Öl, Zeitschriften, Müllbeutel und Rumschmieren

Pappbecher

By Plutor - CC-BY-2.0

Nun ist es mal wieder soweit. Ich sitze im Barnes & Nobles und schreibe mir eine Runde den Frust vom Leib. Naja, Ihr werdet hier nicht den Frust lesen... das Schreiben an sich soll mich etwas lockern, damit ich von der Arbeit etwas loskomme. Diesmal trinke ich einen grossen African Autumn Tea. Roibusch mit noch was drin. Wie immer gab es sinnloser Weise zwei Becher und noch eine Hitzeisolierung extra. Wir haben es ja. Ob die Leute noch nix von Profitoptimierung gehört haben? Ich spreche jetzt mal absichtlich nicht von Ressourcenschonung.

Um das Zeitschriftenregal rennt eine Buchlady ringsrum und sortiert die ganzen Zeitschriften neu bzw. wieder ein, die die Leute unachtsam verstreut haben bzw. die sich im Café gesammelt haben. Viele Leute, auch ich, kaufen Zeitschriften nicht, sondern lesen sie vor Ort. Ich sehe $16 für eine Fotozeitung mit 60% Anzeigen nicht ein. Das ist irgendwie ein Henne und Ei-Problem. Die Zeitschriften werden teurer, weil sie keiner kauft und die Kosten gedeckt werden müssen und die Leute kaufen sich nicht, weil sie zu teuer sind.

Damit hätten wir auch gleich den Schwung zum Öl gemacht, meinem Lieblingsthema. Eigentlich wollte ich wieder böse Schimpfen, aber ich bin gerade nicht in Fahrt. Mich kotzt aber die Diskussion hier in den Medien an, dass man endlich mehr Öl fördern muss, damit der Preis sinkt. Was theoretisch gut klingt, funktioniert praktisch nicht. Der Grund dafür liegt in drei Dingen begründet.

Öl

By N_Creatures - CC-BY-2.0

1) Nach den letzten Erhebungen ist die Nachfrage bzw. der Verbrauch von Öl pro Tag höher als die Fördermenge. Damit führt mehr Öl nicht zu einem Überangebot und damit nicht zu einem Preisdruck. Ich brauche den Preis einer Ware nicht zu senken, wenn die Leute es nirgends bekommen können, weil alle ausverkauft sind bzw. der Preis ja bezahlt wird.

2) Damit wären wir beim zweiten Punkt. Es wird jeder Preis bezahlt. Wir sind so abhängig, dass man fast jeden Preis für Öl verlangen kann, es gibt keine schnellen Alternativen. Während man bei Eiern im Supermarkt mal ganz schnell mit einem Ei weniger auskommt oder auf Fertigbackwaren ausweicht, kann man bei Öl nicht einfach schnell mal was anderes nehmen. Selbst wenn man Benzin auch aus Kohle machen kann (eine Erfindung der Deutschen und wir machen selbstverständlich wieder kein Geschäft damit), es dauert Jahre, bevor Kohle erschlossen und die Fabrik gebaut ist.

3) Daraus ergibt sich auch gleich der letzte Punkt, mehr Öl fördern geht kaum noch, auch wenn Saudi-Arabien angeblich mehr liefern will. Ein Loch in Alaska oder vor der Küste von Mexiko ist nicht mal schnell gebohrt, sondern es dauert bis zu 10 Jahren, bevor aus einem neuen Ölfeld der erste Tropfen für den Verbraucher kommt.

Da wären wir gleich bei der Schlussfolgerung... wenn man kein Überangebot erzeugen kann oder will, dann muss der Verbraucher ein Überangebot verursachen. Das geht zwar auch nur langsam, aber es geht. Schliesslich sind Millionen von Verbrauchern mächtiger als eine Ölfirma. Und wie macht man das? Man braucht weniger Öl durch Sparsamkeit, damit entsteht ein Überangebot bzw. der Drang, mehr Öl zu verkaufen.

