Sieben Frauen und ein Mann...
Ich habe Euch nicht alles erzählt. Ich habe Euch Dinge aus meinem Leben verheimlicht. Aufregende und sinnliche Dinge mit viel Biss. Dinge, die bei manchen Leuten zum Vorspiel gehören... oder eigentlich ist zumindest der Verzehr zu Zweit oft das Vorspiel. ...ich habe in Boston einen Kochkurs besucht.
Hä? Du und Kochen? Na klar, kann ich Kochen. Zumindest kann ich prima Bratkartoffeln warmmachen.
Jetzt mal im Vollernst. Da ich in Boston weit draussen wohne und viele der Leute, mit denen ich arbeite kenne, wurde es höchste Zeit, einige native Ureinwohner kennenzulernen. Also habe ich die Idee von Mademoiselle K. aufgegriffen und bin mit ihr zu einem dreistündigen Kochkurs an eine Volkhochschule in der Bostoner Innenstadt gefahren. Der Kurs ging von 18 - 21 Uhr bzw. wie die Ureinwohner sagen würden: 6pm - 9pm.
Unsere Köchin hiess Caitlin und sie ist ausgebildete Köchin inkl. Erfahrungen in Asien. Normalerweise arbeitet sie für Partydienste - neudeutsch Caterer, aber gelegentlich macht sie auch diese Kochkurse an der Volkshochschule, quasi als Zweitjob. Wobei wir im Gespräch erfahren haben, dass es eigentlich schon der Viertjob ist. Jedenfalls war sie sehr nett und hat recht europäisch gekocht. Auch die Zutaten waren alle aus Europa bzw. das Fleisch vom kleinen Bioladen an die Ecke.
Die Küche lag im Keller und es ist nicht dass, was ein Europäer von einer Küche erwarten würde. Als Gefühl würde ich sagen, dass die Küche aus den frühen 80er Jahren stammte und seitdem unverändert in Betrieb war. Aber ich habe ja schon vorher gelernt, dass in den USA alles solange gequält wird, wie es Geld abwirft. Es muss nicht schön sein und ordentlich erst recht nicht, Hauptsache es geht. Selbstverständlich war ein Grossteil des normalen Geschirrs aus Plaste und zum Wegwerfen, aber Töpfe, Messer und Schnittbretter waren immerhin normale Küchenwerkzeuge.
Achso, besonders schön, vom Kochen mal abgesehen, war, dass unser Kurs aus sieben Frauen und einem Mann bestand und der eine Mann war ich. Die Damen entsprachen nicht den amerikanischen Standard, sondern waren durchaus nett anzuschauen. Ich hatte aber das Gefühl, dass die anderen Teilnehmer eher gekommen waren, weil sie nächste Woche verheiratet werden und bis dahin noch schnell lernen mussten, wie sie ihren zukünftigen Mann auch ausserhalb des Bettes satt bekommen.
Zubereitet haben wir: Lachsschnittchen mit selbstgemachter Creme, Garnellen gebacken mit Maisdipp, Pilz-Bohnen Pfanne und eine Fleischpfanne mit Rind. Letztere ging etwas daneben, da das Fleisch eher zäh wurde. Caitlin hat sich aber sehr dafür entschuldigt. Das machte die Sache mit dem Kochen glaubhafter und sie hat noch einen Rettungsversuch gestartet und man konnte es sogar noch essen am Ende. Achja, es gab noch ein Rhababer-Erdbeer-Blätterteig Dessert.
Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich mir die Rezepte nicht aufgeschrieben habe. Es ging mir halt nur um den Spass und darum, Leute kennenzulernen. Ich fand meine $58 Dollar sehr gut angelegt. Einige Vokabeln habe ich auch gelernt: rhubarb, parsley, puff paste und einige andere, die sich leider nicht permanent in meinem Erinnerungsvermögen festgesetzt haben. Leider hatten die anderen Teilnehmer nicht die Geduld bzw. das Ziel, sich auch gut zu unterhalten, so dass Mademoiselle K. und ich allein mit der Köchin noch einen Schwatz gemacht haben. Die anderen sind recht früh aufgesprungen und weggerannt.
P.S. Eigentlich wollten wir ja Fotokurse machen, aber die waren alle schon ausgebucht. Da hätte ich dann eher den Kundigen raushängen lassen können.