Handyweitwurf mit Nokia

Handy

Wir hatten ja schon den finnischen Konzern mit der Lizenz zum Handyweitwurf. Zumindest werfen die Politker ihre Handies weg, damit sie garantiert ein Telefon aus dem Ausland in der Tasche haben. Ansonsten hätte man ja Zweifel, ob das eigene Telefon auch wirklich aus Deutschland käme oder nur gefühlt.

Jetzt aber mal ernsthaft. Alle schimpfen auf Nokia, aber was ist daran so verwerflich, dass ein Unternehmen im Kapitalismus dem Kapital folgt bzw. auf Gewinne aus ist?! Schliesslich dürften die meisten Leute eine Lebens-, eine Rentenversicherung oder sogar ein Riester-Produkt haben und irgendwo muss das Geld ja herkommen, was erwirtschaft wird, damit man im Alter mehr Geld hat, als eingezahlt wurde. Versicherungen investieren in Unternehmen, Unternehmen müssen Geld verdienen, um Aktionäre durch Kursgewinne oder Dividende zu halten.

Geld

Verwerflich ist eher die Politik, die kurzfristige tolle Nachrichten erzeugen will und Geld auf die Wiese wirft, um Unternehmen anzulocken. Ist das Geld weg, dann ist auch das Unternehmen weg. Auch darf nicht vergessen werden, dass kaum einer Geld für ein Handy ausgeben will, sondern es entweder billig haben möchte oder ordentlich subventioniert durch einen Handyvertrag. Damit frage ich hier jeden: Wer von Euch hat in letzter Zeit in Nokia-Handy für mehr als 100 Euro erworben?

Wir können einfach mal eine unseriöse Rechnung aufmachen. Bei Nokia in Bochum sind 3300 Menschen beschäftigt. Geben wir jedem im Schnitt ein mageres Gehalt von 1500 Euro. Dazu kommen noch Sozialbeiträge von ca. 20% und damit kostet uns die Arbeitskraft pro Monat 1800 Euro. Eingerechnet sind hier noch nicht die weiteren Fixkosten, wie Arbeitsplatzkosten und und und. Alle Leute kosten also Brutto zusammen ca. 6 Millionen Euro. Rechnen wir einfach mal pauschal weitere Nebenkosten dazu, dann brauchen wir 10 Millionen Euro pro Monat, um das Werk am Laufen zu halten.

Rechnen wir mal, dass ein Handy am Markt im Schnitt für 100 Euro verkauft wird. Abzüglich der Mehrwertsteuer sind das ca. 84 Euro. Der Handel will auch was verdienen, sagen wir 10 Euro. Dann bekommt Nokia 74 Euro pro Handy. Das Material und die Verpackung kosten auch, sagen wir mal 20 Euro. Dann haben wir einen Nettogewinn pro Handy von 54 Euro. Wir müssen also ca. 185.000 Telefone pro Monat verkaufen, damit wir überhaupt die Fabrik offen halten können.

In dieser Rechnung fehlt noch ein unternehmerischer Gewinn, denn schliesslich müssen ja auch die Kapitalgeber vergütet, Geld für schlechte Zeiten zurückgelegt und irgendwie ja auch neue Handys entwickelt werden. Nicht zu vergessen, dass wir überhaupt keine Entwicklungskosten eingerechnet haben, auch keine Servicekosten (Garantie), Werbung gibt es auch nicht für umsonst und und und.

Ein Berg von Consumer Zeugs

Pro Jahr sind das dann 2,2 Millionen Handys, die an die Frau oder den Mann gebracht werden müssen. Also nochmal die Frage, wer von Euch hat in den letzten 12 Monaten ein neues Nokia-Handy gekauft? Jetzt schauen wir uns noch an, wer sich noch auf dem Markt tummelt: Blackberry, Motorola, Samsung, LG, Sony-Ericsson und noch jede Menge anderer Buden. So, jetzt denken wir noch dran, dass der Deutsche Markt gut gesättigt ist und echtes Wachstum nur noch in den aufstrebenden Entwicklungsländern stattfindet. Dort zahlt aber niemand 100 Euro für ein Handy.

