Lufthansa, Starbucks, Obst und ein fehlender Kamm

Da sitzt er wieder an seinem Kaffee Latte und meisselt die vorbeiziehenden Gedanken und kurze unverständliche Sätze. Heute bin ich französisch geprägt. Neben mir sitzen zwei junge Damen, die sich eine Weile auf Französisch unterhalten haben. Jetzt machen sie eine Englisch-Session. Keine Ahnung warum, aber ich nehme an, dass die eine Dame keine Französin ist, weil sie nicht den gewissen Akzent hat. Sie klingt eher Deutsch... ganz bestimmt Deutsch. Interessant ist, dass ich in ihrem Französisch keinen Akzent geahnt habe.

Und heute bin ich mit einem Auto hier, dass aus Frankreich rübergefahren wurde. Keine Ahnung bis wohin, jedenfalls hat mir Sixt einen Ford C-Max mit französischem Kennzeichen gegeben. Leider führte das auch dazu, dass ich erstmal die Sixt-Jungs ums Auto schicken musste, weil es total zerkratzt war. Sie hatten nur eine kleine Sache am Heck im Vertrag stehen und ich wollte mir den Rest nicht anlasten lassen. Sie sind also mit Kamera und Schreibblock 15 Minuten ums Auto gerutscht und haben alle Kratzer und Flecken festgehalten.

Einige Leute auf der Autobahn, aber auch in Jena, haben mich komisch angesehen. Ich führe es auf den Wagen zurück und nicht auf meinen kurzen Haarschnitt. War jedenfalls lustig, aber ich musste heute aufpassen, dass ich den Wagen nicht bei Europcar abgebe, weil es meine erster Sixt seit 6 oder 7 Jahren war. Gewöhnung halt.

Momentan sitze ich im Starbucks im Terminal 1 auf dem Frankfurter Flughafen. Heute habe ich das erste Mal eine Handy-Bordkarte probiert. Soll heissen, dass ich ein lustiges Bildchen auf meinem Handydisplay habe, dass ich auf alle möglichen Lesegeräte halten kann und dann soll es angeblich piepsen und man lässt mich gewähren. Bin gespannt.

Jetzt reden sie wieder Französisch und ich fühle mich erotisch animiert. Wenn Frauen Französisch sprechen ist das einfach geil. Es klingt so... geschmeidig und schmeichelnd. Ich weiss nicht warum, aber es wirkt.

Eben ruft eine junge Dame: "Mama, auch einen Eistee?" Die Dame, die darauf reagiert, ist nur unwesentlich älter bzw. sieht nur unwesentlich anders als die Tochter aus. Ich hätte maximal Schwester gesagt. Faszinierend! Das Starbucks ist übrigens gerammelt voll, weil man hier zwar auch 3,60 Euro für einen Latte bezahlt, wie im Café nebenan, aber im Café man nur die Hälfte an Flüssigkeit bekommt und dazu noch einen knurrigen Ober, der auch noch Trinkgeld will.

Eine gute Tat pro Tag...! Der Herr neben mir hatte bemerkt, dass meine Vornachbarn ihre Tasche hängen gelassen haben (übrigens ein Deutscher, der seit 15 Jahren in Norwegen lebt und jetzt auf dem Weg nach Trondheim ist, nach einem Urlaub in Südafrika). Ich habe die Tasche dann beim Personal abgegeben, nachdem er mich gefragt hatte, ob es meine ist/war. 10 Minuten später kam das Ehepaar angerannt und die Panik stand in Grossbuchstaben beiden auf dem Gesicht geschrieben. Wir haben dann lässig auf das Personal verwiesen. Die Leute haben sich bedankt, wollten uns noch zum Kaffee einladen, aber wir haben dankend abgelehnt. Den Gute-Tat-Bonus sollte man sich aufheben, wer weiss, wann man den mal einlösen muss ;)

Ach so, das Starbucks hat hier leider weder Tassen noch meinen Eistee. Bissl schwach. Das mit den Tassen kann ich nachvollziehen, denn die wären sonst als Souvenir gleich wieder weg... aber der Tee? Egal. Der Latte war gut und ich schwitze wie Sau... es ist warm im Terminal und ich habe noch zusätzlich ein Winterhemd an.

