Kaffee, Energie, Abwrackprämie und keine Röcke

Ich sitze im Markt 11 und mache mir einen ruhigen Vormittag. Heute komme ich endlich mal wieder zum Schreiben eines längeren Blogartikels. Allerdings weiss ich noch nicht, ob er gut wird. Bin total aus der Übung. Vorsorglich habe ich nur meinen MSI Wind mitgenommen. Mit dem kleinen Ding kann man nämlich nicht arbeiten... ich habe zudem die nötige Software nicht installiert.

Mein altes Kriegsleiden ist seit Wochen wieder da. Dickes rechtes Knie und Rumhumpeln beim Treppensteigen. Wird schon wieder weggehen. Muss auch, denn mein nächster USA-Trip steht demnächst an. Diesmal für 46 Tage. Bin gespannt, wie sich das Land darstellt, gibt bzw. erscheint. Geht man nach der Arbeitslosenstatistik, müsste total schlechte Stimmung sein. Aber meine bisherige Erfahrung mit den Amerikanern ist, dass sich das nicht wesentlich aufs Gesamtverhalten auswirkt. Zumindest erscheint alles wie immer. Malls voll, Starbucks voll, Interstates voll. Ich denke, man sieht die Abstufungen einfach nicht auf den ersten Blick.

Frühstück ist gerade gekommen. Rührei mit Speck und Lauch und dazu ein Obstsalat mit Joghurt. Leider habe ich meine Kamera nicht mit, so dass es kein Bild davon geben wird. Aber Ihr habt ja Fantasie...

Was kann ich denn meiner treuen Leserschaft heute Schönes schreiben? Eigentlich wäre doch eine Betrachtung zur Wirtschaftskrise fällig, oder? Womit fangen wir denn da an?

Erstmal damit, dass alle Länder und Regierungen das Problem durch Geld erschlagen wollen. Immer nach dem Motto, wenn wir jetzt auf Kredit eine Strasse bauen, dann wird alles wieder gut. Aber wird es das wirklich? Schauen wir uns doch mal an, was nach meiner Meinung theoretisch passiert.

Unser Abwrackprämie, die viel gefeierte, ist ein gutes Beispiel. Mit diesem 2500 Euro Bonus fördert die Regierung die Erneuerung der Autoflotte, denn sehr alte Fahrzeuge (>=9 Jahre) werden verschrottet und durch neue Flitzer ersetzt. Aber welche Fahrzeuge sind das denn? Leute mit Geld fahren kaum so alte Fahrzeuge, damit werden also die Neuwagen sich im unteren Preissegment finden. An sich löblich und nicht falsch, aber statt eines Jahreswagens oder eines guten Gebrauchten wird es jetzt ein billiger Neuer.

Damit nimmt man dem Markt den inneren Verkauf (doofes Wort, auch erst ausgedacht). Also die, die bisher nach 3-5 Jahren sich ein neues Auto gekauft habe und ihren jungen Gebrauchten ins Zahlung gaben, bekommen für den jetzt keinen guten Preis mehr, weil ja die Nachfrage am Markt weg ist. Theoretisch müsste der Preis 2500 Euro tiefer liegen, denn das ist der Subventionsbetrag für einen Neuwagen. Damit können weniger hochpreisige Neuwagen verkauft werden und darauf ist Deutschland ja leider spezialisiert.

Die deutschen Hersteller jagen sich seit Jahren im Kampf um Luxuswagen und Luxuskleinwagen. Damit lässt sich also wenig Staat machen. Zumindest dürfte der ein oder andere Zulieferer aus Deutschland davon profitieren, denn das Geschäft wird zwar zurückgehen, aber weniger stark. Am Anfang zumindest...

Sobald die Prämie erschöpft ist, fehlt Nachfrage am Markt und das Problem beginnt von vorn. Die meisten Fahrzeuge, die derzeit verkauft werden, dürften eh auf Halde stehen und die Hersteller werden sich hüten gleich wieder nachzuproduzieren. Die Fehler der amerikanischen Hersteller waren hier sehr lehrreich.

