Öl, Prostitution, China und Strassenreinigung in Jena

Bücher

By austinevan under CC-BY-2.0

Es ist Freitagabend und ich sitze wieder einmal im Barnes & Noble in Burlington. Gerade habe ich mir zwei Bücher gekauft, um das eventuell verregnete Wochenende zu überleben. Aber bevor ich Euch etwas über die Bücher verrate, hier noch die aktuelle Ansage der Verzehrstoffe: Tall Café Latte und Venti Yellow & Blue Tea. Da ist nix Süsses dabei und ich fühle mich gut :)

Erworben habe ich zwei Paperbacks. Empire von Orson Scott Card - A disturbing Look at a possible Future. Es geht um einen Krieg in den USA, in dem sich Links und Rechts mit Waffengewalt unterhalten. Auf der ersten Seite fliegt gleich das Weisse Haus in die Luft. Dann konnte ich auch nicht James Twining - The Black Sun widerstehen. Wenn man dem Umschlag trauen darf, dann geht es um die Suche nach einem legendären Nazischatz, der natürlich die Welt retten kann. Die Suche spielt im Heute. Ich halte Euch auf dem Laufenden, ob man diese Bücher lesen kann oder auf eine bogenförmige Reise in die entfernteste Ecke seines Zimmers schicken muss.

So, nun ist es Zeit, wieder auf Beobachtungstour zu gehen, ohne seinen Platz zu verlassen.

Am nächsten Tisch sitzen drei Frauen, geschätztes Alter 45-50. Sie unterhalten sich über die Gestaltung von Visitenkarten, Bucheinbänden und über den Kauf von Autos. Die eine Dame redet über den Kauf eines Audis oder BMW. Finde ich sehr schön. Sie möchte gern einen Wagon haben (Kombi) und keinen Sedan (Limousine). Die Dame, die von allen am besten aussieht, hat Ähnlichkeit mit Goldie Hawn, wobei sie nicht 60 ist, sondern 45. Aber trotzdem noch gut in Schuss ;) Ja, los steinig mich!!

New York

By morrissey under CC-BY-2.0

Momentan kann ich nicht vernünftig tippen. Ich verschreibe mich ständig. Ich hoffe, die Rechtschreibkorrektur reisst das am Ende wieder raus, sonst müsst Ihr leiden. Apropos Leiden, ich habe mir noch drei Zeitschriften aus dem Regal genommen und werden kurz durchschmöckern. Ich fürchte, die Werbung dominiert wieder und die Entropie wird fast Null sein... jetzt einfach die Wikipedia anwerfen und nachschauen ;)

Eliot Spitzer, der Ex-Gouverneur von New York ist über eine Protestantin.... äh... Prostituierte gestolpert... also nicht physikalisch, sondern moralisch.

Beine

By cheekyneedle under CC-BY-2.0

Schade für ihn, Glück für die Dame. Nicht nur, dass sie durch ihn gut Geld verdient hat, sondern sie wird jetzt so bekannt, dass sie wohl jede Menge Angebote für Bücher, Filme, Serien und andere Dinge bekommen wird. Zudem ist sie nicht einmal hässlich - was bei Edeldamen wohl eher selten ist - ich spreche da nicht(!) aus Erfahrung. Wenn man 1000-4000 Steine die Stunde für eine Frau bezahlen müsste - habe ich ein Schwein - dann kann man auch Qualität erwarten.

Aber Thema verfehlt. Ich wollte eigentlich nur sagen, dass man die Tat von Spitzer auch als heroisch und aufopferungsvoll betrachten kann. Schliesslich hat er eine Mädchen aus der Gosse befreit und die Wirtschaft am Laufen gehalten...

Baseball Cap

By Steve Keys under CC-BY-2.0

Rechts von mir sitzt ein Vater mit Tochter (12-14) und seinem Sohn (8?). Er ist der klassische Amerikaner. Baseball-Cap, kurze Hosen - es ist schliesslich über 0 Grad draussen - und weisse Turnschuhe. Die Kinder trinken Kaltgetränke wie Eistee und -schokolade. Die Tocher ist auf dem besten Wege, sich in den nächsten drei Jahren volumenmässig zu verdoppeln. Der Sohn war recht normal, denn er trug ein Red Sox Baseball T-Shirt. Achja, Dad trank Fiji-Wasser. Der helle Wahnsinn - Wasser von den Fiji-Insel in Flaschen nach Amerika zu schleifen, um es hier zu trinken. Das ist Wasser und das ist anderes Wasser.