Nokia geht nach Rumänien, weil die Kosten dort nur ein Zehntel sind. Damit gehen die Personalkosten auf ca. 600.000 Euro runter. Neue Gesamtkosten sind also 4,6 Millionen Euro, ca. die Hälfte. Damit kann Nokia das Handy ab sofort für 44 Euro zzgl. lokaler Steuern anbieten. Eventuell sinken die Fixkosten auch noch, da Energie in Rumänien bestimmt auch billiger ist, von vielen anderen Dingen mal abgesehen. Als Endpreis im deutschen Laden sind wir dann bei ca. 44 + 10 + 19% = 65 Euro bzw. eher noch drunter.

Waschmachine

Im Prinzip ist die Geschichte immer gleich. Keiner will für eine Waschmaschine mehr als 500 Euro bezahlen, aber jeder heult auf, wenn Unternehmen die Produktion nach Polen verlegen, damit die Waschmachine weniger als 500 Euro kostet. Ausserdem darf nicht vergessen werden, dass in anderen Ländern Europas die Einkommensstruktur anders aussieht und die Preise niedriger sein müssen, um überhaupt Absatz zu finden.

Versteht mich bitte nicht falsch, ein Unternehmer hat Verantwortung gegenüber seinen Beschäftigten und gegenüber seinen Kunden und wenn keiner Geld in Deutschland verdient, dann kann man hier keine Handys verkaufen, dass wäre auch doof. Immerhin gibt es andere Betriebe, die am Umzug von Nokia verdienen dürften. Logistiker (Transport nach Rumänien), Maschinenbauer (neue Anlagen in Rumänien werden nicht aus Rumänien kommen, eventuell hat Deutschland Glück), zudem dürfte ein Teil des Service in Deutschland verbleiben.

Auch wenn ich mich wiederhole, die Zeiten der Konsumgüterproduktion in Deutschland sind vorbei, auch die Zeiten der billigen Massenproduktion von Zulieferkomponenten (z.B. Kraftfahrzeugteile, wie Reifen, Tachos etc.) sind vorbei. Auf Deutsch, alle Jobs, die auf stupider Routinetätigkeit ohne grossen Ausbildungsaufwand basieren, werden oder sind schon verschwunden. Es verbleiben, ausser Dienstleistungen, nur hochwertige Berufe, die nötig sind, um neue Produkte und Technologien zu erfinden/entwickeln und massentauglich zu machen. Von einigen Produkten des täglichen Bedarfs mal abgesehen, wobei Äpfel auch schon aus China kommen und Wasser aus Frankreich importiert wird.

Momentan haben wir die Chance mit Umwelttechnologien zu punkten, auch Bio-Agrarproduktion oder besser deren Technologien dürften boomen. Dazu braucht man aber, sorry wenn ich das so sage, mehr als einen Abgang nach der 8. oder 10. Klasse. Deutschland braucht Ingenieure und Wissenschaftler, die die Produkte von morgen entwickeln. Das kann Deutschland seit Jahrhunderten am Besten, wenn es auch zwischendurch immer mal eingeschlafen ist.

Deutschland hat die Chance, die restliche Welt mit modernen Transportideen zu überraschen und hier auf lange Zeit Weltspitze zu sein, aber leider lamentieren die deutschen Konzerne lieber, als die Herausforderung endlich anzunehmen. Der indische Tata Nano kostet 1700 Euro und säuft 5 Liter Sprit. Das Letztere kann schon jedes deutsche Auto, auch wenn es 4x so schwer ist. Die Technik ist also da, um die Inder ohne Probleme mit einem Tata Nano und 2.5 Litern Verbrauch zu schlagen. Erfunden und erforscht in Deutschland, aber gebaut in Indien für Indien.

