die mehr mit klassischen Geschäften ihr Geld verdienen.

Investmentbanken tragen ihren Namen, teilweise zumindest, vollkommen zu unrecht. Der Handel mit Schulden, Krediten, Wertpapieren und anderen virtuellen Sachen für mich nichts mit Investments zu tun. Investment heisst Investition und damit auch Verpflichtung. Wenn ich jemandem Geld gebe, investiere, dann ist das eine mittel- und langfristige Verantwortung, die über Geben von Geld hinausgehen sollte. Es ist eine Geste des Vertrauens, des Verständnisses und vor allem der Erkenntnis, dass eine Idee funktionieren kann oder könnte. Das Ganze dauert Monate und Jahre und es braucht Geduld und Verstand. Natürlich kann es nötig sein, sich auch mal von seinem Investment zu trennen, wenn man zum Beispiel nicht mehr dran glaubt oder das Geld für andere Sachen benötigt. Dann kann man natürlich damit handeln... aber nicht zocken.

Für mich ist Warren Buffett der perfekte Investmentbänker. Langfristig, überlegt und nicht auf den eigenen Reichtum bedacht. Klar besitzt er Milliarden, aber er hat keine Flut an Häusern, nicht Dutzende Frauen, keine Yachten und keine Flugzeugsammlung. Er feiert keine rauschenden Feste und er teilt sein Wissen.

Das Ergebnis allen Handels sollte die Schaffung beständiger Werte sein. Werte, die Menschen Arbeit und Essen geben. Werte, die keine Anhäufung von Gold, Schlössern und Geschmeide sind. Werte, die Wissen darstellen und dem nächsten zugänglich sind, damit er wiederum Werte schaffen kann.

So, jetzt kriege ich mich wieder ein und schaue nochmal in die Runde. Lila im Überfluss und gerade radelt eine Frau vorbei... so wie sie aussieht und so wie sie auf dem Rad sitzt... ich glaube ich bin in Frankreich. Sie ist anmutig und schön. Ausserdem hat sie das gewisse Grundlächeln.

Die neuen Busse in Jena sind natürlich wieder laut. Geht das nicht leiser?

Euch ein schönes Wochenende.

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Nicki

Zocker-Bank ist vielleicht ehrlicher, klingt irgendwie nicht besonders attraktiv oder?
2009-08-02 - 14:42:20 - Nicki

Rene

@Nicki: Nicht alle Bänker sind böse, aber viele haben das Verhältnis zum Geld verloren, vor allem, weil es nicht ihr eigenes ist, wie es bei kleinen Privatbanken meist ist.
2009-08-02 - 14:46:00 - Rene

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