Der neue Boston City Guide

Boston City Guide Buch

Der neue Boston City Guide ist draussen und ich habe einen. Ich brauchte ihn nicht einmal bezahlen, denn auf Seite 58 findet sich ein Foto von mir... also nicht als Person, sondern aus meiner Hand. Freu!

Buchkritik: Gary Gibson - Lichtzeit

Gary Gibson - Lichtzeit

Gerade habe ich den Roman Lichtzeit von Gary Gibson ausgelesen und deswegen gibt es gleich ein Fazit.

Ich will nicht lange um den heissen Breit herumreden, dass Buch ist schlecht, auch wenn der Guardian meint, dass Gibson ein atemberaubendes Panorama entwirft... das Buch ist ein Panorama und zwar ein viel zu grosses.

Zu viele Sonnensysteme und Rassen, zu viele Personen und zu viele Handlungsfäden, die nicht die Bohne mit dem Finale zu tun haben. Das Buch handelt von den Shoal, den Bandati, den Menschen (Freistaatlern und aus dem Konsortium), den Maschinenköpfen, den Weisen, den Schöpfern und den Emissiären. Jeder liegt mit jedem im Klinsch. Um die Sache noch viel verworrener zu gestalten, gibt es von den Bandatis zwei Hives, die Shoal wandeln jemanden zur Strafe um und einige andere Menschenfiguren tauschen belanglos auf und sind wieder weg. Dazu kommen noch jede Menge unterschiedliche Raumschiffe, die meist ineinander verschachtelt rumfliegen und jede Menge Dinge gehen zu Bruch.

Nette Idee, aber viel zu viel hineingepresst. Ich habes nur ausgelesen, um eventuell dahinter zu kommen, was jetzt nun eigentlich der Höhepunkt ist und wer gewinnt.

Ich verschenke das Werk. Wer es möchte, bitte melden.

Buchkritik: Robert Charles Wilson - Julian Comstock

Buchcover Julian Comstock

Gerade habe ich Robert Charles Wilson - Julian Comstock ausgelesen und deswegen soll es auch gleich einen Kurzabriss geben, damit ich es nicht wieder vergesse.

Julian Comstock spielt in der Zukunft, aber das Buch ist kein High-Tech Science Fiction, sondern Low-Tech. Die Technologie ist verschwunden und die Welt erfindet sich gerade wieder neu. Man gräbt nach den alten Sachen der untergegangenen Welt. Die Dampfmachine ist aktuell, Öl gibt es keins mehr, Kohle ist die Energieform der Wahl. Computer kennt man nicht, Hochhäuser sind Skelette und vom alten Glanz ist kaum etwas übrig, nur Gerüchte und feuchte muffige und illegale Bücher, die nicht jeder lesen kann, weil nicht jeder lesen kann.

Amerika's Hauptstadt ist jetzt New York und der Amtssitz des Präsidenten liegt auf dem Gebiet des ehemaligen Central Park. Amerika reicht vom Panamakanal bis weit ins ehemalige Kanada. Es ist immer Krieg - Amerika und die Deutschen kämpfen gegeneinander. Nicht wirklich die Deutschen allein, denn "die Deutschen" ist der Sammelbegriff für Europa, dass auch nicht mehr so aussieht, wie es mal war.

Gesellschaftlich hat sich auch viel verändert. Ein Feudalsystem ist wieder entstanden, aus Aristokratie, Leiharbeitern und Leibeigenen. Die Kirche hat quasi das Sagen und diktiert Moral, Politik und Literatur. Der Präsident regiert auf Lebenszeit und wird nur noch bestimmt, nicht mehr gewählt.

In dieser Welt erzählt der gedachte Autor des Buches von seiner Freundschaft zu Julian Comstock, eines Neffen des gegenwärtigen Präsidenten. Das ganze Buch ist aus der Ich-Perspektive geschrieben und der Gesamtstil liegt irgendwo zwischen Tagebuch, Biografie und Roman. Beide erleben Kindheit, Jugend und Krieg zusammen und der Rest sei jetzt nicht verraten.

