Tomatenrot - Der Roman zum Wochenende

Bergwiese

Es war einer dieser Hochsommertage, an dem man das Gefühl hat, irgendwer hätte den Film angehalten. Ein Standbild. Flirrende Hitze umgibt die Stadt. Reglos liegt Hannah auf der Wiese. Ein Buch über ihrem Kopf, die Augen geschlossen. Hier oben auf dem Berg hoch über dem hektischen Treiben im Schatten der Ebereschen ist das Leben schön. So müsste es immer sein. Abgewandt von der Welt und dem Alltag. Gedanken kreisen um alles und nichts.

Seit Monaten hatte sie dieses Bild im Kopf. Das Bild einer blonden nackten Frauenleiche, die auf einem Felsen im tiefen Wald auf weichem Moos liegt. Sie wollte niemanden umbringen, ihr grauste vor der Kälte des Todes. Sie konnte sich nicht erinnern, jemals einen Toten gesehen zu haben. Doch das Bild der Leiche auf dem Fels verfolgte sie seit langem. Sie hörte förmlich das Rauschen der Wipfel und die kühle Luft, die dort unten im Wald wie Blei zwischen den Bäumen liegt, kroch fühlbar ihren Nacken hinauf.

Dunkel war der Grund mit dem einsamen Fels mitten im Wald. Es war eine Art Hochplateau - ein riesiger Brocken wie vom Lieben Gott zufällig an der falschen Stelle verloren.

Der Fels war von dichtem grünen Moos bedeckt, etwas übersinnliches lag auf diesem Ort.

Schön wie der Schlaf war dieser Tod und erinnerte nur durch die grausige Kälte and die Endgültigkeit und das Leid. Die Kirschroten Lippen der Toten waren von weithin sichtbar und ihr blondes Haar ringelte sich in langen Locken im dichten Moos. Gespenstische Stille herrschte hier unten im Waldesgrund. Kein Rascheln der Blätter war zu hören, nicht mal ein Tier verirrte sich hier her. Wie war diese Frau hier her gekommen, wer war sie und warum war sie tot ?

Und warum könnte Hannah diese Phantasie seit langer Zeit fast identisch nachfühlen ?

Es war nun Zeit, Hannah musste gehen, die kleine Flucht aus dem Alltag war wieder nur durch diese eine dunkle Fantasie belastet. Ihr Leben in der Stadt war eines von Vielen. Die kleine Zweiraumwohnung im Hinterhof und der Job bei einer Bank beherrschten die meiste Zeit des Tages. Nur selten konnte sie vor all dem fliehen und eine Weile über die Felder weit entfernt der Stadt streifen. Hannah war das was man eine graue Maus nennen kann. Pflichtbewusst und fleißig. Keiner kannte ihr wahres ich. Sie war allein . Jeglichen Annähehrungsversuchen von Männern begegnete sie mit endloser Kühle. Denn Hannah war nicht einsam. Sie hatte ihre Fantasie und das kleine Leben in der Natur. Es würde niemanden geben, der diese Dinge mit ihr teilen wollte.

Fortsetzung folgt...

Photo by Aliento Más Allá under CC-BY-2.0

Der Roman - 2006-09-01, 17:24:14 - 8 Kommentare

Man vergisst so schnell

Manchmal vergisst man ja Dinge aus seiner Kindheit. Auf den Toiletten von Dunkin Donuts wird man wieder daran erinnert, wie man sich verhalten muss, wenn man musste.

Das Schild funktioniert auch, wenn man es überhaupt nie gelernt hat, was scheinbar in diesem Teil der Welt öfters vorzukommen scheint.

Thematisch USA - 2006-09-01, 01:00:00 - 8 Kommentare