Reisebericht

So, nun kommt mein Inflight Reisebericht. Live, aber nicht in Echtzeit, deshalb ein Mischmasch aus Vergangenheit und Gegenwart - Präsens und Präteritum.

We are airborne. Soll heissen, wir sind in der Luft. Diesmal bin ich echt mistig dran. Am Anfang hatte ich ein 13-Tage altes Baby neben mir und einen alten Mann, der mir seinen Ellenbogen in die Seite gedrückt hat. Zudem roch er nach Leberwurst.

Jetzt kam der Korb fürs Baby und für mich blieb kein Platz. Endlich hat die Stewardess auch Erbarmen und hat mich umgesetzt. Es ist zwar immer noch die Mitte, aber ohne Baby. Der Mutter war es sichtlich peinlich, da sie die Brust gibt. Ausserdem hatte sie mich schon vor dem Windelwechsel gewarnt.

Jetzt sitze ich zwischen einer Studentin und einem Engländer. Beide haben sichtlich das Gesicht verzogen, dann aber doch Verständnis geheuchelt.

Inflight View

Allerdings scheint der Sitz schmaller zu sein, als der andere, denn ich fühle mich gequetscht. Gerade läuft BBC World im Inflight-Entertainment. Leider kann ich nix hören, denn ich habe keine Kopfhörer. Die Stewardess war noch nicht in Rufweite.

Mein Palm muss jetzt wohl den ganzen Flug als Schreibmaschine herhalten, denn mein Notebook schmiert ständig ab und es ist ja eh kein Platz. Manchmal bereue ich meine Sparsamkeit. World Traveller Plus hätte mehr Platz und Business erst. Achja, diesmal sitze ich in einer Boeing 747-400 der British Airways. Der Flug geht nach London und später hopsen wir mit einem kleinen Flieger nach Frankfurt.

Das Alter der Flugcrew ist diesmal nicht zu hoch. BA ist ja berühmt für Rentermannschaften. Sorry, nix Persönliches. Ah... Das Essen pirscht sich langsam heran und gleichzeitig machen sich die versprochenen Turbulenzen bemerkbar.

Wissen: Eine Boeing 777 braucht ca. 7700 Liter (6.6t) Kerosin pro Flugstunde bei Reiseflughöhe und -geschwindigkeit.

Eben habe ich Kontakt mit meinen rechten Sitznachbarn gemacht. Wie das Leben so spült: QA Mann von Nokia auf dem Weg nach Indien. Sein Arbeitsplatz wird verlegt bzw. an Inder übergeben. Er muss also seinen eigenen Arbeitsplatz übergeben. Wir hatten eine nette Unterhaltung. Jetzt hat seine Schlaftablette meine Redseligkeit beendet.

Das Essen war da. Chicken mit Reis oder Beef Pasta. Da ich sowas nicht gern entscheide, habe ich wieder die Stewardess entscheiden lassen. Chicken. Wahl war ok. Der Salat dazu war Mist, genau wie der Mohnkuchen. Ich kann Mohn nicht ab.

Im Board-TV läuft Casanova und ein Stapel anderer Sachen. Nix, was mich interessiert... Nun habe ich mir doch X-Men II reingezogen. Auch wenn ich das Ding schon kannte. Scheisse ist das diesmal warm im Flieger. Sonst ist es eher immer zu kalt. Meine beiden Nachbarn versuchen zu schlafen. Ich traue mich wieder nicht, weil ich Angst habe zu schnarchen.

Ich habe doch geschlafen und da Natalie, so heisst die junge Dame neben mir, noch mit mir redet, kann es nicht so schlimm gewesen sein. Mike ist übrigens der Name des Indienreisenden.

Frühstück gab es auch gerade. Ein Stück Muffin, Orangensaft, Kaffee und Joghurt. Besser als die BA-Sandwiches mit dem Cheddar.

Noch 20min bis zur Landung.

Wir sind da. Der Flug war trotz des miesen Anfangs sehr gut. Ich habe geschlafen und mich mit Mike und Natalie gut unterhalten und auch sonst fühle ich mich ausgeruht.