Was wollte ich eigentlich noch schreiben? Vorhin im Auto fiel mir soviel ein. Naja, ich wollte mich über den Ford C-Max beschweren. Hacklige Schaltung und mehr als 9 Liter auf 100km Verbrauch. Mit Schwung sogar fast 11 Liter. Wenn man es eilig hat, dann ist das Ding nicht zu gebrauchen. Die Mietwagenfirmen rücken kaum noch Diesel raus. Die sind denen zu teuer und der Kunde darf die Zeche mit hohen Tankrechnungen zahlen.

Ich schaue gerade und meine Freundin würde jetzt lachen und mir ein "Männer!" unterstellen. Naja, aber wenn es doch halt schön ist... Wobei ich an die Diskussion vom letzten Flug denken muss. Es ist uns unverständlich, wenn es mir auch sonst sehr angenehm ist, dass Frauen im Minirock oder mit kurzem Kleid fliegen. Von der zugigen Kälte im Flieger mal abgesehen, gestaltet sich doch das Sitzen zur Einblicksbeschränkung reichlich schwer. Eventuell fliegen die Damen alle nur Kurzstrecke... ich prüfe das heute mal in meinem A330-300 nach Boston.

So, auf zum Gate und zur Security, danach grabsche ich mir die gesamte deutsche Zeitungsauflage zum Lesen im Flieger. Lufthansa sei Dank.

So, Einsteigen geht los. Ich melde mich aus dem Flieger. Akku ist noch gut voll.

Ich sitze bzw. fliege und ich sitze gut. Da präsentierte doch beim Einsteigen plötzlich der blöde Computer den Hinweis, ich solle nochmal an den Schalter, weil mein Sitzplatz sich geändert hat. Frust... habe ich doch immer mit Absicht meinen Gangplatz reserviert und deswegen lasse ich mich nur ungern umsetzen. Meist endet man irgendwo in der Mitte. Ich bin also sichtlich genervt zum Schalter. Die Dame meinte dann, ob ich auch noch sauer wäre, wenn es ein Businessclass Fensterplatz wäre? Da konnte ich nicht anders und habe mich stimmungstechnisch nach vorn reissen lassen. Da waren auch noch gleich Wünsche für eine tolle Vorweihnachtszeit drin.

Deswegen sitze ich jetzt in der Lufthansa Businessclass auf 10A, habe reichlich Platz, noch mehr Zeitungen und sogar einen Stromanschluss für mein Notebook. Wenn das kein guter Start in die zwei arbeitsreichen Monate in Boston ist. Neben mir sitzt übrigens ein alter Herr, der schon seit einer Weile schläft. Eine bekannte Schauspielerin oder ein undürres Supermodel wären auch Ok gewesen. Aber der Herr ist ja ruhig ;) Damit kann ich heute quasi den ganzen Flug klimpern und reichlich Text produzieren. Eventuell reicht es ja für zwei Blogeinträge. Auf Video werde ich dann verzichten, weil es ja nicht nötig ist, seine Zeit mit Gewalt rumzukriegen.

Es beginnt, aus der Küchte zu duften. Riecht etwas schokoladig und eben kam auch mein undürres Model lang, um vom unglücklichen Lufthansa-Blaugrau-maustod-farbton an den Wänden etwas abzulenken. Die LH könnte ihre Flugzeuge, zumindest die neuen Modelle, farblich ruhig mal aufhübschen, damit diese altmodischen Farbtöne endlich verschwinden. LH fühlt sich immer wie 1970 oder 1980er Jahre an.

Jetzt kommt die Speisekarte. Wir hätten Flusskrebse und ein kreolisches Schmorgericht im Angebot. Als Nachspeise Käse oder Blaubeerkuchen. Also soll mir recht sein. Wahlweise gehen auch Rinder und vegetarische Varianten. Lecker!

Ich frage mich gerade, ob ich etwas zum Arbeiten habe oder etwas machen muss oder sollte? Habe ich noch etwas offen oder kann ich vordenken? Mir wird schon was einfallen. Ihr merkt schon, dass ich nicht abschalten kann. Zumindest ganz untätig mag ich nicht sein. Ich könnte jetzt einen Blickfilter gebrauchen, da mir der Herr auf den Monitor starrt. Finde ich nicht nett. Ich mache mal richtig dunkel, da kann man von der Seite schlecht lesen.