Wilson hat ein interessantes Buch geschrieben, dass leider nicht ganz alle Erwartungen erfüllt. So wartet man vergebens auf mehr Einblicke in die Zeit zwischen dem Heute und der Zukunft, die so komplett anders ist. Auf das Warum es so gekommen ist und warum die Welt so immens zurückfiel, geht er nicht weiter ein. Vielleicht, weil die Menschen dieser neuen Zeit auch nichts vom Gestern wissen. Die Kirche hortet das Wissen über das Damals und gibt es nicht frei. Ausgegrabene Bücher aus alten Städten machen unter der Hand die Runde, denn es ist illegal Bücher ohne Freigabe des Dominion (der Kirche) zu lesen.

Julian Comstock ist durchaus lesenswert, wenn man damit leben kann, dass nicht alle Fragen beantwortet werden und die Geschichte doch teilweise zu naiv verläuft. Aber schliesslich lesen wir aus der Perspektive eines anderen Schriftstellers, der Julian und sein Leben nachzeichnet und natürlich zu Übertreibung und Vereinfachung neigt.

Fazit: Ok-Stoff wenn es draussen regnet und schneit.

Gleich zwei SF-Buchkritiken

Eschbach - Solarstation

Heute möchte ich meine beiden letzten Bücher in einem Artikel abhandeln. Wie immer sei nicht viel vom Inhalt verraten.

Der erste Buch ist von Andreas Eschbach und heisst Solarstation. Es spielt an Bord der japanischen Solarstation NIPPON, die um die Erde kreist, um das Sonnenlicht einzusammeln und mit einem Mikrowellenstrahl zur Erde zu schicken. Doch dann geschieht der erste Mord im Weltraum und ein fremdes Raumschiff dockt an.

Eschbach hat einen schöne Geschichte geschrieben, die von einem mächtigen Japan handelt, dass die USA überflügelt hat. Europa ist zerstritten und im Nahen Osten ist Krieg. Man fühlt sich beim Lesen quasi an Bord der Raumstation und schwebt mit dem Helden durch die Module. Leider verliert sich der Charme eines guten Krimis mit einem Ermittler schnell in hektischen Handlungen, die die Geschichte etwas zu schnell zu Ende kommen lassen. Die Spannung ist dann etwas dahin.

Trotzdem kurzweiliger Science-Fiction, den man schnell mal an einem Tag verzehrt hat und der nicht gross belastet. Durchaus lesenswert.

Scalzi - Androidenträume

John Scalzis Roman Androidenträume spielt dagegen in einer noch ferneren Zukunft, denn Ausserirdische sind etwas ganz Normales. Natürlich sind nicht alle Ausserirdischen lieb und nett, einige sind durchaus intrigant. Also kommt es im Laufe der Geschichte zu Missverständnisen und einem Wettlauf um den Androidentraum. Nur soviel sei gesagt, es ist keine Maschine.

Das Buch ist schön zu lesen, leider spielen zu viele Charaktere mit und man verliert leicht die Übersicht, wer jetzt eigentlich was will. Einige Stellen sind auch etwas zu viel Fantasy für meinen Geschmack. Die Scheibenwelten und Douglas Adams lassen grüssen. Es dauert auch etwas lange, eh das Buch verrät, wo die Reise überhaupt hingehen soll.

Als Fan von SF macht man trotzdem wenig falsch, man muss nur genau auf die handelnden Personen und ihre Namen achten. Gerade die Ausserirdischen heissen irgendwie alle gleich.

Buchkritik zum Film Ghostwriter... eine Wiederholung

The Ghost

Da gerade der Film Ghostwriter ins Kino gekommen ist, hier nochmal meine Buchrezension von 2008. Ich hoffe, dass der Film mit dem Buch mithalten kann. Die Verfilmungen von Vaterland und Enigma waren beide eher mässig und eher nicht mal ansatzweise den Büchern ebenbürtig.

... Im Urlaub habe ich nicht nur Urlaub gemacht und leicht gearbeitet, denn ich konnte einigen Emails nicht aus dem Weg gehen, sondern ich habe auch gelesen. Das Buch hiess The Ghost und ist von Robert Harris. Der Herr hat auch Fatherland und Engima geschrieben.

Wie immer gibt es keinen Inhalt, nur soviel: Es geht um den ehemaligen britischen Premierminister, der eine Autobiographie für 10 Millionen Dollar schreiben lässt. Wie so oft übernimmt ein Ghostwriter diese Aufgabe und dabei kommt es zu Komplikationen.

