Der Text zum Sonntag

Ich finde, es ist mal wieder Zeit für den grossen verbalen Erguss. Lange habe ich mich schon nicht mehr zur Lage der Nation geäussert, also ist mal wieder eine Einschätzung nötig. Neue Themen sind Euro-Drama, US-Schulden, Gurkenregierung, EHEC, Italien und der Geier weiss was noch... Google+ wäre da noch.

Starten wir mit EHEC. Das Thema ist ja nun gegessen. Ägypten war es. Nun hat leider jeder vergessen, den Zusammenhang zwischen der Revolution in Ägypten und EHEC herzustellen. Mubarak war unser Freund. Er wurde gehätschelt und mit Geld beworfen. Die wenigsten Terroristen... ups, Touristen wussten wohl, was für ein Stoffel er wirklich war und das man quasi im Ostblock von vor 25 Jahren Urlaub gemacht hatte, von Wärme und exotischen Tieren mal abgesehen. Billig war es!

Nun haben wir Mubarak plötzlich nicht mehr lieb (ja, Guido, Dich spreche ich hier an), also was macht man als Diktator, auch wenn man das Label gerade erst bekommen hat? Man dehnt sein "perfide und gemein" auf die Ex-Freunde aus. EHEC war geboren und Deutschland wurde infiltriert.

Die Reaktion in Deutschland fiel fast wie erwünscht aus. Massenpanik und Wirtschaftschaos. Alle Welt ass plötzlich Ass... äh... Fleisch und die Vegetarier verhungerten reihenweise. Aber keiner kam auf die Idee, dass das ein Angriff, ein Racheakt und Sabotage war.

Nun gut, egal. Es ist vorbei und Ägypten ist wieder gut oder zumindest grob auf dem Weg dorthin.

Was ist eigentlich mit Libyen? Mich macht es etwas nervös, dass es Wochen dauert bis die Nato da Ergebnisse liefert. Wie darf ich mir dann unseren Verteidigungsfall vorstellen, wenn man jetzt gross Aufräumen will und nicht mal gegen eine schlecht ausgerüstete Armee so richtig ankommt. Müsste da nicht mehr passieren? Vernichtet die Nato etwa nur abgelaufene Bombenbestände? Immer wenn mal was über ist, dann werfen wir es kurz vorm Ranzigwerden ab?

Da wird gerade im Süden sind, liegt die Betrachtung von Italien nahe. Speziell auch deswegen, weil Italien ein grosser Freund von Gaddafi war und gern und oft Geldmittel angenommen hat. Jetzt ist man in der Diktatorzwickmühle. Kein Freund, kein Geld, aber selbst etwas klamm in der Kasse. Was nun?

Wollen wir hoffen, dass das Land von Espresso und Olivenöl, von Pasta mit viel Parmesan und gurkiger Autos (Fiat) die Kurve bekommen, sonst geht bei uns allen das Licht aus. "Wenn Rom fällt, fällt Europa!" Oder war das ein anderer Spruch?! Aber erschreckend ist es schon, was gerade gesamteuropäisch so abgeht. 20 Mrd. für die Griechen, aber nur 5 Mio für 10 Millionen hungernde Menschen in Somalia... aber die haben kein Bankkonto, also kann man 20 Mrd. nicht hinbringen... 5 Mio passen in einem Koffer.

Woran liegt es, dass es gerade jetzt so brenzlig wird? Die Schulden sind doch nicht plötzlich so erdrückend. In einigen Ländern waren sie sogar schon mal grösser bzw. sind es schon lange so gross.

"Was ich nicht weiss, macht mich nicht heiss." Genau aus diesen Gründen ist es plötzlich ein Problem, weil nämlich immer mehr Leute mit Fingern auf das Problem zeigen. Jetzt setzt Nervosität ein und die Politik wird aktiv. Wenn die Politik aktiv wird, dann ist der Rest der Meute erst recht nervös. Dann tauchen plötzlich die Ratingagenturen auf und setzen die Länder herunter. Jetzt! Nachdem vorher über Jahre alles und jeder super war. Jede blöde Pleitebank war super und jetzt? Jetzt möchte man gern übervorsichtig sein und setzt damit genau das in Gang, was zur Pleite führen wird. Man man nur genug drüber redet, dann tritt es ein.