Das Bordunterhaltungssystem hat sich gerade verabschiedet und muss neu gebootet werden. Die Ansage kam gerade. Soll angeblich 12-14 Minuten dauern. Da frage ich mich immer, was die da zusammengebaut haben. Sowas kann nicht so lange dauern... Mit 5 Minuten gehe ich ja noch mit, aber alles danach... nun gut, halt Technik, die nicht begeistert.

Kaffeetassen klappern und ich habe schon Hunger, da ich auf dem Flughafen nichts gegessen habe. Nur ein Kaffee Latte und kein Muffin. Ist das vorstellbar? Das Essen kommt. Die kreolischen Flusskrebse sind leider aus. Ich bescheide mich mit Pasta. Geht ok, aber war nicht der Knaller. Aber hat saumässig satt gemacht.

In der Businessclass wird man zum Saufen animiert. Ständig die Frage, ob man noch was trinken will oder ob es noch ein Wein, Whisky oder irgendwas anderes sein darf. Nimmt man jedes Angebot an und trinkt aus, dann geht man blau raus. Die Stewardess und der Herr neben mir haben übrigens herzlich gelacht, als die Dame vom Fach mich wieder nach "Noch etwas zu trinken?" fragte und ich muss so einen verzweifelten und gequälten Eindruck gemacht haben. Man will ja nicht immer nein sagen, aber Alkohol will ich nicht und Süsskram auch nicht. Da bleibt nur Wasser, aber das mag ich auch nicht ständig. Da kann man schon verzweifeln.

Mit meinem Nachbarn habe ich mich dann auch noch gut unterhalten. Er ist Rheumatologe, in Rente, praktiziert noch ein bisschen und ist auf dem Weg zu einem Kongress. Gerade baut er eine Stiftung mit auf, um die Forschung an Rheuma zu intensivieren, weil es jeder nur als Altersleiden kennt und kaum weiss, dass es genug Sterbefälle gibt. Mir gefällt, dass er einen Ansatz verfolgt, der wieder den Arzt als Kenner des Menschen betonen will und nicht des Vermittlers zwischen Geräten, die bei Spezialisten stehen, die nur Bilder machen, aber sich mit dem Menschen selbst nicht auseinandersetzen. Also quasi mehr Hausarzt, denn oft kann ein Arzt ohne Rumschickerei zu Spezialisten behandeln, tut es aber nicht. Das führt auch zu explodierenden Kosten.

Wir haben uns philosophisch weiterbewegt. Was wird mit der Menschheit? Wie entwickelt sie sich? Koppeln wir uns von der Evolution ab? Nehmen Leiden zu oder entdecken wir nur mehr? Wie stark ist der Einfluss unserer Umweltveränderungen auf Krankheiten?

Gerade habe ich mir von Frau Flugbegleiterin einen Adapter zum Anschluss an das Bordnetz besorgt. Allerdings hat meine Steckdose nach 5 Minuten gleich kaputt gesagt. Sie fühlt sich überlastet. Die Nachbardose geht aber. Mich wundert, dass noch ein Adapter zwischen muss, man hätte die gängigsten Stecker auch so verbauen/zulassen können.

5 Stunden und 40 Minuten fliegen wir schon. Es hoppelt immer mal wieder, aber nicht dramatisch. Mich wundert das Wetter draussen, denn man schaut sonst auf eine tiefe Wolkendecke und um einen herum ist es klar. Heute ist quasi unter uns schon Nebel und man sieht keine Wolken oder Grund. Alles Suppe. Eventuell fliegen wir heute knapp über einen grossen Wetterfront (Spekulation Ende). Keine Ahnung von sowas.

Es gab gerade ein heisses Saunatuch. Sehr interessante Erfindung. Eigentlich ist es ein Minihandtuch, kochendheiss und mit Duft. Zuerst muss man es hin- und herwerfen, weil man sich sonst die Pfoten verbrennt. Die Lufthansa appelliert damit echt an den gesunden Menschenverstand. Wobei ich annehme, dass man sich damit nicht verbrühen kann. Allenfalls rot wird es werden.