Öl Förderung

By octal under CC-BY-2.0

21:06 Uhr. Ich schaue mal in The Economist. In dieser Ausgabe geht es um den Ressourcenhunger von China und den daraus folgenden internationalen und ökologischen Probleme. Bitte nicht falsch verstehen, China hat jedes Recht es uns nachzumachen... schliesslich machen wir es falsch vor. Da liegt der Hund bzw. die Knochen des Hundes begraben - kommt auf den Ort des Grabes an :). So und jetzt über den Satz nachdenken.

Das starke Wachstum von China, grösstenteils angefeuert durch die Nachfrage aus dem Ausland - Grüsse an die USA und Europa - hat dazu geführt, dass China auch ohne Auslandsnachfrage munter weitertickern würde. Es ist zu einem Schwamm geworden und saugt Öl, Kohle, Kupfer, Soja, Weizen, Schweinefleisch und und und auf. Soweit so gut. Dinge, die in Europa 200 Jahre gebraucht haben, passieren in China in 5-10 Jahren. Luft und Wasser sind an vielen Stellen des Landes schon so schlecht, dass man sie importieren müsste, wenn es gehen würde.

In spätestens fünf Jahren sehe ich gewaltsame Aufstände in China. Es wird schlicht und ergreifend um lebensnotwendige Dinge gehen - Wasser, Luft und Energie. Ich sehe uns schon Wasser in grosse Tanker füllen. Schliesslich machen wir es ja auch mit Öl so. Oder China baut eine Wasserpipeline, um aus der Mongolei und Russland Wasser heranzuschaffen. Dafür wird jede Menge Stahl draufgehen, der mit Kohle hergestellt wird, die zu schlechter Luft und saurem Regen führen wird, der wiederum zu untrinkbarem Wasser führt.

Schornstein

By rahims under CC-BY-2.0

Die deutschen Unternehmen müssen sich heute darauf stürzen, damit sie in spätestens fünf Jahren Anlagen zur Wasser- und Luftreinigung haben, die mit wenig oder erneuerbarer Energie auskommen. Aber lassen wir mal das Fingerzeigen auf China. Gestern habe ich Minuten an einer einsamen Ampel gestanden, die mich ignorierte. Ich bin dann bei Rot gefahren. Man steht hier oft sinnlos an Ampeln und nicht nur in Boston, auch in Jena wiederholt sich der Quatsch. Ineffiziente starre Ampelschaltungen, sinnlos viele Ampeln und Unmengen an Verkehrsschildern tragen nicht gerade zur Energieeffizienz bei.

Wenn ich nur an die teilweise sinnlose Strassenreinigung in Jena denke. In meiner Strasse hopsen 200 Autos jeden Mittwoch und Freitag von links nach rechts und zurück. Sie fahren 1-3 km und werden wieder abgestellt. Rechnet man mit 15 l/100km Verbrauch im kalten Zustand und Stadtverkehr, dann kommt man pro Woche auf ca. (3 km * 200 Autos) / (100 km * 15 Liter) * 2x die Woche = 180 Liter Benzin, die sinnlos verpuffen. Einmal die Woche oder aller 2 Wochen reicht Strassenreinigung wohl auch. Und das ist nur meine Strasse. Nicht zu vergessen, dass die Katalysatoren noch kalt sind und die Abgase nahezu unbehandelt rausgeworfen werden.

Jetzt lesen wir noch Popular Science und dann ist Schluss für heute. Ich werde Euch jetzt nicht mehr langweilen. Rund um mich herum sind alle Tische besetzt. Überall werden Zeitungen gelesen - keiner kauft welche - und Kaffee getrunken. Ich bin einer der Wenigen, die sich explizit eine richtige Tassen geben liess. Ich kann aus Papier nicht richtig Kaffee trinken. Es riecht nach frischem Kuchen, denn im Café wird immer mal wieder etwas warm gemacht. Lecker und verführerisch, aber auch tödlich in den Inhaltsstoffen. Zucker, Zuckerersatz und Geschmacksstoffe. Im Supermarkt verbringe ich 80% meiner Zeit mit dem Lesen der Inhaltsangabe.

"Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht!"

Sina

Die unwichtigste Frage die man zu diesem Text stellen kann: Yellow and Blue Tea??? Hat der wirklich das Aussehen wie ich es mir vorstelle? Ein blau-gelb geschichtetes Getränk (was mann wenn es sich in einer Tasse befindet aber leider nicht sehen kann)???
Oder ist es (wie man es aus der Grundschule vllt. noch kennt..Mit dem blau-gefärbten Pinsel in die gelbe Farbe..ich hasste Wassermalfarben!!!)simpler grüner Tee ?... liebe Grüße :)
2008-03-15 - 13:42:17 - Sina

Rene99

@Sina: Nein, es ist Kamille (gelb) und Lavendel (blau). Schmeckt gut und entspannt gut in den Schlaf hinein.
2008-03-15 - 15:44:07 - Rene99

Gast

Auch wenn der Kommentar wieder geloescht wird.