P.S. Ich bin übrigens auf das Geschrei gespannt, wenn AMD in Dresden die Zelte abbricht. Dort wurde scheiss viel Geld auf die Wiese geworfen und ich kann mir echt nicht vorstellen, warum AMD nach Ablauf der Vergünstigungen nicht weiterziehen sollte. Schliesslich muss sowieso aller paar Jahre die komplette Produktionsanlage saniert, umgebaut oder ausgetauscht werden.

Nokia Cell Phone by tanais under CC-BY-2.0

Dollar bills by mymonochrome under CC-BY-2.0

Pile of consumer goods by joe mad under CC-BY-2.0

Washing machine by G.E. Sattler under CC-BY-2.0

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wiemi

Ich würde noch das Thema Subventionen mit einbauen...
Nicht nur bei Nokia, auch bei AMD wurden große Summen an Subventionen gezahlt, damit Arbeitsplätze geschaffen werden. - und nun...
Da drängt sich die Frage auf, ob es überhaupt sinvoll ist, Subventionenen in eine Branche zu zahlen, in der in Deutschland kaum langfristig vernünftig und wettbewerbstauglich gewirtschaftet werden kann.
Man konnte ja schon vorher ahnen, dass irgendwann das passiert, was jetzt passiert...
In den Medien fiel auch mal der unschöne Begriff "Subventionsnomaden"; diese ansicht teile ich jedoch nicht...
2008-01-22 - 22:52:33 - wiemi

Rüdiger

Schöne Rechnung, funktioniert aber nur, wenn man knapp an die Deckungsgrenze kalkuliert. Wenn bei den gleichen Kosten nicht nur 2,2 Mio sondern 8 Mio Handys produziert und verkauft werden, sieht das Ergebnis viel hübscher aus. Und verkaufen tut Nokia die Handys natürlich nicht nur an jeden 8. deutschen. Weiter sei angemerkt, dass in der Produktion bei Nokia die gern hin- und her gerechneten Personalkosten bei 5% liegen und Nokia 17% Gewinne erwirtschaftet. Ob das Konzernverhalten nun gut oder böse ist, weiss ich nicht so recht. Nach einer vielzahl halbwahrheiten, die einen die Medien nahebringen wollen finde ich das schwer zu beurteilen.
2008-01-23 - 08:29:01 - Rüdiger

Watson

DANKE !!! Hatte deshalb auch ein Streitgespräch am Freitag und kann Nokia durchaus verstehen. Rege mich zur Zeit auf, weil sich die Politiker so einmischen. Was alle nur haben, die Verträge zur Verarbeitung der Subventionen sind garantiert erfüllt (meist sind es 10 Jahresklauseln). Deutschland ist nunmal ein Denker und Dienstleistungsland. Jeder andere Unternehmer würde so handeln !
2008-01-23 - 08:29:14 - Watson

Andreas

so, hab den ganzen Text noch nicht gelesen und wage trotzdem schonmal einen stein zu werfen... oder 2...

Also: Wer hat in den letzten 12 Monaten ein Handy von den Finnen gekauft? ---> ICH

Wer hat mehr als 100 € dafür gezahlt? ICH
Warum? Weil es ne Vertragsverlängerung war (die mittlerweile 3te) und da keine tollen subventionen dahinter liegen...

so und jetzt les ich weiter und hoffe noch ein paar steine werfen zu können und dann welche ebzbekommen ;)
2008-01-23 - 09:00:58 - Andreas

Andreas

Naja da kommt der Unternehmer in Dir durch. ;)

