Unsortiertes aus dem Café

Lange habe ich nichts Langes mehr geschrieben, das soll sich heute spontan ändern. Es ist Sonntag, ich sitze im Café am Markt in Jena und ausser einem Milchkaffee steht auch noch ein Stück Mandarinenkuchen und eine Apfelschorle auf dem Tisch. So, worüber schreiben wir denn mal wieder?

Zuerst natürlich über die lokalen Beobachtungen. Neben mir sitzt ein Asiatin. Um die 30 würde ich sagen. Sie sass auch gestern schon links von mir. Mein breites Lächeln hat sie aber heute irritiert bzw. sie hat mich nicht wiedererkannt. Schade eigentlich. Momentan mache ich mir immer einen Spass daraus, die Damen in Jena durch Anlächeln zu irritieren. Einige Lächeln sehr instinktiv zurück. Einigen zuckt der Mundwinkeln. Also kam erst der Instinkt und dann der "Warte... wieso Lächeln"-Reflex. Eine Minderheit schaut mich an, als ob ich der böse Onkel wäre und sie mit Süssigkeiten in den dunklen Wald locken wöllte.

Glücklicherweise nimmt die Zahl der lächelnden Damen zu. Das liegt entweder an mehr Übung bei mir oder einem deutlich entspannterem Deutschland. Ich möchte es gern unegoistisch sehen und dem zweiten Grund zuschieben. Wenn doch die Asiatin nicht immer so komisch Grunzen würde... das macht sie etwas... unattraktiv... sozusagen.

Bevor Ihr wieder fragt. Meine Reiseplanung sieht für Juli/August wieder einen Boston-Trip vor. Dann ist dort das Wetter besser und man kann endlich wieder Fototouren machen. Die Zeit im Vorfrühling ist echt belastend in der Gegend. Liegt auch daran, dass man soweit weg vom Schuss ist und man immer erst in Café fahren muss und nicht gehen kann. Zudem sind die Dinger meist unattraktiv zum Rumsitzen. Mich wundert übrigens, dass sich nicht mehr deutsche Innenarchitekten und Caféhausbesitzer in den USA mit einem eigenen Geschäft niederlassen. Der Markt ist sowas von leer und würde Caféhauskultur und Sauberkeit bestimmt aufsaugen.

Heute ist verdammt leer in Jena. Das Café ist nicht mal viertelst voll. Komisch, da es doch 15 Uhr ist. Naja, was soll es... habe ich meine Ruhe. Die Frau aus Asien hat zu einem Buch gegriffen und liest... sehe leider nicht was sie liest.

Gerade versucht sich eine Frau, beim Kaffeekauf beraten zu lassen. Es gibt Leute, die können echt nicht artikulieren was sie wollen. Sie fragen immer das Gleiche in unterschiedlichen Formen und lassen den Gegenüber nicht mal zu Ende antworten.

Durst... die ganze Schorle leergezischt. Ob ich noch nen Eiskaffee nachwerfe? Aber eventuell bekomme ich noch Cafébesuch und da brauche noch Platz... also erstmal warten. Zu lesen müsste auch was da sein. Mal schauen, was ich durchblättern kann. Den Spiegel zur Weiterentwicklung meiner Depression und meines Endzeitdenkens?

Ich merke, mir fällt das Schreiben schwer. Ich bin aus der Übung. Das frustriert... von der Asiatin gerade die FAZ geklaut... naja, sie ist gegangen... werde mal schmökern.

Gerade kommen zwei Mädchen Kaffeebohnen kaufen, die sind so jung, die dürften nicht mal Red Bull trinken ;) Diese Hektik im Markt 11 ist schlimm. Warum bekommen die Leute es nicht hin, nach 2-3 Jahren einfach in Ruhe und mit Geduld zu bedienen. Diese Hast und Eile und dieses Gebrüll.

Köhler ist nun weiter unser aller Oberdude. Finde ich gut. Er hat Würde und eigenen Charakter. Die anderen Kandidaten sind so ohne Würde und Ausstrahlung. Zudem finde ich gut, dass er eine eigene Meinung hat und nicht den Parteien nachrennt. Quasi der Aufsichtsratsvorsitzende von Deutschland... leider sind die echten Aufsichtsräte in den Unternehmen nur Räte ohne Aufsicht.

Gerade mache ich einer Frau aus Mainz den Kalten Hund in Jena schmackhaft. Man muss doch was für die Wirtschaft tun. Habe ich ja heute auch getan... durch drei Kaffee und zwei Kuchen, sowie nen Bagel. Übrigens kommen die Leute mit draussen Bedienung und drinnen Selbstbedienung nicht klar. Ca. 30% aller Kunden scheinen erstmal reinzutappen, um dann wieder rausgeschickt zu werden... selbstverständlich ordentlich unhöflich angemacht vom Personal :)

Shit, wollte ich dich gerade wieder arbeiten... immer diese Grundreflexe. Nein, nein, nein... heute nicht mehr.

Ich lass die Rumschreiberei jetzt mal. Kommt nix bei raus.

Kolumne - 2009-05-24, 16:59:36 - 3 Kommentare

Buchkritik: Ken Follett - Der Mann aus St. Petersburg

Der Mann aus St. Petersburg

Vor einigen Tagen bin ich mit dem Buch Der Mann aus St. Petersburg von Ken Follett fertig geworden. Da ich lange keine Buchrezension mehr geschrieben habe, wird es endlich mal Zeit. Ausserdem bin ich Ken Follett-Fan und deswegen erst recht.

Follett führt uns zurück ins London kurz vor Ausbruch des 1. Weltkrieges. Lord Walden verhandelt mit dem Abgesandten des russischen Zaren, Alex Orlow, über die Unterstützung Russlands im Kampf gegen Deutschland. Winston Churchill ist dabei der Vermittler zwischen Walden und dem Premierminister Englands.

Felix Kschessinsky will diesen Handel verhindern und Orlow töten. Doch als er mit der Ausführung seines Planes beginnt, trifft er seine ehemaligen Geliebte wieder. Felix wird zwischen Liebe und Revolution hin- und hergerissen.

Follett versteht es, uns eine rasante Fahrt durch das London um 1913/1914 zu bieten. Er beschreibt die Szenarien, die sozialen Zustände und die sozialen Konflikte perfekt. Alles fühlt sich Very British an. Der Einblick in die herrschende Klasse und das Untertanentum dieser Zeit, lässt einen manchmal erstaunt feststellen, dass das erst 90 Jahre her ist. Es fühlt sich wie Mittelalter an. Stereotype und Druck durch die Gesellschaft, um jede eigene Entscheidung zu unterbinden bzw. zu lenken.

Auch weiss man oft nicht, ob man mit dem Attentäter sympathisieren oder seine Absichten verurteilen soll. Das Buch langweilt an keiner Stelle und man mag es oft nicht weglegen, weil man sich fühlt, als wäre man dabei, als wäre man im England des frühen 20. Jahrhunderts.

Fazit: Unbedingt lesen, wenn man Spannung, etwas Geschichte und einen Blick in die nahe Vergangenheit Europas mag. Für die Frauen ist auch eine Portion Liebesgeschichte versteckt.

Lesematerial - 2009-05-24, 12:58:05 - Noch keine Kommentare