Moderne Sklaverei

Gerade bin ich aus dem Büro raus. Hinter mir fiel zur gleichen Zeit die mexikanische Putzkolonne ein. Irgendwie drängte sich mir dann sofort der Gedanke auf, dass das doch Sklaverei ist. Oder? Moderne Sklaverei, weil die Sklaven nicht wissen, dass sie Sklaven sind. Das ist nicht nur in den USA so, sondern auch in Deutschland. Nur dass dort die Putzkolonne Kopftücher trägt und in Saudi-Arabien spricht die Kolonne einen von mehr als 200 indischen Dialekten. Von Cranberry- und Spargelernte mal ganz abgesehen.

Früher hat man die Leute irgendwo weggefangen und gewaltsam zum Arbeitsort gebracht. Heute kommen die Sklaven freiwillig und akzeptieren minimale Löhne und Scheissarbeiten. Oder sehe ich das falsch?

Ich halte es für Sklaverei, weil die Leute einem nicht in die Augen schauen, nicht grüssen, möglichst unauffällig ihre Arbeit machen... sehen wir mal von den Gärtnern und Staubsaugerbedienern ab. Viele Nicht-Sklaven haben auch schon einen schönen "Ich schaue vorbei"-Modus gefunden. Manche grüssen und bedanken sich für die Arbeit, aber die Putzerin/der Putzer ist dann immer sehr irritiert, wenn nicht gar peinlich berührt.

Warum gibt es lebensnotwendige Arbeiten, die keinen lebensnotwendigen Stellenwert haben? Wir wollen es nicht selbst machen, aber uns ist es nur ein Hungerlohn wert. Gut, das Auspeitschen ist zurückgegangen und der Hungerlohn fliesst wieder ins Wirtschaftssystem zurück, aber sonst?

Nun ich denke, dass die Sklaverei zurückgegangen ist, weil der Kapitalismus entdeckt hat, dass man mit einer Verbreiterung der Konsumentenbasis eine Erhöhung des Profits erreichen kann. Gleichzeitig fühlen sich die Neukonsumenten befreit und voller eigenem Willen.

Eliot Spitzer wurde als Gouverneur abgestraft, weil er eine Frau anständig für eine Scheissarbeit entlohnt hat. Oder wer schläft schon gern mit einem älteren machtgeilem Mann? Sie dürfte ja nicht mal gekommen sein... Spitzer hätte eigentlich fliegen müssen, weil er seine Putzhilfen in Haushalt und Büro unwürdig entlohnt. Das ist ein Skandal, nicht der Fick mit einer 22-jährigen... wobei die Dame wohl nur 25% bekommen haben dürfte und der Rest ging an den Protestantenführer - nein, nicht an den Papst. Wobei das auch eine Form von Sklaverei ist... aber besser bezahlt... kommt immer auf die Ansichten an. Nein, nicht die Sache mit dem Papst, das davor...

Achja, das gilt nicht nur für Putzkolonnen, sondern auch für Diamantsucher. Wobei 70-80% der Diamanten eigentlich sinnlose Klunkern sind und der Mann der Frau das Geld auch bar geben könnte, schliesslich will er ja nur Sex bzw. hatte welchen und entschädigt sie quasi für das entgangene Vergnügen ;)

YetAnotherBlog - Moderne Sklaverei By mvichary - CC-BY-2.0 Gerade bin ich aus dem Büro raus. Hinter mir fiel zur gleichen Zeit die mexikanische Putzkolonne ein. Irgendwie drängte sich mir dann sofort der Gedanke auf, dass das doch Sklaverei ist. Oder? Moderne Sklaverei, weil...

T.

jepp
genau mein reden. meine schwiegermama in spä geht auch jeden morgen vor der regulären arbeit noch eine stunde putzen. einfach weil sie das geld braucht. und sie darf sich auch immer irgendwelche scheisse anhören. ja es gibt leute die motzen dann noch oder meinen sie hätte es nicht gut gemacht. wenn ich urlaub hab helfe ich ihr mit meiner freundin und muss sagen, danach kann man vom boden essen. ich finde diese leute haben den gleichen respekt verdient wie ein fetter chef in seinem sessel. wir sind alles menschen und sollte uns auch so behandeln.
2008-03-18 - 09:11:43 - T.

Watson

Sind wir nicht alle irgendwo "Sklaven" der Gesellschaft ? Ich sage dann immer: Da mußt Du in den Wald ziehen ! Manchmal bekomme ich dann die Antwort: Das mache ich auch irgendwann/bald. :)
2008-03-18 - 11:29:16 - Watson

Roman

My cleaning lady said she was happy doing what she was doing, earning good money, living normal life in america far away from a brazilian shit hole she was from.

These are not slaves, just folks doing their work. As much as you are not the one, spending your days working on some software stuff (albeit, better paid).