Klar will jeder den Gewinn maximieren, aber die mittel die man dazu einsetzt sollten dann schon irgendwo vertretbar sein.
Wenn ein (Energie)Kraftwerk immense Schadstoffe frei setzt um sich das Geld für den teuren Umweltschutz zu sparen sagt man ja auch nicht "... ja super so, die steigern den Gewinn...kauf ich gleich die Aktien" sondern regt sich auf und fordert Änderungen, Wiedergutmachung, usw., da Existenzen gefährdet sind. Und diese sind auch bei der Schließung des N-Werkes gefährdet. Mann braucht sich ja nur mal die Leute im TV ansehen. Teils 40+ Jahre alt. Ne Familie mit Kind(ern)und nen Haus mit Kredit. Wenn diese Leute dann Arbeitslos sind haben wir hier wieder Ausgaben für Arbeitslosengeld, weniger Einnahmen der Wirtschaft da sich diese nix mehr leisten können... usw. (Klar steht das noch in keinem Verhältnis zu den Subventionen die da geflossen sind, aber es verändert Deine Rechnung auch ein wenig, oder?)
Wenn die Leute bis vor einem Monat noch 7tage die Woche in drei Schichten gearbeitet haben, sich die Finger wund gekloppt haben beim meißeln der Nokia Klopfstöcke und auch noch Sonderzahlungen aus Gewinnausschüttungen erhalten haben, dann kann ich das nicht nachvollziehen was da jetzt abgeht in den finnischen Büros. Eine weitere tolle Aktion ist am Tag des bekannt werden Security die Chefs und die Ware beschützt hat... Scheinbar war sich da jemand über die Sa.erei im Klaren die er da abziehen will
Das die Politiker diese Schaubühne (miss)brauchen ist ja schon lange gang und gebe.
Dein beschriebenes Konsumverhalten kann ich dann so auch nicht auf mich beziehen.Gutes kostet gutes Geld. Dabei sollte man sicher nicht nach dem Preis alleine gehen, aber das ne Waschmaschine für was weis ich 300 Euro nicht so Dolle ist kann man sich ja wohl denken.
Die geringeren Lohnkosten in Rumänien sollten sich auch schnell relativieren. ich denke da an Krankheitsausfälle, lustlose Arbeiter -> Qualitätsprobleme, Diebstahl, Vorsorgemaßnahmen gegen diesen, Bestechungsgelder (was nicht heißen soll das es die in D nicht gibt)... Das soll jetzt nicht so rüber kommen wie es vieleicht aussieht, aber ich kenne es von einer Firma persönlich (vergoldete Kontakte ständig in geringen Stückzahlen verschwunden) die mit solchen Problemen zu kämpfen hat und einer weiteren vom Hörensagen.
An deutschen Firmen die verdienen am Umzug hast Du die Baufirma vergessen die das dort baut...
AMD in Dresden? Ja da wird wohl bald so kommen. Die Subventionen sind Wahnsinn die da geflossen sind. Wenn man beachtet das es AMD eh nicht so toll geht dann kann man echt damit rechnen das dies das nächste Dolle ding wird.
Kurz und knapp: Auch große Firmen sollten ein wenig über ihre Ethik nachdenken. Und letzten Endes wird man noch sehen ob sich Nokia damit nicht selbst in´s Bein geschossen hat und es bei 60% Marktanteil in D bleibt. Ach ja und das was hier in Deutschland an großer Aufregung beanstandet wird, auch von Dir, das ist doch nix. In anderen (südlichen) Ländern würde das Werk jetzt schon brennen, Finnland besetzt sein und ein paar stricke am Baum hängen. Aber da konnten wir Deutschen noch nie, Sich wehren.
2008-01-23 - 09:33:01 - Andreas

Andreas

ach da fällt mir noch ein schäner Satz ein den der Chef der einen Firma der Firma X die ich persönlich kenne mit auf den Weg gegeben hat als er erfuhr das Firma X nach Rumänien geht...