Alte Zapfsäule

By Allan Henderson - CC-BY-2.0

Übrigens sind nicht mehr die Ölfirmen die Macht, sondern die Ländern, die das Öl haben. Also die arabischen Länder, afrikanische Despoten, Russland, Venezuela und und und. Der Grossteil der Erdölförderung wurde in den letzten Jahrzehnten verstaatlicht, um am Drücker zu bleiben. Öl dient global gesehen hauptsächlich politischen Interessen.

So, nun habe ich wieder nur über Öl geschrieben, dann doch noch ein kleiner Blick in die Runde. Links von mir sitzen zwei College-Mädels asiatischer Abstammung. Sie sprechen miteinander flüssiges akzentfreies Englisch, also nehme ich mal an, dass sie hier geboren sind. Gerade habe sie sich über Anke unterhalten, einem deutschen Mädchen an ihrer Schule. Sie soll "tall and cute" sein :)

Rechts von mir sitzt ein Ehepaar oder so. Beide lesen Bücher. Schräg links sitzt ein Herr, der mit einem gelben Marker in einem dicken Buch rumschmiert. Daneben sitzt Forest. Ein Farbiger, der in einer dicken Schwarte liest und dabei lächelt. Ich nehme also mal an, dass es kein Medizinbuch ist und auch nicht eine Gesetzessammlung. Seinen Namen weiss ich übrigens, weil er bei der Bestellung vor mir stand und seine heisse Schokolade mit Namen beschriftet wurde.

Ganz hinten sitzt eine ältere Dame in Weiss. Sie schreibt oder markiert mit Links irgendetwas. Auf dem Tisch steht ein Shaken Ice Tea mit dem obligatorischen grünen Strohhalm (straw).

Flipflops

By Kai Hendry - CC-BY-2.0

Die junge Dame vom Café ist heute mit Abfalleimer-Leerung dran. Wer weiss, wie amerikanische Müllkübel aussehen, weiss jetzt, dass sie mit mannshohen weissen halbdurchsichtigen Tüten hantiert. Nach dem Tütenwechsel zieht sich einen riesigen Beutel mit Kaffeebechern und anderem Müll hinter sich her. Amerikanische Mülltüten müssen immer sehr reissfest und absolut dicht sein, dann am Boden wabert noch mindestens der Inhalt von drei vollen Kaffeebechern. Wer schon mal in New York war, weiss auch, wo ein Teil dieser Brühe landen wird, zumindest in New York. New York, zumindest Manhattan, rieche ich aus allen Städten der Welt heraus. Garantiert!

Ich sitze übrigens gerade ungünstig, da ich den Laufweg der Café-Gäste nicht einsehen kann. So entgehen mir Beine, dafür bleiben mir Flipflops erspart... damit möchte ich heute enden. Guten Nacht, Guten Morgen und Guten Tag!

YetAnotherBlog - Öl, Zeitschriften, Müllbeutel und Rumschmieren By Plutor - CC-BY-2.0 Nun ist es mal wieder soweit. Ich sitze im Barnes & Nobles und schreibe mir eine Runde den Frust vom Leib. Naja, Ihr werdet hier nicht den Frust lesen... das Schreiben an sich soll mich etwas lockern, damit ich von der...

tobias

ich bin ja der meinung, dass der versuch aus sparsamkeit heraus ein überangebot beim öl zu erzeugen, grandios scheitern wird. um das zu erreichen müsste kollektiv gespart werden. wenn man sich mal die nachfrageentwicklung an öl allein in den asiatischen staaten, speziell china, zu gemüte führt, stellt man fest, dass die sparsamkeit, die evtl. in europäischen nationen erreicht werden kann, durch chinas steigende nachfrage wieder wett gemacht werden dürfte.
die investitionen in sparsameren verbrauch ist zwar sinnvoll, jedoch dann, wenn es auch bei den großverbrauchern ankommt. abgesehen davon sollte man das geld lieber in die entwicklung von alternativantrieben stecken, aber das ist wieder ein anderes thema.
2008-06-16 - 14:02:34 - tobias