Die Geschichte spielt in New York, Washington und auf Marthas Vineyard, einer Insel im Süden von Massachusetts. Das Buch ist sehr darstellend geschrieben, leicht zu lesen (Englisch) und spannend, denn die Lösung kommt erst sehr spät. Ich habe das Buch verschlungen. Wichtig ist noch zu erwähnen, dass es im Jetzt spielt und auf Terrorismus und Irak-Krieg Bezug nimmt...

Mehr zum Film dann nächste Woche, denn der Besuch steht fürs Wochenende auf dem Plan.

Buchkritik: Sergej Lukianenko - Spektrum

Buchcover Spektrum

Von Sergej Lukianenko habe ich ja schon Einiges gelesen und war meist sehr zufrieden mit dem Leseergebnis. Aus diesem Grund konnte ich auch nicht an Spektrum vorbeigehen. Natürlich ist auch Spektrum wieder Science Fiction, aber auf die sanfte Tour.

Spektrum spielt in einer nahen Zukunft und Ausserirdische sind quasi normale Bekannte. Man kann von Planet zu Planet reisen und zwar durch die Benutzung von Sternentoren, die von Ausserirdischen, den Schließern, betrieben werden. Die Schließer verlangen von der Erde nichts, sie bezahlten sogar Pacht für die Fläche, die die Sternentore einnehmen. Jeder kann das Tor benutzen und der Preis ist niedrig - eine Geschichte, eine schnöde Geschichte muss erzählt werden. Die Geschichte muss aber neu und originell sein. Bereits erzählte Geschichten sind wertlos und ablesen gilt nicht.

Martin, ein russischer Privatdetektiv und regelmässiger Weltengänger, wird nun als Experte für einen verzwickten Fall angesetzt. Er bewegt sich über viele Welten, er lernt fremde Wesen kennen und arbeitet langsam auf die Lösung des Problem zu. Martin ist ausserdem kein Kostverächter. Er kocht und trinkt gern. Ein Russe halt. Deswegen darf man sich an kulinarischen Beschreibungen ergötzen, sobald Martin eine Ruhepause braucht oder endlich mal wieder zu Hause ist.

Spektrum ist fesselnd, lustig und es beschreibt fremde Welten sympathisch und mit Respekt. Zum Ende hin wird es etwas schwer verständlich im Bezug auf die Lösung des Gesamträtsels. Aber hier gleichen sich alle Bücher von Lukianenko etwas, denn er setzt voraus, dass der Leser teilweise sehr abstrakt oder metaphysisch denkt. Das ruiniert aber nicht das Gesamtbild und den Spass am Buch.

Fazit: Lesebefehl, wenn man Science Fiction mag, wo die Menschen einfach nur eine Rasse von vielen sind.

Lesenswert - Rätsel um US-Staatsschulden

Wer sich auch nur die Bohne für das grosse wirtschaftlich Ganze interessiert, der sollte unbedingt einen kurzen Blick auf diesen Artikel von Telepolis werfen: Rätsel um US-Staatsschulden.

Wer nur Bahnhof versteht: Die USA kaufen einen Teil ihre eigenen Schulden mit selbstgedrucktem Geld.

Buchkritik: Dmitry Glukhovsky - Metro 2034

Metro 2034

Wieder Moskau nach einem Atomkrieg und wieder haben wir in der U-Bahn, der Metro, überlebt. Glukhovsky schickt uns wieder in die endlosen Tunnel und Schächte und verspricht eine spannende Geschichte.

Obwohl ich Metro 2034 wie bereits Metro 2033 verschlungen habe, habe ich mir doch von 2034 mehr versprochen.

Es fängt alles nicht schlecht an, aber nach 40% des Buches wird es mau, und die Geschichte beginnt zu rennen. Noch mehr Kreaturen, noch mehr Mitspieler und das Buch im Buch ist eine interessante Idee, aber die Seiten habe ich meist übersprungen. Ja, ich habe Text-Springen veranstaltet, weil es langweilige und beitragslose Textstücke gibt und es werden zum Schluss immer mehr.

Ich finde, dass die Rolle des Hauptdarstellers im Laufe des Buches drei Mal wechselt. Das macht es nicht gerade leicht, sich zu motivieren, weil man ja gern Antworten haben möchte, diese aber meist nicht bekommt. Auch unser Held aus 2033 taucht kurz wieder auf, aber eher zusammenhanglos. Auch das Hauptthema von 2033 steht kurz an, wird aber nicht weiter diskutiert bzw. eher abgetan. Aber genau das interessiert, weil 2033 ja eher offen endet.