Zitat: "... dann wünschen wir der Firma X viel Glück!"
2008-01-23 - 09:36:43 - Andreas

Herr Melnik

Schöner Text, man merkt, daß Rene ein dynamischer Jungunternehmer ist. :)
Ich höre diese Art der Argumentation oft von Jungunternehmern. Man vergleicht da seine unternehmerische Welt, mit der der Konzerne. Seinen Angestellten zahlt man ordentlich, ist ein guter Chefe, ist innovativ, hat ne Vision, will was anpacken und schaffen etc. etc. Das kann man nicht mit Konzernen vergleichen. Da gehts nur noch drum, trotz guter Rendite, noch mehr aus allem rauszupressen. Koste es was es wolle. Keiner kann mir erzählen, daß bei 5% Personalkosten an den Gesamtkosten und 17% Rendite man nicht wirtschaftlich arbeiten kann. Es ist die schiere Gier, sonst nichts. Das schädigt das Gemeinwohl und den Zusammenhalt der Gesellschaft.
Das ist dem Jungunternehmer zum Glück (noch) nicht innewohnend. Und was die empörten Politiker betrifft - die wollen ja wiedergewählt werden, damit sie sich genauso den Hals vollstopfen können. Welchem Herren sie dienen, sieht man once again bei Clement.
Die Tätigkeiten, die keinen grossen Ausbildungsaufwand benötigen, wird man wohl noch einige Zeit in Dtschl. aufrechterhalten müssen. So schnell kann man nicht Mio Menschen umschulen. Ich bezweifle überhaupt, ob das geht. Nicht jeder kann Ingenieur werden, nicht jeder ein hochqualifizierter Facharbeiter. Versteht mich nicht falsch, aber es gibt in der Bevölkerung immer einen bestommten Prozentsatz an "Dummen". Was machen wir mit denen?

gruß der herr melnik
2008-01-23 - 11:15:00 - Herr Melnik

Rene99

@Melnik:
>aber es gibt in der Bevölkerung
>immer einen bestommten Prozentsatz
>an "Dummen". Was machen wir mit denen?
Wir haben noch das allgemeine Dienstleistungsbedürfnis auf dem Heimatmarkt (Sauberkeit, Brot, Supermarkt). Mir geht es um Erzeugnisse für den Weltmarkt, die ein Land nach vorn bringen. Im eigenen Saft schmoren kann sich nur Nordkorea leisten und das auch nur schlecht.

Mir geht es auch darum, dass man nicht schreit und wieder nach Hilfe ruft, sondern sich eventuell auch mal selbst zu helfen weiss (deutschlandweit gedacht, nicht auf die Einzelperson), denn schliesslich kauft die Masse der Leute nach Preis (siehe die grossen Elektromärkte und den Preiskampf im Netz). Man muss also verstehen, warum Preisdruck entsteht.

Ausserdem kann man als Unternehmer nicht ein Werk auf Kosten der anderen Werke durchschleppen (interne Quersubvention), wenn an diesem Standort keine "besonderen Tätigkeiten" verrichtet werden.

Ich kann jedem nur empfehlen, einmal Unternehmer zu werden. Das schafft eine ganz andere Perspektive auf die Lage und die Trotzreaktionen werden weniger.

Es würde vielen Leuten helfen inkl. den meisten Politikern, einfach mal ein Unternehmen zu besitzen (nicht als Manager zu steuern, denn Manager ziehen weiter, Unternehmer bleiben) und es durch unruhiges Fahrwasser zu steuern. Da sieht die Welt plötzlich ganz anders aus.

Auch kann ich allen VWL-Makroökonomik nur ans Herz legen. Dann versteht man die Welt besser. Auch etwas BWL schadet nicht, um seine eigene Situation zu bewerten und den Markt zu verstehen. Wir haben keine Rundum-Sorglos-Sozialismus mehr!!

5% Personalkosten muss ich aber irgendwie bezweifeln. Für 5% geht man nicht weg, dann spielen eher Energiekosten oder massive Subvention in Rumänien eine Rolle (ist ja treffend auch EU). Ich glaube zum Schluss fördert Deutschland über die EU die Standortverlagerung der eigenen Industrie.