Roman

Sigh... this is what happens to the dude who does not drink beer... he thinks too much about oil...
2008-06-16 - 15:00:14 - Roman

Birgit

bitte nichts gegen Flip-Flops, zum Müll rausbringen oder Wäsche aufhängen sind die echt klasse :-)
aber die Auswahl finde ich schon beneidenswert
2008-06-16 - 20:28:47 - Birgit

global

Darum prüfe wer für sich für ewig flip'flopt :

Die Freude am Fast-Barfuß-Laufen hatte zuvor schon das Verbraucher-Magazin "Öko-Test" eingeschränkt. Die Redaktion hatte 25 Zehensandalen untersucht und in 17 Produkten teils hohe Mengen schädlicher Stoffe gefunden. Dazu gehörten Weichmacher (Phthalate) und zinnorganische Verbindungen. Die Weichmacher könnten zu dauerhaften Schäden männlicher Geschlechtsorgane und damit der Fortpflanzungsfähigkeit führen, warnte der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND).

Die zinnorganischen Verbindungen überschritten in einigen Produkten weit die WHO-Grenzwerte, so der BUND. "Manche Flip-Flops gehören nicht an den Strand, sondern auf den Sondermüll", sagte Patricia Cameron, BUND-Chemikalienexpertin. Ähnliche Werte waren in Badespielzeug festgestellt worden.
2008-06-17 - 01:45:56 - global

Rene99

@Birgit: Müll und Wäsche seien Dir damit gegönnt, aber bitte nicht zur Arbeit und nicht zum Ausgehen und auch nicht im Café.
2008-06-17 - 04:53:18 - Rene99

müsli

Laut WamS hat in Amerika schon ein Umdenken begonnen: Angeblich wären im ersten Quartal bereits meherere Milliarden Kilometer weniger Auto gefahren worden. Das sind rechnerisch 60 Kilometer pro Einwohner. Dafür wäre der Anteil an Bus- und Zugfahrern um etwa 3% angestiegen.
Vielleicht sind die Zahlen für einen Trend noch zu gering. Vielleicht gibt es konträr zu deinen Beobachtungen aber doch ein Umdenken da drüben. Halt uns auf dem Laufenden...
2008-06-17 - 09:44:14 - müsli

Birgit

@Rene
ne, ne, um Jottes Willen, sowas mach ich nicht
@global
du mußt mir doch den Spaß nicht gleich verderben, und außerdem: i'm a girl, also kein Problem mit der Fortpflanzungsfähigkeit :-))))
2008-06-17 - 19:40:54 - Birgit

Sina

Uuuh, Flip-Flops können so grausam sein....Schon mal an einer 3Stündigen Exkursion teilgenommen, bei welcher jmd. Flip-Flops trug... aber nein, kein markantes Geräuswch (flip-flop, flip-flop), die Füße wurden gar nicht erst gehoben. Sowas kann Nervernzerreisend sein, oh jah....
Fürs Duschen in Hotels oder Schwimmbädern (also überall wo Fußpilz-Gefahr herschen könnte oder tut) sind sie aber ganz ok.
2008-06-19 - 16:29:31 - Sina

Mit der Einführung der Europäischen Datenschutzgrundverordnung schliesse ich die Kommentarfunktion dieses Blogs, weil ich einfach keinen Bock auf die Arbeit habe, die dabei entsteht. Wer sich bei mir melden möchte, meine Mailadresse steht im Impressum. Hier der unnötige Hinweis, dass ich natürlich durch die Zusendung einer E-Mail in den Besitz von personenbezogenen Daten gelange. Der restliche Kram steht dann bei mir im Datenschutz.