Mein Fazit: Kann man lesen, aber nur, wenn man 2033 richtig gut fand und sich noch etwas unter der Erde tummeln möchte. Ob ein 2035 besser wird?

Einem Astronauten die Hand geschüttelt

Heute hatte ich das Vergnügen, den Space Shuttle Astronauten Mike Mullane auf der STPCon 2009 kennenzulernen. Die STPCon ist eine Testkonferenz und Mike wurde eingeladen, um aus Sicht eines Astronauten Motivation zum Thema Testen zu versprühen. Man kann sich ja durchaus vorstellen, dass die NASA eventuell Sachen vorher ausprobiert, damit es dann erfolgreich fliegt.

Mike erzählte wunderbar, wie man als Astronaut lernen muss, die Toilette zu treffen, wie er zu NASA gekommen war, wie die Flugcomputer des Shuttles grob funktionieren usw. Aber der eigentliche Kern seiner Rede war "Normalization of Deviance" und es klang zunächst überhaupt nicht nach Testen.

Er erklärte uns verständlich, wie die "Normalisierung von Abweichungen" bzw. treffender die "Gewöhnung an Abweichungen" schlussendlich zu Katastrophen führt. Im Fall der NASA zu Unglücken, wie der Explosion des Challenger-Shuttles 1986.

Der Grund für das Unglück lag in einfachen Gummidichtungen (O-Ringe). Diese Ringe dichten die Feststoffraketen-Segmente ab. O-Ringe dürfen nicht porös werden und niemals mit Hitze in Kontakt kommen, denn das Innere der Rakete brennt aus und die Flamme darf nur nach unten und niemals zur Seite entweichen.

Der Hersteller entdeckte sehr zeitig, dass die Dichtungsringe mit Brandspuren von den Flügen zurückkehrten und alarmierte die NASA, da laut Vorschrift und Spezifikation niemals ein Ring mit Flammen in Kontakt kommen durfte. Da die NASA zu dieser Zeit unter extremen Druck stand, hat man das Problem verzögert, ignoriert und heruntergespielt. Immer mehr Flüge kamen mit immer mehr Schäden zurück, aber da bisher nichts passiert war, hielt man das Problem für hinnehmbar, obwohl die ursprüngliche Spezifikation und alle Warnungen des Herstellers andere Dinge erzählten.

Jeder Flug ohne offensichtliche Probleme, aber mit beschädigten Ringen, war quasi die Bestätigung der Abweichung. "Eigentlich haben wir doch kein Problem." "Ist schon nicht so schlimm, geht doch bisher." Am 28. Januar 1986 trat dann genau die Situation ein, die viele vorhergesagt hatten. Ein Techniker hatte sich nur um 73 Sekunden geirrt. Er hatte die Explosion am Boden erwartet.

Mit diesem drastischen Beispiel menschlicher Gewohnheit, hat er sehr schön einen unserer typischen Fehler vorgeführt, denn wir nehmen oft unter Druck Abkürzungen und gewöhnen uns dann daran, weil es ja gut ging. Jede erfolgreiche Abkürzung wird zur Bestätigung der Abkürzung, weil ja nichts passiert ist.

Für uns Tester heisst das übertragen, dass ein aus Zeitgründen ausgelassener Test wohl auch beim nächsten Mal ausgelassen wird bzw. man uns dazu "zwingt", darauf zu verzichten, weil beim letzten Mal ja alles in Ordnung war.

Am Ende des Vortrages habe ich dann sein Buch "Riding Rockets" mit Widmung erworben und ihm die Hand geschüttelt, denn er hat Recht. Wir gewöhnen uns viel zu oft an unsere Ausnahmen und Abkürzungen... bis es eines Tages zu spät ist. In seinem Geschäft wird das dann eine Meldung in den Abendnachrichten. Glücklicherweise ist es in meinem Geschäft meist "nur" ein finanzieller Verlust.

Buchkritik: Jean-Christophe Rufin - 100 Stunden

100 Stunden

Heute möchte ich einige Worte zum Buch 100 Stunden von Jean-Christophe Rufin verlieren. Obwohl ich es schon vor einiger Zeit gelesen habe, bin ich Euch noch eine Kritik schuldig.