Man kann aber auch einfach mal die Sicht ändern und sich zu einem Rumänen machen. Die freuen sich, weil sie aus der Armut rauskommen, durch eigene Arbeit und nicht durch Almosen. Schliesslich sieht Rumänien noch an vielen Stellen wie ein Entwicklungsland aus bzw. ist es auch. Deutschland vor 100 Jahren war da viel weiter.

Also kann man einfach auch mal solidarisch in diese Richtung denken...
2008-01-23 - 12:06:31 - Rene99

Gonzo

@herr Melnik
Die "Dummen" die können das Werk in Rumänien bauen ;) ... nein Scherz beiseite.

Ich finde den Artikel in seiner Gesamtheit gut, sicherlich gibt es ein oder zwei Punkte bei denen ich anderer Meinung bin, aber die lass ich mal aussen vor.

Ich möchte eher auf die Diskussion eingehen.
Es ist ohne Frage eine Sauerei was dort mit Nokia, oder vielleicht erinnert sich noch jemand an Siemens/BenQ, abgeht.
Aber genau das ist doch der Kapitalismus und dessen Globalisierung. Der Traum der Sozialen Marktwirtschaft ist doch eigentlich ausgeträumt und auch der Merkantilismus welche von der Politik geradezu heraufbeschworen wird, wird nicht die Lösung sein.
Um wieder auf die "Dummen" zurück zu kommen, wir werden diese nicht in Gänze weg bekommen, das sieht man auch an Ideologisch verwirrten Nazis. Aber wir können und müssen, und ich glaube darauf will Rene hinaus, durch Bildung und eine solide sowie gute Grundbildung, die zudem noch kostenfrei ist - um JEDEM die Chance zu geben - schaffen.
Mit anderen Worten, freie Schulen und Universitäten und die Zugangsberechtigung nicht durch Studiengebühren gesteuert sondern durch Aufnahmetest.

Jetzt wird sicher der ein oder andere an die Finanzierungsfrage denken. Ja ich gebe zu dies wird eine schwierige Aufgabe, aber es ist ja auch eine Art Kredit, denn höher gebildete zahlen doch auch in der Regel höhere Steuern. Zudem wäre auch noch die Frage welche Alternativen gibt es tatsächlich? Ich denke es gibt keine langfristige Alternative.
Und es wird auch sicher Menschen geben die durch dieses Raster fallen, aber dies ist heut zu Tage auch schon der Fall!

Ach ja nochmals zur Konkretisierung, die "Dummen" sind in meinen Augen Menschen/Mitbürger ohne Abschlüsse (oder gerade so den Schulabschluss geschafft haber) ... Für diese Menschen ist auch immer noch Platz in der Gesellschaft, sicherlich nicht der tollste, aber man darf ihnen nicht die Chancen verbauen.
2008-01-23 - 12:17:08 - Gonzo

crosa

völlig egal ob die zahlenspiele oder details genauso oder nur ähnlich sind. einfach wieder mal wunderbar komplexe zusammenhänge auf den punkt gebracht und jede menge billige schlagzeilen ad absurdum geführt. ich bin (wiedermal) begeistert.
2008-01-23 - 12:30:46 - crosa

Rene99

@Gonzo: Für jeden Menschen sollte sich Arbeit finden lassen, gemäss seinen Talenten und seinen Fähigkeiten. Mich stört, dass viele Leute ihre Fähigkeiten nicht entwickeln, sondern den leichten Weg nehmen.