In den USA werden Autos anders verkauft als in Deutschland. Man bestellt nicht mit der Auswahl aus 2,5 Billionen Möglichkeiten, sondern kauft das Auto meist vom Hof des Händlers, sowie es dort steht. Man muss sich nur mal Webseiten amerikanischer Hersteller ansehen. Die Wahlmöglichkeiten in der Ausstattung beschränken sich meist auf Felgen, Auspuff, Motor und ein Sortiment von Standardfarben. Die Sachen sind meist in LT, LX, LTZ oder anderen Ausstattungslinien verbaut und mehr Wahl ist nicht.

Das hat Vor- und Nachteile. Der Vorteil liegt in der Kosteneinsparung, denn was man nicht verbaut, muss nicht entwickelt werden. Gleichzeitig kann man schnell liefern, weil ja die meisten Wagen gleich sind. Zudem ist den Amerikanern die Farbe oft egal, denn man kann schön handeln. "Sie haben den Wagen nicht in Rot da? Wenn der Rabatt stimmt, nehme ich den Silbernen."

Die Nachteile überwiegen aber, denn Autos werden auf Halde produziert. In den letzten Jahren wurde immer fleissig produziert und selten die Produktion zurückgefahren. Damit türmten sich die Autos und man musste riesige Rabatte und Sonderaktionen fahren, damit überhaupt jemand kauft. Am Ende des Rabattes kommt gleich der nächste, weil sonst der Verkauf zusammenbrechen würde. Kein Feiertag ohne Autoverkaufssonderaktion. Das war quasi isolierte Deflation. Deflation ist übrigens, wenn die Preise sinken, aber trotzdem keiner kauft.

Die deutschen Hersteller versuchen, genau das zu vermeiden und halten die Bänder an. Aber wieso, wenn doch sowieso meist bestellt wurde? Wenn nicht genug bestellt wird, dann ist das Band recht leer und die Leute drehen Däumchen. Die Fixkosten sind die gleichen, egal ob 100 oder 200 Autos vom Band laufen. Damit also nicht die Kosten pro Auto höher werden, würde man unbestellte Autos bauen, die dann aber wieder nur Rumstehen und den bestellten Autos das Leben schwer machen, da man sie nur mit Rabatt raushauen kann.

Zurück zu Abwrackprämie. Sie hilft also eher den kleinen Fahrzeugen, zerstört den Markt der guten Gebrauchten und am Ende der Aktion entsteht ein Druck, die Aktion weiterlaufen zu lassen, weil sonst der Umsatz wieder zusammenbricht. Die Politik erzeugt also einen Dauerdruck, den sie mit ständig neuem Geld wieder abbauen muss, weil sonst der Markt gänzlich zusammenbricht.

Das ist übrigens bei jeder Art von Subvention so. Sobald sie ausläuft, ist das Gejammer gross und entweder man schiesst Geld nach oder der Industriezweig versinkt in Agonie. Es gibt wenige Beispiele, wo Subventionen ein Industrie dauerhaft gross gemacht haben. Fällt Euch was ein? Mir nicht... naja, vielleicht der Abgaskatalysator Ende der 80er und Anfang der 90er, aber der Druck entstand durch die hohe Umweltbelastung in die damit einhergehenden Krankheiten.

Gerade lese ich in der FAZ. Interessant ist, dass gute Druckmaschinen nur aus zwei Ländern kommen: Deutschland und Japan. Die schlechte Nachricht... es bestellt keiner mehr Druckmaschinen, weil a) kein Kredit da ist, die Maschine zu finanzieren und b) keine Aufträge da sind, die Maschine auszulasten. Alle sparen, gerade Zeitungen und Verlagshäuser, sowie Prospekthersteller. Letztere sind durch den Rückgang der Bestellungen der Konsumhersteller betroffen, die weniger Prospekte brauchen, weil die Leute kein Interesse an Prospekten haben oder sich schnell im Internet informieren. Da braucht man keine Prospekte drucken - PDFs sind geduldig. Was gut ist für die Umwelt, aber schlecht für unser Arbeitsplätze. Nun gut, meine Branche könnte davon profitieren, da wir auf Internetanwendungen spezialisiert sind.

Apropos Umwelt. Die interessante Frage ist nun, ob Umweltschutz in der Krise Arbeitsplätze schafft oder vernichtet bzw. man sich momentan überhaupt Gedanken machen sollte über Umweltschutz.