In 100 Stunden geht es um Ökoterrorismus, d.h. man will den Menschen wieder in Einklang mit der Natur bringen. Dazu Bedarf es radikaler Schritte. Diese seien hier aber nicht verraten, weil es sonst keinen Sinn mehr macht, dass Buch zu lesen. Ich will ja nicht soviel verraten, wie es einige Rezensionen bei Amazon immer tun. Als grobe Anhalt sollen nur diese Worte dienen. "Wir sind zu viele Menschen, und die Ökologie lässt besonders in der Dritten Welt zu wünschen übrig."

Rufin beginnt sein Buch sehr spannend und weiss zunächst genug Verwirrung, und falsche Vermutungen zu erzeugen. Später dann, wenn die Agenten einer privaten Organisation ständig an anderen Orten sind, jede Aktion meist glatt geht und ganz unspektakulär Informationen ständig überall immer verfügbar sind, dann wird es langweilig. So verwundert es auch nicht, dass das Buch ohne richtigen Höhepunkt zum Ende kommt.

Zu Beginn möchte man das Buch nicht weglegen und sagt sich immer: "Nur noch das nächste Kapitel." Leider hält die Spannung nicht an und man verliert hier und da die Lust am Lesen. Einige der Agententeile, wenn man wieder alles glatt geht, habe ich dann auch mit grossen Wortsprüngen abgekürzt. Man bleibt nur dabei, weil man wissen, wer zum Ende gewinnt und wie.

Einige Aspekte des Buches, speziell der Einblick in die Gedankenwelten von radikalen Ökos sind sehr interessant und teilweise erschreckend. Speziell dann, wenn man sich dabei ertappt, dass ein oder andere Argument zu bejahen, weil die Begründung dahinter nachvollziehbar erscheint.

Fazit: Ich bin vom Buch enttäuscht, weil auf dem Cover Lobeshymnen zitiert werden, die nicht nachvollziehbar sind. Auch sind Orte und Personen oft zu flach gezeichnet. Einige Seiten wirken, als hätte ich sie geschrieben - reine Handlung ohne Blumen zur Dekoration. Es ist lesbar und der Einblick in die radikale Ökoszene, sofern hoffentlich nicht nur erdacht, ist interessant. Der Rest ist zu einfach und zu glatt. Die Agenten sind zu toll und irgendwie fehlerfrei, vom Adrenalinkick-Sex mal abgesehen. Das grosse Potential der Geschichte wird nicht ausgeschöpft.

Buchkritik: Andreas Eschbach - Quest

Andreas Eschbach - Quest - Cover

Und wieder ein Buch verspeist. Diesmal habe ich von Andreas Eschbach "Quest" gelesen. Eschbach gehört zu meinen Lieblingsautoren und so verwundert es nicht, dass sich das Buch flüssig runterlass.

Quest ist Science-Fiction in Reinstform. Wie stelle ich Euch jetzt das Buch vor, ohne den Inhalt zu verraten, denn man darf keinen Bestandteil des Buches vorgreifen, sonst versaut man sich interessante Wendungen. Ich denke, mit dem Zitat vom Cover geht es am besten:

"Es ist die Geschichte des Raumschiffkommandanten Eftalan Quest, der mit seiner Besatzung aufbricht, um den Planeten des Ursprungs zu suchen, jenen geheimnisvollen Ort, an dem das Leben im Universum seinen Anfang nahm."

Wir lernen unbekannte Welten kennen. Welten, die von Menschen besiedelt sind in einer fernen fernen Zukunft. Alle Welten sind bedroht vom Sternenkaiser, den man nicht besiegen kann und der nur Vernichtung bringt. Kommandant Quest bricht mit seinem Schiff und einer grossen Besatzung auf, um Hilfe zu finden, Hilfe im Kampf gegen den Sternenkaiser.

Eschbach serviert ein opulentes Science-Fiction Mahl, reich an Details, unglaublichen Dingen und kleinen Geschichten. Er könnte locker drei Fortsetzungen oder Seitenarme der Geschichte daraus stricken. Allein die Beschreibung der Gesellschaftsordnung, die gerade herrscht, nach der Republik übrigens, ist genial. Mehr will ich nicht verraten.

Fazit: Science-Fiction-Fan? Wenn ja, dann unbedingt lesen. Eschbach-Fan? Lesepflicht! Offen für Neues und Fantastisches? Lesen!