Zum Punkt Studiengebühren. Man kann auch sagen: "Was nix kostet, taugt nix." Ich glaube, dass viele Leute verantwortungsvoller mit der Ressource Uni/Studium umgehen würden, wenn ein Preis dafür verlangt wird. Ich finde zum Beispiel eine Progression in den Gebühren gut, d.h. ersten zwei Semester günstig, um zu sehen, ob man das mag. Ab dann kostet es Geld, um nicht anderen den Platz durch Rumlungern zu klauen. Ab Überschreitung der Regelstudienzeit wird es richtig teuer.

Ich würde zum Beispiel gern eine steuerliche Abzugsfähigkeit von Stipendien bei Firmen begrüssen. Also wenn ich einen Kandidaten fördere und gleich das Praxissemester anbiete, dann habe ich als Firma auch etwas davon. Ich habe zwar auf jeden Fall etwas davon (der Mann/Frau wird gut ausgebildet und eventuell stelle ich ihn/sie ein), aber gerade kleine Firmen müssen eher aufs Geld schauen und können sich unproduktive Teile nicht leisten. Hier muss die Zukunftsinvestition gefördert werden. Das Investment in den Menschen bekommt Förderung, nicht die Ansiedlung eines Produktionsbetriebes.

Industrie geht dort hin, wo die besten Bedingungen herrschen und das muss nicht zwanghaft billig heissen. Forschung und Entwicklung kann gern teuer sein, wenn das Ergebnis hochwertig ist, weil die Leute die Überflieger sind.

P.S. Ich würde VWL und BWL Grundkurse zur Pflicht für jeden(!) Studenten machen.
2008-01-23 - 12:36:21 - Rene99

Rene99

@crosa: Danke. Immer wieder gern.
2008-01-23 - 12:36:42 - Rene99

Gonzo

@Rene
Gut beim Punkt Studiengebühren sind wir sicherlich verschiedener Ansicht. Um das "Was nix kostet, taugt nix." zu vermeiden, war mein Gegenvorschlag nicht die Finanzkraft ausschlaggebend zu machen sondern eben o.g. Aufnahmetests durchzuführen. Über deren Ausgestaltung ließe sich sicherlich auch noch weiter trefflich streiten.

Das natürlich jeder Mensch gemäß seinen Fähigkeiten und Talenten Arbeit finden kann, sehe ich genauso. Dies hab ich ja im letzten Abschnitt betont. Und wollte damit im Grunde genau das sagen was du im ersten Abschnitt deines Kommentars sagst. Mich stört dieses nicht entwickeln von Fähigkeiten auch zutiefst wobei dies leider in allen Bildungsschichten mehr oder minder stark beheimatet ist.
2008-01-23 - 13:39:17 - Gonzo

emily

ich fasse mich kurz, weil das meiste ja schon gesagt wurde. mich würde allerdings mal interessieren, wieviel geld deutschland in die ansiedlung von nokia durch subventionen investiert hat und wieviel am ende an steuergeldern überhaupt zurückgeflossen ist. hat da jemand den überblick?
2008-01-23 - 21:56:14 - emily

Watson

@emily: ich lache, da mußt Du mal beim Finanzamt in Bochum anrufen ! Vielleicht haben die einen Überblick...

@Herr Melnik: Da hat sich aber jemand weit aus dem Fenster gelehnt. Ich denke für jeden Job braucht man einen bestimmten IQ, auch bei Sauberkeit, Brot und Supermarkt ... und muß ab und an mal das Gehirn einschalten.

@Rene: Ich würde jeden der studiert und mal Angestellte haben will, einen Personalführungskurs aufs Auge drücken und ich würde das Studium zeitlich begrenzen, die Arbeit ist bis zum ... abzugeben, wer´s nicht macht der fliegt, ganz einfach, dann gibts auch keine Langzeitrumgammelstudenten !
2008-01-23 - 22:15:57 - Watson

Niko

Danke echt ein Artikel
2008-01-23 - 23:07:11 - Niko

emily

@watson: vermutlich haben die den wenigsten durch-/über-/rundumblick ...
2008-01-24 - 12:08:52 - emily

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