Eine neue Erfahrung: US-Friseur

Hairdresser
Gestern konnte ich eine neue Erfahrung in meinen Lebenserfahrungspool einsortieren: Der Besuch bei einem Friseur im Ausland, genauer in den USA. Leider lässt sich der Haarwuchs nicht effektiv aufhalten, meist ist es ja auch erwünscht, denn wenn es erst nicht mehr wächst, dann ist es auch Mist. Also musste ich mal zum Friseur, damit ich hier nicht als Hippie durchgehe, den die Flowerpower Zeit ist definitiv vorbei.

Ich bin also am Freitagabend gegen 19 Uhr noch schnell losgehirscht, um mir einen Hairdresser zu suchen. Ein Barber wäre auch gegangen. In der ersten grossen Einkaufsstätte (Mall) gab es leider keinen Friseur, also bin ich in die Supermall nach Burlington gefahren.

Es war einfach gigantisch. Meist ist die Mall ja schon in der Woche reichlich voll, aber der Abend am Veteran's Day war nahe dem Ausnahmezustand. Fast alle Parkplätze waren belegt. Das soll heissen, dass die ungefähr dreifache Menge aller ingesamt in Jena verfügbaren Innenstadtparkplätze belegt waren. Ich hatte damit schon die Chance auf nen schnellen Haarschnitt begraben. Aber wenigstens wollte ich wissen wo und vielleicht auch wann man den Friseur aufsuchen kann.

Bin also in die Mall gerannt, habe das Verzeichnis der Geschäfte gelesen und mich auf geradem Wege zum Friseur begeben: Catherina Michael's Hair Salons. Dort angekommen habe ich erstmal geschaut, ob das bekannte Schild zu sehen ist: Walk-Ins Welcome. Damit gibt der Friseur zu verstehen, dass er Laufkundschaft ohne Termin annimmt. Tat er in diesem Fall, also rein.

Eine Dame empfing mich etwas missmutig und ungewöhnlich ohne Lächeln. Aber das muss wohl daran liegen, dass man ihr so schwer ins Gesicht schauen konnte, da sie gut attributiert war. Warum lächeln, wenn es eh keiner sieht ;-) Sie ist also hinter und hat einen Friseur gefragt, ob er mich noch abfertigen kann oder will. Interessanterweise hat der Friseur erstmal um die Ecke geschaut und dann ihr ein Ja mitgegeben.

Dann hat sie gefragt ob ich Zeit hätte, da ich warten müsste. "Wie lange dauert es denn?" "5min". ??? In Deutschland fällt 5min nicht unter Warten...

Also habe ich mich aufs Ledersofa gelümmelt und unmotiviert in den Frauenzeitschriften geblättert, was anderes lag nicht rum. Witzigerweise scheinen Frauenzeitungen für Männer gemacht zu sein. Ansonsten kann ich mir die Vorher-Nachher Bilder der Promis zum Thema mit und ohne Wonderbra nicht erklären ;-) Dann erlöste man mich auch schon von meinen ästhetischen Konflikten.

Er machte dann anstalten meinen Kopf waschen zu wollen. Ich bin aber kein Fan von Nassschnitten, weil die Haare nur 12h liegen und danach für 2 Wochen rumstehen, weil falsch geschnitten. "Nein, ich möchte einen Trockenschnitt." "Just a quick rinse." "Na gut." Ich habe mich also schnell rinsen lassen. Alles andere war dann erstmal relativ normal, auch wenn mir einige Vokabeln zum Beschreiben meines Haarwunsches fehlten. Die Hoffnung auf einen fähigen Friseur mit Blick existiert halt immer.

Man kann glaube ich bei einem Friseur in den USA super Englisch lernen und üben. Man bekommt selbstverständlich ein Gespräch aufgedrängt. Woher, wohin, was schon gesehen etc. Aber im Laufe des Gespräches kristallisierte sich dann der Grund für das Gespräch und meine prompte Bedienung heraus.

"Wie alt bist Du? Ich schätze 28." Wie der geneigte Leser weiss, bin ich ja als 39 eingestuft. "Sehr schmeichelnd. Danke, aber ich bin 33." "Ich bin schon 50." "Naja, sie sehen aber nicht wie 50 aus." Zurückgeschleimt, damit er an meinem Haar weiter motiviert rumschnippelt.

"Sind Sie schon in Bars in Boston gewesen?" "Ja". "In welchen denn?" "Laber, weiss nicht, laber, nett." "Schön. Ich kenne die Bar auch." Soweit so gut erstmal. Smalltalk halt. "Do you like gay bars?" "Häh? Uhm, eh... can be nice sometimes, but not my kind of thing." "You can dance very nice there." Ahhh... da kommt also der Wind her.

Damit wären erfolgreich alle Klischees von schwulen Friseuren bestätigt. Naja, noch bissl Smalltalk aushalten und dann ist es vorbei. Hauptsache ich sehe danach wieder einigermassen menschlich aus.

Die meisten düften meine stimmungsvolle Welle im Haar kennen. Die hatte ich danach auch wieder, aber andersrum und mit einem extremen Seitenscheitel. Hätte ich jetzt noch nen kleinen Oberlippenbart gehabt, dann hätte es mich 60 Jahre in der Zeit zurückgehauen bzw. Holywood hätte mich für den nächsten Film über den 2. Weltkrieg eingekauft. Vielleicht hätte ich nicht sagen sollen, dass ich aus Deutschland komme? Naja, ich habe mir das Ding schnell wieder zurechtgewuschelt, so dass ich wirklich wieder wie ein Mensch aussehe.

Danach hat der Salon mit 27 Dollar für das Rumschnippeln abgeknöpft und damit man mich nicht als Tourist verhaftet, habe ich dem Mann noch 5 Dollar Trinkgeld in die Hand gedrückt. Das hatte ich bei der Kundin vorher gesehen. Man passt sich ja an. Dafür habe ich auch die Vistenkarte von Robert bekommen...

Beim nächsten Mal bestehe ich auf die brünette Friseuse... ihre Attribute sind mir dann auch egal, Hauptsache geregelte Verhältnisse.

Photo by tokyogoat under CC-NC-BY-2.0.

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tobi

mensch, der typ is aber ganz schön dreist rangegangen. ist doch schön, so begehrt zu werden ;)
2005-11-16 - 20:25:12 - tobi

Kai

Sag mal, gab es dort noch andere männliche Kunden? Warst du vielleicht beim Frauenfriseur? :)
2005-11-18 - 04:08:03 - Kai

Rene99

Weiss nicht, aber dass hätte man mir wohl gesagt. Schliesslich hat man micht ohne Murren bedient und der Frisör hat mich ja zugeteilt bekommen und nicht einfach nach mir gegrabscht.
2005-11-18 - 04:11:03 - Rene99

Jaem

Ich würd sagen, du wurdest preislich (27 Dollar) abgezockt. Denn hier in Germany zahlst du nirgendswo diese Summe.
2017-09-12 - 00:54:31 - Jaem

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