We tried to build (just) "society of workers and peasants" back in the day. Nothing good came out of it.
2008-03-18 - 12:54:55 - Roman

Sina

Sklaven sind wir schon irgentwo... Wir leben zwar hier in ner "Demokratie" aber naja... kommt doch sowieso nichts oben an... UND, der Wähler ist vergesslich. Bei Amtsantritt: Wahlversprechen , nach 2-2,5 Jahren: Steuererhöhung+ regliche negative Dinge, bei den Wahlen: Wahlversprechen+Wahlgeschenke. Praktisch ein Teufelskreis! Aber die Leute lassens mit sich machen. Rebelliert ja auch niemand. Jeder beschwert sich und niemand macht was. Also dann müssen wir alle in den Wald ziehen!!! ;) lg
2008-03-18 - 22:10:14 - Sina

kLeInE_hExE

Aber die heutigen Putz/Gärtner/Koch/usw. Frauen und Männer arbeiten ja nicht mehr einfach nur in ihrem Genre. Nein, da muss die Köchin noch die Kinder betreuen und der Gärtner repariert noch nebenbei die Klospülung.. - und manchmal sieht man die hilflose, kaum Deutsch sprechende Russin in der Küche sitzen und sich den seelischen Müll ihrer Chefin anhören, deren Mann sie mit der Sekretärin betrogen und nun mit 2 Kindern, Haus, Hund & Schulden sitzen gelassen hat. Aber kriegen diese Leute deswegen mehr Geld als 25$ pro Stunde? NEIN! Warum also tun diese Leute das alles? Aus Mitleid? - Wohl kaum! Aus Angst, gefeuert zu werden, wenn sie es nicht tun? - Gut möglich!

Nur die "Klofrauen", die sich vor den Toiletten in Mc Donalds oder den Malls die Beine in den Bauch stehen, bereiten mir manchmal ein wenig Angst, wenn sie mich anstarren mit einem Blick der mir sagen soll: " Leg nen Dollar auf meinen Teller oder du putzt das Klo das nächste Mal selbst!"
Sicher, diese Leute kriegen echt beschissen wenig für den Job, aber dass sie dann harmlose Passanten, die doch eigentlich nur mal kurz für kleine Mädchen/Jungs müssen, mit beschwörendem Blick anstarren, finde ich furchtbar!

MemO an mich selbst: IMMER nen Dollar/ 50 cent für die "Klofrau/mann" mitnehmen

Liebe Grüße,

kLeInE_hExE
2008-03-18 - 22:23:29 - kLeInE_hExE

Rene99

@all: Ich weiss nicht, ob es eine gute Tat ist, wenn die Dame aus Brasilien in den USA zwar im Vergleich zu Brasilien besser dran ist, aber insgesamt die gesellschaftliche Position nicht geändert hat.

Wie man es dreht und wendet, es ist nicht richtig, aber auch nicht falsch. Vielleicht profitiert jeder davon, vielleicht auch niemand.
2008-03-19 - 01:34:34 - Rene99

Roman

She is happy, safe, free and is enjoying fruits of her labor. Runs her own business. I did not get your argument about "gesellschaftliche Position" at all...
2008-03-19 - 04:09:11 - Roman

CountZero

<blockquote>Ich halte es für Sklaverei, weil die Leute einem nicht in die Augen schauen, nicht grüssen, möglichst unauffällig ihre Arbeit machen... sehen wir mal von den Gärtnern und Staubsaugerbedienern ab. Viele Nicht-Sklaven haben auch schon einen schönen "Ich schaue vorbei"-Modus gefunden. Manche grüssen und bedanken sich für die Arbeit, aber die Putzerin/der Putzer ist dann immer sehr irritiert, wenn nicht gar peinlich berührt.</blockquote>
ich grüße und bedanke mich trotzdem. wenn die leute schon so beschissen bezahlte jobs ausüben, gehören sie wenigstens von mir als (indirektem) nutznießer ihrer dienstleistung mit respekt behandelt. die irritation seitens der lohnsklaven wäre nicht so groß, wenn sich mehr leute an diesen meinen grundsatz hielten.
2008-03-19 - 20:16:29 - CountZero

crosa

Ich versuche grundsätzlich jede Reinigungskraft/versklafte Arbeitskraft mit der selben freunlichen netten Art zu begrüssen wie den entsprechenden Schlipsträger, vielleich sogar noch eine Spur freundlicher. Und die freudige Reaktion zeigt mir, wie selten das passiert.
2008-03-20 - 09:28:28 - crosa

Eric

Wobei das momentane System wesentlich effektiver ist, weil den Sklaven ihre Freiheit vorgegaukelt wird. Schon mal Matrix gesehen? ;-)
2008-03-24 - 08:48:24 - Eric

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