Waffen, McCain, Benzin und Reproduktion
So, heute seit Ihr mal wieder dran, auch wenn ich noch überhaupt nicht weiss, was ich Euch schreiben soll. Irgendwie fühle ich mich zu guten Inhalten verpflichtet. Ok, damit geht es los und wie gewohnt a) ich sitze im Barnes und b) ich habe einen Blue & Yellow Tee und einen Espresso. Letzterer soll nur meine Koffeinabhängigkeit bekämpfen.
Am nächsten Tisch sitzt ein Dude, der über Fragen einer Prüfung brütet oder sowas in der Art. Regelmässig stöhnt er oder ruft halblaut "Oh Shit!" Aber irgendwie mag keiner ein Gespräch anfangen :) Ich mag auch nicht und rege mich nur innerlich etwas auf, lache aber eher mehr über ihn.
By Boris v. Hoytema - CC-BY-2.0
Rechts von mir sind die aktuellen Zeitschriften ausgelegt. Besonders interessant ist die Combat Arms. Ein grosser Artikel widmet sich der SIG 556 SWAT - dem Problemlöser schlechthin. Mir ist gerade folgende Theorie eingefallen. Stellen wir uns mal vor, wir würden Waffen erlauben. Überall und für jeden. Monatlich hat jeder 20 Schuss frei und Unfälle durch Schusswaffen werden nicht verfolgt. Würden wir nicht schnell unsere aktuellen Probleme gelöst bekommen? Kaum jemand erreicht das Rentenalter und die Anzahl der Einwohner sinkt auch, so dass die Treibhausgase auch zurückgehen. Allerdings müsse man gegenrechnen, ob nicht die Munitionsherstellung und die Einäscherung der Toten mehr Schadstoffe freisetzt... mmm... morbide irgendwie.
Im völligen Kontrast dazu steht die aktuelle Ausgabe der MAXIM. Der Titel lädt mich förmlich ein, über explosionsartiges Bevölkerungswachstum nachzudenken, zumindest über den verursachenden Produktionsprozess. Passend dazu steht auch gleich Parenting im Regal und für später der RV Buyers Guide.
By soggydan - CC-BY-2.0
Gestern hat McCain, der Dude, der der neue Bush werden will, einen tollen Vorschlag zur Wählerköderung gemacht. Er möchte den ganzen Sommer lang die Mineralölsteuer erlassen. Klingt gut, ist aber nur wirklich fetzig in Deutschland. Hier in den USA sind pro Gallone 18,4 US-Cent Mineralölsteuer eingepreist - von der Regierung in Washington. Der restliche Steueranteil kommt von den Bundesstaaten und steht nicht zur Diskussion. Damit würde man als pro Liter 3 Euro-Cent einsparen. Hier sieht man schon, wo der Fehler im Modell liegt. Diese Summe kommt nie beim Verbraucher an, denn es ist klar, dass sich der Grossteil gleich mit Preiserhöhungen ausgleicht und später wird die Gallone dann aber wieder 18,4 Cent teurer. Merke: Senkungen von Verbrauchssteuern kommen nie nie nie beim Verbraucher an. Insgesamt würde das ca. 9 Mrd. US-Dollar kosten und dem Verbraucher 6,8 Mrd. sparen. Ich weiss nicht, wo die Differenz herkommt (Quelle: USA-Today). Pro Kopf ist das also eine theoretische Ersparnis von ca. 23 Dollar. Cool, ein halber Mini-iPod oder 1,5x Essen gehen. Das lohnt!
Übrigens kann man auch anders auf das Problem schauen. Wenn der Preis sinkt, dann fahren die Leute mehr Auto. Fahren die Leute mehr Auto, dann steigt die Ölnachfrage, damit steigt der Preis, damit ist die Steuersenkung weg... aber natürlich mehr Geld in der Tasche der Öldealer.
Das Doppelte pro Kopf könnte gespart werden, wenn nur jeder seinen Fernseher und sein Licht ausschalten würde, wenn er es nicht braucht. Einmal das Auto abstellen oder 2 Grad mehr im Auto erdulden, wenn man auf jemanden wartet und zack... Geld gespart. Scheiss auf Klimawandel, im Portmonnaie muss es klingeln!
Mich treiben viele meiner Büro-Mitkollegen hier auf die Palme. Innerlich, denn es ist ja ein No-Go, Kritik zu äussern. Wenn sie Feierabend haben, dann stehen sie auf und gehen. Computermonitor und Tischleuchte bleiben an. In der Küche wird das Licht angemacht, obwohl eine riesige Fensterfront die Selbige erhellt, aber der Lichtschalter lag ja auf dem Weg... danach bleibt das Licht natürlich an, obwohl der Lichtschalter immer noch auf dem Weg liegt. Die ganze Nacht bleibt das Licht im Office an, alle Flure taghell erleuchtet, alle Bäder, alle Gänge... und das, obwohl der Aus-Modus noch 25% des Lichtes anlässt. Man kann nicht mal richtig das Licht rausschalten.
