Nachtwächterführung in Jena

Gestern haben wir endlich die Nachtwächterführung in Jena mitgemacht. Lange schon vorgehabt und immer kam was dazwischen oder wir wollten abends nicht mehr raus.

20 Uhr ging es am Johannistor los. Wir waren ca. 12 Nachtschwärmer, die zu verbotener Stunde durch Jena gelaufen sind. Also hat uns der Nachtwächter aufgegriffen und uns nicht den Stadtwachen übergeben, sondern mit auf seinen Rundgang genommen. Der Stadtwächter war in diesem Fall die Frau des Selbigen und hiess Uta.

Sie nahm uns mit auf einen Rundgang durch das innere Jena (innerhalb der Stadtmauern) und erzählte uns Geschichten aus der Zeit 1500 bis 1910). Es war weniger eine klassische Stadtführung ("Die Kirche wurde 1562 gebaut und brannte 1724 ab. Franz Josef hat hier einen Stein geküsst und der Altar wurde von Meier-Schulze geschnitzt."), sondern eine Episodenerzählung mit Details, die man sonst nicht weiss oder nie gelernt hat. Ich wusste zum Beispiel nicht, dass die Studenten akademische Bürger waren und einer anderen Gerichtsbarkeit unterstanden oder das Heirat zur Exmatrikulation führte. Auch das der Henker damals ein besserer Heiler war, als viele, die sich Medikus nannten... auch wenn der Grund eher aus heutigen Sicht erschreckend war. Damals waren ja auch Hinrichtungen ein Ereignis, was man nicht verpassen wollte, quasi das RTL des Mittelalters. Es hat die niederen Massen mit Trivialitäten ruhig gestellt.

Uta kann erzählen, singen und hat eine angenehme Sprechstimme, so dass man zu keinem Zeitpunkt genervt war. Ich denke mit Schrecken an andere Touren zurück (nicht Jena), wo der Führer leidenschaftslos gelernte Texte abgespulte und man alles hätte auch selbst nachlesen können.

Fazit: Sehr empfehlenswert. Hier geht es zu mehr Informationen: Jena entdecken

Jena - 2011-01-09, 12:53:20 - 3 Kommentare