Verbote machen es geil

Da will doch Niedersachsens Ministerpräsident Wulff gewalttätige Computerspiele verbieten. Der Mann hat schliesslich Ahnung und muss es wissen. Auf seiner Liste der Verbote stehen noch: Äxte, Hämmer, Messer, Gewaltfilme, Autos, Brücken, Gewaltbücher, Kettensägen, Sprengstoff, Krimis und vieles mehr. Aja, die Amerikaner müssen auch demnächst deswegen auf ihre blutigen Kriege verzichten...
Naja, es ist ja leicht zu sehen, dass ein Verbot sinnlos ist und den Reiz erst recht erhöht. In Zeiten von Breitband hat man auch schnell mal das Spiel illegal gezogen und auf den Schulhof ist das Dealen mit CDs wohl das kleinste Übel.
In einem Punkt muss ich aber der Diskussion recht geben. Ich sehe durch diese Form von Spielen, den modernen Massenmedien und Horrorfilmen mit viel Blut durchaus eine Verrohung der Gesellschaft und damit gleichzeitig eine Abstumpfung gegenüber Gewalt und Leid. Ein Verbot von bestimmten Spielen hilft hier aber überhaupt nicht. Bildung, Arbeit, Aufklärung und der gesunde Menschenverstand sind der einzige Ausweg.
Meine eigene Erfahrung muss ich hier auch mal zum Besten geben. Ich spiele selten mit dem Computer oder einer Konsole und wenn, dann meist nur Fahr- und Flugsimulatoren. Ein militärischer Flugsimulators ist schon sehr anziehend... geil wäre es schon mal so ein Ding in echt zu fliegen... Ok, dass ist ja noch harmlos, aber bei meiner ersten Runde Band of Brothers war ich doch schon sichtlich entsetzt, welche Faszination vom Rumrobben mit einem Gewehr im Dreck des Zweiten Weltkrieges ausgeht und wie man wirklich lange gebannt vor dem Kasten sitzt und sich immer wieder sagt: "Nur noch das eine MG-Nest, nur noch den Hof und das Gebäude."
Ich bin über 30 und meine Lebensprägung ist abgeschlossen, deswegen überdauert diese Begeisterung für Krieg nicht im Kopf. Anders sehe ich es aber bei 12 bis 16-jährigen, deren Weltbild noch nicht fertig ist und die Blut und Gewalt tagtäglich auf allen Kanälen, in allen Medien und auch noch in der Freizeit mit Absicht erfahren. Hier bin ich mir recht sicher, dass es sich negativ auf das Weltbild und die Einstellung zur Gewaltanwendung auswirkt.
Horrorfilme lehne ich übrigens generell ab, wobei ich hier noch noch die Abstufung zwischen einem Psychothriller und einem Blutfilm ala Saw X gelten lasse.
Ich denke, dass harter Wehrdienst für viele eine heilsame Erfahrung wäre. Zusätzlich kann es auch nicht schaden, noch einige Tage in der Pathologie oder im Notarztwagen zu verbringen. Leben erfahren sozusagen.
P.S. Junge Enten rennen der ersten Person hinterher, die sie sehen und halten sie für einen Elternteil. Ähnlich wird es in den ersten Jahren des Lebens eines Menschen sein. Er wird geprägt von seiner Umwelt. Natürlich nimmt er nicht alles an, d.h. die Gleichung Gewaltspiele = Mörder geht nicht auf, aber der ein oder andere wird Gewalt jeder Art viel schneller als Ausweg aus Krisen ansehen. Es ging doch auch so schön im Computer oder beim Serienheld im Fernsehen.
Rainer
(Ich hätte lieber einen (Track|Ping)back gesetzt, das geht aber bei Dir nicht?
Übrigens muß man natürlich auch Killermärchen wie zum Beispiel Rotkäppchen und der Wolf verbieten.
Toby
crosa
Das kaputte Wertesystem unserer Gesellschaft grenzt viele Jugendliche ganz extrem aus. Die Ausweglosigkeit ihrer vermeintlich unlösbaren Probleme wäre der Punkt wo es anzusetzen gilt.
Ein Verbot von Computerspielen lässt sich natürlich Medienwirksam als schnelle Lösung wesentlich leichter verabschieden.
chinaladen
Sich einen Film wie SAW anzusehen ist für einen Erwachsenen sicher schon eher als Grenzerfahrung zu werten. Aber wo soll der Ekel vor Tod, einzelnen Körperteilen usw. entstehen, wenn Jugendliche sich diese Filme aus dem Netz oder aus Papas Regal holen.
Dagegen sind Computerspiele schlicht lächerlich.
Noch grusliger ist es aber, sich Sendungen wie "Supernanny" zu betrachten und sich vorzustellen, daß diese Sendung viele, viele, viele Zuschauer hat, die vor den gleichen Problemen stehen. Vielleicht wäre ausser dem Hundeführerschein ein Elternführerschein nötig?
Die Hilflosigkeit der Politik ist hier verständlich und natürlich möchte jeder Politiker von der Bildzeitung gerne geliebt werden. So kommt es heute nicht mehr darauf an mit was man auf die Titelseite kommt, Hauptsache man wird dort zitiert.
soeren onez