Nicht alles der gleiche Käse

Es besteht ein grosser Unterschied zwischen frisch geriebenem Käse und frisch gekauftem geriebenen Käse.

Ein Satz muss sein - 2010-11-04, 19:37:07 - Noch keine Kommentare

Konsens - 1.5

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Ein Gewaltverbrechen also. Er hatte gedacht, er hätte sich beim Aufwachen verhört. Gewalt eines Menschen gegenüber einem anderen war nach der Singularität selten geworden. Nachdem HYPER die Kontrolle über die komplexen Belange der Menschheit übernommen hatte, waren die häufigsten Ursachen für Verbrechen, Armut und Gier, de facto verschwunden. Die einzigen Verstöße gegen das Gesetz, die Helmut und seine kleine Gruppe immer mal wieder auf den Plan riefen, waren Hyper-Hacks, Versuche, das Netzwerk für den eigenen Vorteil zu manipulieren. Und selbst diese hatte HYPER bisher immer schon selbst gelöst und ihnen blieben nur noch die Formalitäten der Festsetzung des Verbrechers.

Darüber hinaus wurden die meisten Verbrechen schwereren Kalibers nur noch von den wenigen Non-Konsensuellen verübt. Diese weigerten sich aus unerfindlichen Gründen, den regelmäßigen Upload mit HYPER vorzunehmen und fielen somit aus der menschlichen Gesellschaft heraus. Um zu überleben, stahlen sie bisweilen Kleidung und Nahrung, wurden jedoch aufgrund ihrer Unsichtbarkeit innerhalb des Systems so gut wie nie festgenommen. Es war eine Ironie, dass eine der ersten Beschlüsse von HYPER als oberste Instanz menschlicher Regierung die Abschaffung der bis dato virulent ausbreitenden Überwachungstechnologie war. Diese wäre mit dem freiwilligem Upload aller Menschen obsolet geworden, argumentierte das Netzwerk damals. Genau diese Blindheit machten sich aber die Non-Konsensuellen zunutze. Seit einiger Zeit wurden auch immer wieder Todesfälle innerhalb dieser mysteriösen Subkultur gemeldet, die ebenfalls aufgrund ihrer Anonymität nicht aufgeklärt werden konnten. Vielleicht war Helmuts neuer Fall auch so ein Tod?

Grübelnd saß Helmut an seinem Frühstückstisch, als er draußen das charakteristische Sausen der Luftbahn hörte. Mist, er hatte vergessen, sich den Mundraum zu desinfizieren. Naja, wer ihn mitten in der Nacht aufweckte, musste halt mit seinem Mundgeruch leben. Die scheinbar nahtlos in seine Fensterwand eingebaute Tür öffnete sich leise zischend und Helmut stieg in die Luftbahn ein, die sich sofort nachdem er sich auf einen der Plätze gesetzt hatte, abhob und davonflog. Draußen wurde es gerade hell und in der Bahn war zu dieser frühen Zeit auch nur ein einziger anderer Passagier, der leise schnarchend schlief, während die Nachrichten auf seiner Zeitung stumm zappelnd bemüht zu sein schienen, ihn aufzuwecken.

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Der Roman - 2010-11-04, 05:00:00 - Noch keine Kommentare