Verdächtig finde ich übrigens, dass ausgerechnet, nachdem China bekundet hat, mehr in Euro zu investieren, um breiter aufgestellt zu sein, die Ratingagenturen reihenweise Europa zur Sau machen. Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass hier der Geldstrom gesteuert wird. Natürlich wird auch der USA gedroht, dass man die Bewertung verändert, aber nur gedroht, nicht heruntergestuft. Mit dieser Drohung kann man sich prima reinwaschen, dass man nicht einseitig agiert und zusätzlich auch noch national Druck machen, damit Sparziele erreicht werden, die den Gruppierungen mit Geld recht sind.

Ich bin übrigens gegen Steuersenkungen, weil wir ziemliche Schulden haben und weil man sich so etwas für Notfälle aufheben sollte, wenn es wirklich mal wieder hart auf hart kommt.

Da kommt mir doch übrigens eine Idee. Warum wählen wir eigentlich noch ständig eine Regierung oder Abgeordnete? Das Problem damit ist, dass diese jedes Mal eine Politik der Wiederwahl betreiben und egal wer es ist, immer falsche Versprechungen machen. Wir fallen auch immer wieder drauf rein.

Wir wäre es, wenn Regierung, Abgeordnete und wer also normalerweise gewählt wird, nach der ersten Wahl beständig im Amt bleiben würden? Sollten wir Probleme mit ihnen haben, dann gibt es keinen festen Wiederwahlzyklus, sondern eine Bedarfswahl. Wir stimmen quasi ab, dass wieder gewählt wird. Optional könnten wir auch jedes Mal eine Revolution vom Zaun brechen. Der moderne Wut- oder Dagegenbürger hat ja sonst nix zu tun.

Mindestzeitraum ist vier Jahre, danach beginnt die "Halte uns bei Laune"-Phase. Niemand darf zur Wiederwahl antreten. Einmal vergeigt, immer vergeigt. Falls diese radikalen Version nicht die notwendige Zustimmung findet, so wäre ich zumindest für eine Achtjahresgrenze für alle Berufspolitiker. Keine Wiederwahl möglich, aber Aufsteigen darf man, aber Absteigen nicht mehr. Raus ist raus.

Jetzt noch schnell die Betrachtung von Google+, denn ich habe mich davon einfangen lassen. Gesichtsbuch lehne ich irgendwie ab und Twitter ist öde geworden. Mal sehen, was G+ bringt. Es lässt sich schon recht gut an, allerdings sind natürlich auch die Nörgler nicht weit. Klarnamen sage ich nur. Im wirklichen Leben redet man sich doch auch mit dem richtigen Namen an bzw. kennt zumindest den richtigen Namen?!

Wer geheim sein will, der sollte nicht auf Plattformen springen, die von Behörden recht schnell zur Herausgabe aller Details genötigt werden können. Ansonsten kann man sich immer noch Gertrude Krause nennen. Zudem denke ich, dass sich das Problem recht schnell legen wird, wenn erst einmal alle Leute auf G+ rumhopsen und es jede Menge Schmidt, Smith, Huan oder Hussein geben wird, dann müssen wieder Pseudonyme her, sonst kann man sich nicht mehr auseinanderhalten.

Ok, wieder mal Text getippt. Hoffe es war nett zu lesen, wenngleich ich auch eher nur unsystematisch durch die Themen gesprungen bin. Schöne Woche.

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maik

Wut- oder Dagegenbürger sind gut. Die wählen halt eine Protestpartei. Bei den letzten Wahlen war es die ProtestFDP, bei den nächsten werden es wieder die ProtestGrünen sein. Vorrausgesetzt, Winfried Kretschmann enttäuscht seine S21 - Kameraden nicht allzusehr.

Genau das unterscheidet uns von den Franzosen und Italienern: Die einen zünden aus Frust Autos an, die anderen haben immerhin einen Gigolo als Ministerpräsidenten.
Der deutsche dagegen geht wählen, um anschliesend über eine männliche Kanzlerin und einen schwulen Außenminister zu jammern.
2011-07-17 - 22:27:32 - maik

T.

Endlich mal einer der das Kind beim Namen nennt.
Sehr gut, war lang nicht mehr hier. Werde aber wieder öfter kommen! Versprochen.
2012-10-16 - 14:38:24 - T.

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