Beleuchten wir doch mal die beiden Seiten genauer. Zuerst das Argument, dass Umweltschutz die Wirtschaft ankurbelt. Hier versteckt sich die Theorie, dass Firmen zu Innovation gezwungen werden, damit Arbeitsplätze und Knowhow schaffen und wir danach insgesamt besser dastehen. Denn wo neue Dinge entstehen, sterben alte.

Das Gegenteil geht davon aus, dass hohe Auflagen und Steuererhöhungen mehr Arbeitsplätze vernichten, als neue geschaffen werden. Als Beispiel könnte man die Aluminium-, Stahl- und Holzproduktion nennen. Auch die Stromherstellung gehört dazu. Wenn man die Steuern erhöht, um die Leute zum Stromsparen zu zwingen, wird man damit gleichzeitig die Betriebe mit einem prozessbedingt hohem Stromverbrauch vertreiben oder man subventioniert diese.

Ich denke, insgesamt ist es ein Nullsummenspiel, allerdings auf Deutschland beschränkt wohl eher ein Minusgeschäft. Grossindustrie kann man nun mal nicht mit Ökostrom betreiben, da ist einfach nicht genug von da und wenn, dann zur falschen Zeit. Auch die Produktion von Solarzellen ist alles andere als umweltfreundlich, da der Energieaufwand extrem hoch ist und eher mit Müh und Not über die Lebenszeit die Bilanz positiv wird. Nur dünne und billig herzustellende Solarzellen können hier helfen, aber leider subventioniert man in Deutschland dick und schwer und damit ist der Kater in einigen Jahren vorprogrammiert, wenn die Förderung ausläuft.

Auch die Förderung von Windenenergie ist zweifelhaft, weil man die Speicherung nicht unterstützt. Was nützt mir der Wind in der Nacht, wenn am Tag der meiste Strom verbraucht wird. Man täte also gut, die Speicherung von Strom zu fördern bzw. korrekt genommen die Technologie dazu. Da ist es auch egal, wenn der Wirkungsgrad nur 50% ist, schliesslich bekommen wir so zumindest die Hälfte der Energie gerettet.

Zudem denke ich nicht, dass China uns massenhaft grüne Technologie abkaufen wird. Schliesslich geht in China nichts ohne den Staat und der regelt, dass man nicht einfach mal so in China Sachen verkaufen und auch nicht einfach mal so produzieren kann. Ohne chinesische Beteiligung geht nichts. Protektionismus vom Feinsten. Da verwundert es, warum China letzte Woche beim Thema "America buys American" laut aufgeschrien hat, da man ja selbst die Hand überall drauf hat. Aber China fürchtet halt, dass der grösste Markt für chinesische Produkte sich verschliessen könnte. Wobei das unwahrscheinlich ist, denn Computer kommen nur noch aus Asien und ein iPhone oder iPod ist sowas von Made in China. Wobei wir Deutschen, glaube ich zumindest, wenigstens hier und da einen Chip beisteuern.

Und da möchte ich gern nochmal den deutschen Umweltselbstbetrug erwähnen. Dinge, die dreckig in der Herstellung sind, die importiert man einfach, dann hat man den Dreck woanders und kann dann mit Fingern auf das Land zeigen. Allein die grössenwahnsinnige Fehleinschätzung deutscher Automobilkonzerne zeugt davon, dass umweltpolitisch in Deutschland alles nur mit Lobbyismus läuft. Warum hat keiner Hybridtechnologien subventioniert? Warum ist der Dieselmotor in Deutschland durch eine niedrigere Mineralölsteuern subventioniert?