In Jena muß man ueberhaupt nicht mit dem Auto fahren. Deshalb braeuchte man auch keine effizientere Ampelschaltungen.

Mann kann hier prima Auto leben. Wenn mann sich aufregen will, dann darueber das in einer Nahvrkehrstechnisch erschlossenen Stadt wie Jena, ueberhaupt jemand mit dem Auto fährt.
2008-03-15 - 17:53:30 - Gast

Ebola

Ich würde sagen dass ist ein echter Premium Content.
Das Beste was ich in diesem Jahr in einem Blog gelesen habe.
2008-03-15 - 18:27:52 - Ebola

Watson

@Gast: Wenn man aber Familie außerhalb Jenas hat, benötigt man schon ein Auto.

@ René: Super Ausdruck, schöner Text, aber das weißt Du ja !
2008-03-15 - 18:34:49 - Watson

Sina

@René: Schade... fand meine Vorstellung denn etwas spektakulärer ;)... trink das nächste Mal doch etwas Hübsches, zum Anregen meiner Vorstellungen zu strangen Getränken...;)Experimentierfreude.
Noch viele Dinge die du uns schreiben kannst wünsch ich dir ;)... lg
2008-03-15 - 19:54:55 - Sina

Rene99

@Gast: Ich lösche selten Kommentare, es muss also schon heftig im Text gewesen sein. Wann soll das passiert sein?

@Gast: Könnte ja sein, man muss zufällig durch die Stadt. Ich benutze in Jena oft wochenlang das Auto nicht, ausser wenn ich ausserhalb einen Auftrag habe oder Dinge brauche, die man in der Innenstadt nicht bekommt oder wenn ich Freunde besuchen fahre, die nicht in Jena wohnen.
Rede mal mit den vielen Pendlern, was sie von den Ampeln halten. Dummerweise ist Jena durch Berge begrenzt, so dass nicht mehr Leute Platz in der Stadt finden, um einen kurzen Arbeitsweg zu haben. Wer in den Gewerbegebieten arbeitet, hat auch meist verloren, wenn er kein Auto hat.

@Ebola: Danke schön. Aber dann hast Du bisher noch nicht viel bei mir gelesen, wenn das der beste Content war ;)

@Watson: Danke.

@Sina: Ich versuche, nicht alle Chemie in mich zu schütten. Aber ich habe bestimmt in den nächsten Wochen noch schöne bunte Bilder für Dich.
2008-03-15 - 20:12:36 - Rene99

Andreas

Nein, in Jena braucht man kein Auto fahren... klar...
toller Nahverkehr... ja auch klar...
vorallem wenn man folgende dinge beachtet...

1. bedenke das Wochenkarten und so weiter teurer als zum beispiel in Erfurt oder Weimar sind

2. Hoffe das du nie nach 21.00 Uhr fahren musst denn dann kann eine fahrt auch mal fast ne stunde dauern

3. Hoffe das du einen netten ausgeglichenen Fahrer hast der dazu noch fahren kann und nicht wie ne Wilds.. auf die Bremse und/oder gas tritt...

4. Hoffe das Du nie zum Mediamarkt oder einem anderen Geschäft in dieser Gegend musst... da fährt nähmlich keine Bahn und auch kein "normaler" Linienbus hin...

5. Hoffe das Du eine Linie nimmst/nutzen kannst auf der Du keine Ampel triffst... den dort kommen wir auch zur mehr als schlechten Ampelschaltung in Jena...

6. Hoffe das der Ausbau der Bahnlinie nach Göschwitz schnell vorran geht... denn solange dort ein Bus hin fährt kannst Du auch kaufen... -> biste schneller da...

7. Ja, Buse und Bahnen haben nur begrentz Platz...

So viel zum Them: In Jena braucht Man kein Auto...
Wer das behauptet kan auch behaupten das man in Jena keinen Nahverkehr braucht...
Man kann ja auch laufen
2008-03-15 - 20:21:51 - Andreas

Ebola

Eigentlich lese ich hier täglich mit.

Aber Eindrücke sind ja recht subjektiv. ;)
2008-03-15 - 21:34:15 - Ebola

Sina

@René: Kann ja auch ein Bio-Produkt sein.. muss (sollte, wie man ja von dir lernen kann;)) ja nicht aus China kommen...
Freue mich auf den nächsten eintrag... wie du's nanntest "mit vielen bunten Bildern" ..lg
2008-03-15 - 21:35:08 - Sina

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