By Consumerist - CC-BY-2.0
Heute stand der DHL-Laster 15 min ohne Fahrer vorm Büro und lief. Ein Benzin-V8 älterer Bauart natürlich. Der FEDEX-Transporter wartet abends auch minutenlang mit laufendem Motor auf das Herannahen der Abholzeit. Montag sassen wir draussen in der Sonne zum Mittag und plötzlich sprang ein V8-Ford-SUV an. Niemand da, niemand drin, niemand auf dem Weg... Mmmm... 5 min später näherte sich eine Frau, stieg ein und fuhr weg. P.S. Wir haben keinen Hochsommer und keinen Winter!
By Allan Henderson - CC-BY-2.0
Machen wir folgende Rechnung auf. Nehmen wir an, es gibt 100 Millionen Autos in der USA, was nicht stimmt, weil eigentlich auf jeden Erwachsenen schon über ein Auto laut letzter Statistik kommt. Aber machen wir es nicht so dramatisch, machen wir 50 Millionen draus. Will hier ja nicht den Öko machen. Nehmen wir noch an, dass 25% der Autos eine Minute pro Tag unnütz laufen und nehmen wir an, dass es im Schnitt ein 3-Liter V6 ist. Damit dürften ca. 2 Liter pro Stunde durchrinnen, rechnet man die vielen Kaltstarts mit ein. (50 Mio x 25%) x 1 min x (2 Liter / 60) = 416.000 Liter pro Tag. Zum momentanen Preis ($3,15 pro Gallone) sind das ca. 350.000 USD pro Tag. Macht für den Sommer von 4 Monaten insgesamt also 41,5 Millionen Dollar. Nicht viel, aber ein Anfang. Pro Nase sind das übrigens 14 US-Cent und kaufen kann man sich einen Viertel-Donut dafür.
So, dass reicht für heute. Ich schaue jetzt noch mal in die MAXIM... Nacht!
P.S. Ich habe auch einen Remote-Starter am Autoschlüssel... ob ich die Karre mal vorheizen lasse, während ich noch eine halbe Stunde durch den Buchladen renne? Man kann ja nie wissen, vielleicht will ich ja eher los oder es wird plötzlich Winter.
Watson
rr
Steuer aussetzen als Wahlkampfköder find ich ja mal echt ne tolle Idee. Das sollte sich hierzulande mal einer erlauben. Ich währ dann ja dafür einen Sommer lang keine Einkommensteuer! Das kommt dann bestimmt auch beim Verbraucher an und ich wette, dass das einen mordsschub für die Binnenwirtschaft währe.
Was mich hingegen erstaunt, dass ein Donut nur 56 US-Cent kostet. Sind die dinger da derart in Massenproduktion? Und ich dachte die Lebensmittelpreise währen stark gestiegen.
Towbson
michael
Es ist schwer das zu begreifen wenn man von außen drauf schaut. Diese ganze Waffensache hat eine gewissen Faszination, die man ruhig mal erleben und zulassen kann. Es eröffnet den ein oder anderen Aha-Effekt.
Darüber könntest du dann berichten.
Andreas
kLeInE_hExE
Häng ein Schild neben den Lichtschalter. So ein riesen großes leuchtendes Schild mit der Aufschrift "Please turn off the lights when leaving" .. Vielleicht hilfts ja ...
Kante
Rene99
@all: Waffen? Mir geht es hier nicht um den Waffenbesitz und ich bilde keine Meinung dazu, ich hatte nur die Idee zur sich selbstorganisierenden Ökologiepartie und Rentenrettung. Wenn man Leuten Waffen gibt und es straffrei macht, dann nutzen die Leute die Waffen und das Problem schaukelt sich auf, denn aus Selbstverteidigung wird schnell Angriff wegen Prävention.
@Micha: Weiss nicht, war bei der Bundeswehr, weiss wie man rumballert und das es dummerweise Spass macht. Kann also die Leute hier verstehen, aber trotzdem kann ich Waffen zu Hause nicht nachvollziehen.
Sina
Woow, der Donut, so günstig?!...Hier bei Dunkin 1,30€!
michael
Mittlerweile werden die Amerikaner von ihrer eigenen Regierung derart entmündigt und verfolgt, dass sie die Waffen möglicherweise bald brauchen werden und die ganze Sache hat plötzlich andere Vorzeichen.
Rene99