Gleich müsste es einen Abendsnack geben, denn wir sind bei 19:30 CEST und damit schon 6 Stunden und 40 Minuten unterwegs. 7:30 ist als Flugzeit geplant oder so. Ich mache damit jetzt erstmal Schluss, damit ich nicht im Stress beim Aussteigen noch mein Laptop einpacken muss.

So, wir sind angekommen. Ich sitze im Starbucks meines Vertrauens und die Verkäuferin kam mir mit einem lauten "You are back!" entgegengerannt. Man muss ich hässlich aussehen... ;) Mein Auto ist diesmal, zumindest für die ersten 30 Tage ein Dodge Journey. Ein Midsize-SUV, 5 Liter-V6. Spritverbrauch vom Flughafen bis zum Starbucks: 13,6 l/100km. Naja, nach 30 Tagen kann ich das Ding ja gegen was Kleineres tauschen, wenn es nicht passt. Zumindest bin ich noch nicht seekrank.

Einreise war übrigens heute super. Nicht mal 3 Minuten und durch war ich. Hat halt Vorteile, wenn man fast als Erster aussteigt und auch noch alle Schalter besetzt sind. Leider kam mein zweiter Koffer weit entfernt vom ersten und damit so gut wie am Schluss. Hat sich jeglicher Zeitvorteil wieder vernichtet.

Am Gepäckband waren heute wieder ein Drogen- und ein Obsthund im Einsatz. Der Obst-Beagle hat treffsicher drei Mandarinen bei der Frau vor mir und einen Apfel beim Herren neben mir erschnüffelt. Die Sachen wurden gleich eingezogen. Die Zolldame war nicht sonderlich sauer oder böse. Sie hat auch bei Verdacht auf Obst nicht lange gesucht, sondern es bei "Da war wohl mal Obst drin." gelassen. Ist also eher Abschreckung, denn scharfe Aussonderung. Meine Schokolade und meine Gummibären gingen ok. Sind ja auch eingeschweisst.

Jetzt muss ich noch in den Supermarkt, da ich irgendwie einen Kamm verschlust habe und doch auch noch gern was im Kühlschrank hätte. Im Hotel hat man mich auch gleich wieder herzlich begrüsst und ein Zimmer ganz oben rausgesucht. Soweit von heute und es bleibt hoffentlich nicht der letzte Eintrag dieser Länge. Bin schliesslich eine Weile hier in Boston.

Gute Nacht Deutschland!

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Tom

der Bussines Sitzplatz war dann vermutlich ein Resultat des Gute-Tat-Bonus(es?).
Bist du nicht gerade erst aus der neuen Welt zurückgekehrt?
2009-10-16 - 20:46:29 - Tom

Rene

@Tom: So habe ich es noch nicht gesehen. Ja, bin erst vor paar Tagen aus den USA zurück, also fast gleich wieder hin.
2009-10-16 - 21:06:47 - Rene

tobi

wozu brauchst du einen kamm, wenn du gerade beim friseur warst?
2009-10-17 - 00:53:04 - tobi

Rene

@tobi: Du bist nur so mutig, weil ich weit weg bin :)
2009-10-17 - 05:19:23 - Rene

Birgit

Beim Starbucks kennen sie dich schon? Mußt ja ein echter Junkie sein! Da geht es jetzt wohl wieder jeden Tag hin ;-), gibt es etwa Bonuspunkte für Vieltrinker und Muffinsesser?
Wie ist denn das Wetter in Boston, auch so trist wie bei uns, man mag garnicht so recht nach draußen gehen.
Viel Spaß und ich warte schon gespannt auf die nächsten Berichte.
2009-10-17 - 10:36:01 - Birgit

Rene

@Birgit: Ja, was Kaffee angeht, bin ich wohl ein Junkie. Leider gibt es kein Bonusprogramm. Nur eine goldene Karte mit 10%-Nachlass.

Momentan 7 Grad, Sonne bis gerade eben, später soll es bis Sonntag regnen.
2009-10-17 - 18:00:09 - Rene

die zu Hause gebliebene

Naja, wenn du wieder zu Hause bist, hast du dann zwei Kämme, da dein anderer mutterseelenallein im Bad rumliegt. :-) Ich wünsche dir eine schöne Zeit. ;-)
2009-10-18 - 20:07:58 - die zu Hause gebliebene

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