Buchkritik: A. Lee Martinez - Der automatische Detektiv

Der automatische Detektiv

Der Roboter Mack hat den freien Willen entwickelt und kann deswegen ordentlicher Bürger in Empire City werden. Dazu arbeitet er momentan als Taxifahrer, solange seine Bewährungszeit läuft. Da wird er plötzlich in eine verzwinkte Geschichte hereingezogen, denn seine Wohnungsnachbarn sind plötzlich weg. Schritt für Schritt entdeckt er, dass er ein guter Detektiv wäre und gleichzeitig sogar Gefühle zur schönsten Frau der Stadt entwickelt, die sogar technophil ist...

A. Lee Martinez hat eine Welt mit Empire City geschaffen, die der pure ökologische Albtraum ist. Trotzdem ist alles nur auf Fortschritt und Streben ausgerichtet. Roboter sind normal, Mutanten sind normal und wenn es Säure regnet, dann geht mal halt nicht raus. Faszinierend zu lesen und man kann sich einfach die Hochhäuser, Auto und Menschen dazwischen gut vorstellen.

Das Buch wird mit "...strapaziert unsere Lachmuskeln aufs Äusserste." beworben. Dem kann ich leider nicht beipflichten, da viele Seiten mit reinen Schilderungen von Action gefüllt sind. Wieder und wieder rennt der Roboter durch Wände, fällt irgendwo runter oder prügelt sich mit Mutanten. Auch findet sich wenig detektivischer Spürsinn. Mack macht vieles mit brachialer Gewalt.

Fazit: Nett zu lesen, aber ich bin nicht auf eine Fortsetzung gespannt. Eine fantastische Welt, die mir gefällt, aber die Geschichte darin... weder Science-Fiction, noch Fantasy, aber auch keine Kriminalroman, wie ich zuerst erwartete. Kann man lesen, muss man aber nicht.

Buchkritik: Dmitry Glukhovsky - Metro 2033

Cover Buch Metro 2033

Vor einigen Tagen habe ich meine Ohren wieder zwischen Buchseiten versteckt und zwar im Buch Metro 2033 von Dmitry Glukhovsky. Da ich schwer begeistert vom Buch bin, hier meine Kurzmeinung.

Wir befinden uns im Jahr 2033 und die Welt liegt nach einem Atomkrieg in Schutt und Asche. In Moskau haben sich die wenigen Überlebenden ins Metro-Netz geflüchtet. Für den Uneingeweihten - in Moskau heisst die U-Bahn Metro. Es ist eine neue Zivilisation entstanden, die sich gegen die Widrigkeiten des Lebens unter der Erde und gegen sich selbst verteidigen muss.

Metro 2033 erzählt die Abenteuer des jungen Artjom, der von seiner Heimatstation aufbricht, um eine Aufgabe zu erfüllen. Dabei entdeckt er die Welt der Metro und ihre dunklen Geheimnisse. Ihm begegneten Verrückte, Verzweifelte, Normale, Mutanten und Kreaturen, wie sie noch nie ein Mensch zuvor gesehen hat.

Dmitry Glukhosky entführt uns in eine Parallelwelt zum Jetzt. Kleine Staaten existieren, Anarchie existiert, Wildnis existiert und überall ist Angst und viel Dunkelheit. Metro beleuchtet die dunklen Seiten der Menschheit, das Grauen und die Gier. Glukhosky versteht es, uns in den dunklen Tunnel mit dem Helden stehen zu lassen und jedes Geräusch wahrzunehmen, jeden Luftzug und jede Berührung.

Für zarte Gemüter ist vom Lesen spät in der Nacht und kurz vorm Schlafengehen abzuraten. Man träumt von der Metro und wenn man abends allein in der Wohnung ist, dann macht man doch öfters Licht als sonst. Metro ist aber kein Horror ala Stephen King und erst recht kein ekelerregenden Blutspritzwerk.

Fazit: Unbedingt lesen, wenn man Endzeitstimmung mag oder die finsteren Seiten der Menschen beleuchtet sehen möchte. Wer zu Klaustrophobie neigt, der mag kann das Buch auch zur Therapie einsetzen... Metro habe ich trotz seiner 780 Seiten in wenigen Tagen verschlungen. Man mag das Buch oft nicht weglegen, weil man unbedingt wissen will, was im nächsten Tunnel ist oder wie die nächste Metrostation aussieht und wer dort lebt.