Bevor ich meinen unsystematisch hingeworfenen Text schliesse, noch ein kurzes Beispiel vom Energiesparen. In meiner neuen Wohnung sind Halogendeckenstrahler verbaut. Nicht schön, aber halt drin. 35W das Stück und davon 11. Nun dachte ich mir, in Bad und Flur muss es nicht gleissend hell sein, lass uns doch 1-3W LED-Leuchtmittel verbauen. Also mal in den Markt und siehe da, die Dinger kosten ab 7 Euro, wenn sie ausreichend Licht machen sollen. Als kleine Rechnung habe ich mal aufgemacht, dass im schlimmsten Fall alle 11 Birnen pro Tag eine Stunde leuchten. Das macht also insgesamt rund 140kWh pro Jahr. Bei einem Strompreis von 23 Cent pro kWh sind das ca. 32 Euro. Stromkosten. Die LEDs würden 12kWh saufen und damit rund 3 Euro Kosten verursachen. Bei einem Neupreis von 7 Euro pro Stück, wäre ich bei 77 Euro Investition und könnte damit in 2.5 Jahren Breakeven sein. Naja, aber nur wenn die Dinger eine Stunde pro Tag brennen... was sich nicht tun. Wenn es 30 Minuten sind, dann ist es viel und damit wären wir bei 5 Jahren bis Breakeven.

Und jetzt der Hammer. Die Dinger brauchen einen neuen Trafo, weil sie so wenig Strom ziehen. Der alte Trafo muss mindestens 20W als Abnehmer haben. Damit kommen ca. 30 Euro extra drauf für die Trafos, die natürlich billig aus dem Ausland stammen und bestimmt nicht CO2-neutral hergestellt sind.

Unterm Strich macht die Umrüstung also keinen Sinn im Moment. Man kann nur warten, bis die LED-Leuchtmittel weiter im Preis sinken bzw. die Stromkosten bei 50 Cent pro kWh liegen. Nicht zu vergessen, dass LEDs aus Silizium sind und damit einen hohen Energieaufwand in der Herstellung erfordern.

Noch einen schönen Sonntag Euch allen.

YetAnotherBlog - Kaffee, Energie, Abwrackprämie und keine Röcke Ich sitze im Markt 11 und mache mir einen ruhigen Vormittag. Heute komme ich endlich mal wieder zum Schreiben eines längeren Blogartikels. Allerdings weiss ich noch nicht, ob er gut wird. Bin total aus der Übung. Vorsorglich habe ich nur meinen MS...

Teufel

Zum Knie:
Hol Dir doch, wenn Du wieder in Woburn bist, Glucosamin vom Walmart. Das kostet dort die Hälfte weniger als in D und bei mir hat es Wunder bewirkt.
2009-02-08 - 15:50:46 - Teufel

Rene

@Teufel: Danke für den Tipp, falls ich bis zum Walmart komme mit dem Knie ;)
2009-02-08 - 15:52:26 - Rene

emily

hach, das ist wieder mal so ein beitrag, bei dem ich mir gewünscht habe, dass er noch länger ist. einfach göttlich geschrieben und erklärt. und auch wenn die abwrackprämie eine höchst zweifelhafte sache ist ... ich werde mir die nächsten tage trotzdem mal ein finanzierungsangebot machen lassen.
2009-02-08 - 19:31:23 - emily

Rene

@emily: Gern geschehen.
2009-02-08 - 19:36:19 - Rene

Rene

@Emily: Es bleibt ja immer noch der Vorteil der Geldausgabe und damit der Wirtschaftsförderung auf natürliche Weise.
2009-02-08 - 19:57:55 - Rene

müsli

"Leider habe ich meine Kamera nicht mit, so dass es kein Bild davon geben wird. Aber Ihr habt ja Fantasie..."
Faule Ausrede. Rene, wo bleibt deine Flexibilität? Dein MSI Wind hat doch eine Webcam, oder etwa nicht. Da hättest du uns sogar zeigen können, wie gut das Essen schmeckt...
2009-02-14 - 16:22:10 - müsli

Miriam

Letztendlich war die Abwrackprämie eine riesen Subvention, aber sie hat auch genützt!
2011-10-03 - 06:39:04 - Miriam

Mit der Einführung der Europäischen Datenschutzgrundverordnung schliesse ich die Kommentarfunktion dieses Blogs, weil ich einfach keinen Bock auf die Arbeit habe, die dabei entsteht. Wer sich bei mir melden möchte, meine Mailadresse steht im Impressum. Hier der unnötige Hinweis, dass ich natürlich durch die Zusendung einer E-Mail in den Besitz von personenbezogenen Daten gelange. Der restliche Kram steht dann bei mir im Datenschutz.