Security und Terminaltransfer habe ich hinter mir. Jetzt sitze ich bei Pret A Manger und geniesse einen Latte, zwei Fruchtsmoothies und ein extrem leckeres Sandwich. Alles handgemacht und frisch. Allerdings 8,79 brit. Pfund. Wenigstens konnte ich meine Kreditkarte nehmen, denn meine Euromünzen habe ich irgendwo im Gepäck vergraben und das läuft auf langen Bändern unter mir lang.

Gerade habe ich erfahren, dass meine Mutter im Krankenhaus ist und ich sitze in London fest. So ein Schei... Hoffentlich ist es nichts wirklich Schlimmes. Werde wohl morgen früh gleich zu ihr fahren, nachdem ich einigermassen meinen Jetlag überwunden habe und fahrtüchtig bin.

Interessant ist, dass momentan das Notebook nicht abstürzt. Ich tippe ja auf thermische Probleme, so dass wohl demnächst wieder ein Servicecall bei Vor-Ort-Service nötig wird. Dafür hat man sowas ja gekauft. Mein IBM Thinkpad R50 ist jetzt 2 Jahre und 3 Monate im Einsatz und läuft teilweise rund um die Uhr. Es hat sich soweit ganz wacker geschlagen. Eine Grafikkartenfehler und eine Platte stehen auf der Schrottliste. Dank 24h Service aber alles schnell erledigt und gottseidank kein Datenverlust, durch häufige Backups und den Umstand, dass die Platte langsam die Hufe hochgerissen hat - S.M.A.R.T. sei Dank, denn da weiss man oft recht früh, wenn sich Probleme im Anmarsch befinden.

Noch eine Stunde bis zum Weiterflug nach Frankfurt. Wie immer wird das Gate erst in der letzten Sekunde angeschrieben. Man will die Leute halt lange im Duty Free Bereich halten.

Nun geht es weiter. Ein Kaffee und ein Fruchtriegel müssen reichen als Menü im Airbus 319 auf dem Weg von London nach Frankfurt. Am Anfang war noch Sonne... zum Schluss Regen und 12 Grad. Wäre ich doch bloss in Boston geblieben ;)

Aussteigen und Gepäckabholen verlief problemlos in Frankfurt. Einzig die Bundespolizei schaute bei der Passkontrolle wieder alle Leute dröge und unmotiviert an. HALLO Leute, ihr seit der erste Deutsche, den ein Besucher sieht. Lacht mal! Grüssen schadet auch nicht und einen schönen Aufenthalt wünschen kann auch nicht verkehrt sein. Kein Wunder, dass wir Deutschen als humorlos, unfreundlich und dauer muffelig international bekannt sind. Es geht ja schon an der Pforte damit los.

Vor einigen Minuten bin ich in Jena angekommen. Die Fahrt mit einem Europcar Opel Vectra 1.9 CDTI Automatik verlief problemlos. Durch die Automatik hatte ich auch mehr Zeit, mich wieder an den deutschen Verkehr zu gewöhnen und habe das Ding nicht gleich hopsend gegen die Wand gesetzt. Das kann ich mit meinem Signum morgen probieren...

Ich bin totmüde. Der Text ist nicht gegengelesen, mache ich morgen. Trotzdem danke fürs Lesen und dranbleiben für einen Abenteuerbericht aus New York mit spektakulären Bildern.

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Jojo

Willkommen zurück in Jena ! :)
2006-06-01 - 07:25:22 - Jojo

michael

genau!
2006-06-01 - 12:06:53 - michael

Roman

"HALLO Leute, ihr seit der erste Deutsche, den ein Besucher sieht. Lacht mal! Grüssen schadet auch nicht und einen schönen Aufenthalt wünschen kann auch nicht verkehrt sein." ...:)

Had a chuckle about that and remembered one of my encounters with Bundespolizei in Frankfurt. Upon encounter with me the guy's face exhibited an expression which could only be characterized as absolutelly perfect "wordless disgust".

A few hours before that I was looked at differently by Ukrainian customs officer. That look belonged to somebody who evaluates a piggybank evaluating if the piggy is worthy enough to break and shake down :)
2006-06-02 - 02:35:11 - Roman

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