Buchkritik: Sergej Lukianenko - Sternenspiel

Buchcover Sternenspiel

Vor einiger Zeit habe ich Sergej Lukianenko's Weltengänger verschlungen. Was lag also näher, sich ein weiteres Buch von ihm zu Gemüte zu führen. Doch diesmal geht es nicht in Parallelwelten, sondern in die Zukunft der Erde und in den Weltraum.

Die Menschheit hat sich auf in den Weltraum gemacht und handelt mit Ausserirdischen. Dank eines Überlichtantriebes, Jump genannt, können die Menschen schnell zu entfernten Planeten reisen. Den Ausserirdischen ist diese Technologie nicht vergönnt. Auf der Erde ist fast alles wie jetzt auch. Astronauten und Kosmonauten sind Elite, wir haben unser Klima durch viele Raketenstarts versaut, alles in allem leben wir aber noch.

Der Kosmonaut Pjotr Chrumow ist jung und lässig. Auf dem Nachhauseweg von einem entfernten Planeten versteckt sich ein Zähler, ein Ausserirdischer, auf seinem Schiff. Plötzlich gerät Pjotr in die Ränkespiele um die galaktische Macht und die Zukunft der Menschheit liegt in seiner Hand.

Lukianenko schreibt spannend ab der ersten Seite. Er schildert eine faszinierende Zukunft, ohne sie zu glorifizieren, denn die Menschheit scheint nicht klüger zu sein, nur weiter reisen zu können. Allein seine Schilderungen des russischen Alltags der Zukunft sind jede Minute mit dem Buch wert.

Ab der Hälfte des Buches wird es plötzlich schwerer und langatmiger. Die Erzählperspektive ändert sich und man ist verwirrt... wie der Held des Buches. Bevor man sich zurechtfindet, ist das Buch zu Ende... aber Hilfe naht. Im August 2009 wird die Geschichte im Buch Sternenschatten fortgesetzt und mir hoffentlich einige Fragen beantworten.

Fazit: Sternenspiel ist klassischer Science-Fiction und das ist auch gut so. Das Buch ist ausserordentlich lesenswert, auch wenn zum Schluss nicht alle Fragen beantwortet werden und man sich doch etwas hingehalten fühlt. Ich habe den Wälzer in drei Tagen bewältigt, da er so fesselnd war... und

Buchkritik: Ken Follett - Der Mann aus St. Petersburg

Der Mann aus St. Petersburg

Vor einigen Tagen bin ich mit dem Buch Der Mann aus St. Petersburg von Ken Follett fertig geworden. Da ich lange keine Buchrezension mehr geschrieben habe, wird es endlich mal Zeit. Ausserdem bin ich Ken Follett-Fan und deswegen erst recht.

Follett führt uns zurück ins London kurz vor Ausbruch des 1. Weltkrieges. Lord Walden verhandelt mit dem Abgesandten des russischen Zaren, Alex Orlow, über die Unterstützung Russlands im Kampf gegen Deutschland. Winston Churchill ist dabei der Vermittler zwischen Walden und dem Premierminister Englands.

Felix Kschessinsky will diesen Handel verhindern und Orlow töten. Doch als er mit der Ausführung seines Planes beginnt, trifft er seine ehemaligen Geliebte wieder. Felix wird zwischen Liebe und Revolution hin- und hergerissen.

Follett versteht es, uns eine rasante Fahrt durch das London um 1913/1914 zu bieten. Er beschreibt die Szenarien, die sozialen Zustände und die sozialen Konflikte perfekt. Alles fühlt sich Very British an. Der Einblick in die herrschende Klasse und das Untertanentum dieser Zeit, lässt einen manchmal erstaunt feststellen, dass das erst 90 Jahre her ist. Es fühlt sich wie Mittelalter an. Stereotype und Druck durch die Gesellschaft, um jede eigene Entscheidung zu unterbinden bzw. zu lenken.

Auch weiss man oft nicht, ob man mit dem Attentäter sympathisieren oder seine Absichten verurteilen soll. Das Buch langweilt an keiner Stelle und man mag es oft nicht weglegen, weil man sich fühlt, als wäre man dabei, als wäre man im England des frühen 20. Jahrhunderts.

Fazit: Unbedingt lesen, wenn man Spannung, etwas Geschichte und einen Blick in die nahe Vergangenheit Europas mag. Für die Frauen ist auch eine Portion Liebesgeschichte versteckt.