Sprit an der Küche vorbei
Ich bin derzeit mit dem Auto unterwegs und höre einige der Informationssender, da die Dudelei ja nicht wirklich toll ist. Eben kam ein Beitrag über Biokraftstoffe und deren zweifelhaftem Nutzen. Weil mir einige Gedanken in den Sinn kamen, mag ich sie gern mit Euch teilen und eventuell mag ja auch jemand diskutieren.
Die Ziele des Biokraftstoff-Einsatzes ist an sich nicht falsch. Aber vielleicht sollte ich das Wort Biokraftstoff erstmal erklären. Oft wird übrigens Agrotreibstoffe dazu gesagt. Biokraftstoffe sind Kraftstoffe aus Nutzpflanzen, wie Raps, Mais, Palmen oder Zuckerrohr. Was will man nun damit erreichen? Ein Ziel ist natürlich, weniger Kohlendioxid in die Atmosphäre zu blasen, wenn man es mit herkömmlichen fossilen Kraftstoffen vergleicht. Die Einsparung kommt hauptsächlich dadurch, dass die Pflanze zum Wachstum CO2 braucht und die gleiche Menge bei der späteren Verbrennung wieder freisetzt. Rein theoretisch also ein Kohlendioxid-Perpetuum-Mobile.
In Wirklichkeit ist es natürlich nicht so, weil die Herstellung selbst Aufwand verursacht und Kohlendioxid freisetzt. Zugleich wird nur ein Teil der Pflanze zu Kraftstoff und der Rest nicht genutzt. Noch nicht muss man sagen, da bereits an der vollständigen Umsetzung gearbeitet wird. Zu Deutsch, nicht der Samen des Rapses ist interessant, sondern jedes Blatt und auch der Stengel.
Soweit so gut, aber es gibt einige negative Auswirkungen, die die Einführung dieser Kraftstoffe durch Zwang eigentlich eindeutig als unsinnig deklarieren und letztendlich wohl eher in die Kategorie Lobbyismus oder Initiativzwang einordnen. Ich bin mir zwar nicht sicher, ob ich mir die Zahlen richtig gemerkt habe, aber man braucht für 10% Biokraftstoffanteil ca. 6 Millionen Hektar Ackerland. Momentan sind es 1,7 Millionen und damit sind schon ca. 17% des verfügbaren Ackerlandes dafür in Nutzung. Baut man den Anteil aus, dann bleibt weniger für Nahrungsmittel. Was wohl wieder zu einer Verteuerung führen wird.
Zugleich werden alle Flächen oft nur noch in Monokulturen bewirtschaftet, weil man viel Geld aus dem Kraftstoffgeschäft ziehen kann, also wird man keine Fruchtfolgen mehr beachten und lieber mit Chemie die Felder behandeln. Zugleich muss man düngen, damit der ausgelaugte Boden noch Ertrag hergibt. Ganz krass wird es, wenn Importe herangezogen werden, um den Bedarf an Biosprit zu decken, denn Europa wird sich nicht selbst versorgen können.
Diese Importe kommen aus Indonesien und Brasilien. Dort werden Regenwälder gerodet, um Monokulturen anzubauen und natürlich wird auch das Holz gleich verkauft, um in Wohnungen von reichen Leuten zu landen. Ganz schlimm ist, dass auch eine Ausbeutung der Arbeiter stattfindet, Kinder arbeiten und die Arbeitsbedingungen selbst unter aller Sau sind. Nicht zu vergessen, dass der Export von Nahrungsmitteln zur Kraftstofferzeugung dazu führt, dass mehr Menschen hungern. Schliesslich zahlt das Ausland mehr, als der hungrige Mensch um die Ecke. Dabei bekommt der Begriff "Essen auf Rädern" eine ganze neue Bedeutung.
Fazit: Nicht den Markt verdonnern, 10% Biokraftstoffe beizumischen und ggf. den Mist auch noch subventionieren, sondern den Markt verdonnern, 10% Kraftstoff einzusparen!!! Gleichzeitig führt das auch noch dazu, dass zum Schluss Technologien zur Verfügung stehen (neue Motorenkonzepte etc.), die wieder exportiert werden können.
Photo by Mike9alive under CC-BY-2.0
