Konsens - 5.0

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5.0

Auf dem Weg in seine Wohnung (seine Kollegen hatte er während der automatischen Fahrt auf den aktuellen Stand gebracht), versuchte er die Teile des Puzzles, die sich ihm präsentierten, zu einem kohärenten Ganzen zu verbinden, scheiterte aber an dem Gefühl, mindestens ein Teil, das wichtigste, nicht gefunden zu haben. Immer wieder ging ihm die Warnung des NKs durch den Kopf und abwechselnd war er überzeugt, dass diese eine große oder gar keine Bedeutung hatte. So müde wie schon seit Monaten nicht mehr betrat er seine Wohnung, setzte sich fast automatisch an seinen Schreibtisch, nahm die Verbindung zu HYPER in seine Hand, führte diese zu seinem Genick und… hielt inne. Auf der einen Seite sagte ihm die Vernunft, dass es für ihn immer noch nicht sicher war, den Uplink durchzuführen, auf der anderen Seite hörte er erneut die Warnung „traue nicht der Maschine“. Er hatte durch die Ermittlungen schon den ganzen Tag keine direkte Verbindung mehr zum Netzwerk gehabt und er konnte sich nicht zurück erinnern, dass das jemals in seinem Leben der Fall gewesen wäre. Wenn er den Kontakt jetzt nicht durchführte, war das de facto eine Straftat, wobei er sich sicher war, in diesem Fall eine Ausnahme machen zu können. Der Kontakt und das Hochladen des eigenen Bewusstseins war ganz einfach ein natürlicher Teil des Tagesablaufs, genauso wie drei Mahlzeiten oder das morgen- und abendliche Zähnehygienisieren. Zusätzlich wurde er sich bewusst, dass er ein ziehendes Verlangen nach der Verbindung empfand. Am Anfang seiner Tätigkeit hatte er oft mit Jugendlichen zu tun gehabt, die sich bewusstseinsverändernde Programme, sogenannte Triprogs, direkt in das Gehirn hochgeladen hatten. Daher wusste er, dass er Anzeichen von Entzug hatte. Doch er verwarf diesen Gedanken sofort wieder als lächerlich und schob das nagende Gefühl auf den verhältnismäßig hohen Stress des Tages. Er beschloss, die Sache ruhen zu lassen und schlafen zu gehen. Es war das erste Mal seit Jahrzehnten, dass er innerhalb von 24 Stunden nicht mit HYPER verbunden war.

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Der Roman - 2010-11-08, 05:00:00 Noch keine Kommentare

Konsens - 3.0

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3.0

Inzwischen war es hell geworden in der Stadt. Wieder daheim angekommen, stand Helmut an seinem Fenster, dass die komplette Wand einnahm und sah nach draußen. Das Licht der aufgehenden Sonne wurde tausendfach gebrochen von den zahllosen Glasfassaden und Fenstern der Stadt, so dass sie wirkte wie ein einziger riesiger Diamant. Immer wieder sausten Luftbahnen lautlos vorbei. Der Himmel war blau.

Wie anders hatte es noch vor HYPER ausgesehen, dachte Helmut. Damals war das komplette Ökosystem der Erde durch den Klimawandel umgekippt, die Mehrzahl aller Pflanzen und Tiere ausgerottet. Rohstoffe waren fast aufgebraucht gewesen und ganze Staaten waren in Anarchie versunken. Vielleicht war es auch die reine Verzweiflung gewesen, dass die Regierung der Welt dazu veranlasst hatte, die scheinbar unüberwindbaren Probleme von der offensichtlich um einen vielfaches klügeren Hyperintelligenz lösen zu lassen und sich im Gegenzug ihrem Urteil zu beugen. Und tatsächlich schien ein Problem nach dem anderen in Rekordzeit zu verschwinden und die Menschheit lebte plötzlich wieder in Wohlstand und Zufriedenheit, jedoch geeint und vom Krieg befreit dank HYPER.

Warum musste er ausgerechnet jetzt an so was denken? Helmut wischte sich mit seiner rechten Hand über das glatte, scheinbar alterslose Gesicht. Genug Zeit vertrödelt, es gab einen Fall zu lösen.

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Der Roman - 2010-11-06, 05:00:00 Noch keine Kommentare

Konsens - 2.0

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2.0

Der Winkende entpuppte sich als Franz Loh, frisch von der Akademie graduierter Polizist und professionelle Nervensäge, zumindest wenn man Helmut fragte. Allein „von der Akademie graduiert“ war ein schlechter Witz, schließlich hatte Hans sich sein komplettes Wissen über sämtliche Polizeiprotokolle innerhalb weniger Stunden von HYPER herunter geladen, nachdem sein Persönlichkeitsprofil eine 87,5-prozentige Eignung für den Polizeidienst ergeben hatte. Er war erst sechzehn Jahre alt, das vorgeschrieben Mindestalter für einen Erwachsenen. Man konnte zwar auch bis 18 seine Kindheit genießen, aber Hand gehörte zu den ehrgeizigen Menschen, die ihren Beitrag zur Gesellschaft nicht früh genug leisten können.

„Hallo, Herr Inspektor!“ begrüßte Loh seinen Vorgesetzten.

„Hallo, Franz.“ erwiderte dieser den Gruß lustlos. Wie immer schien Franz es nicht zu gefallen, wie ein Kind mit dem Vornamen angesprochen zu werden. Falls es so war, ließ er es jedoch unkommentiert zu. Er hatte blonde, kurze Haare, nach aktueller Sitte von einem kahlen Streifen in der Mitte des Schädels unterbrochen. Auf seinem Gesicht waren noch Spuren einer hartnäckigen Akne zu sehen, die selbst die Naniten, die seine Haut ständig reinigten, an den Rand der Verzweiflung bringen mussten. Er trug dieselbe Uniform wie Helmut, und obwohl sie ihm von einem unfehlbaren Roboter auf dem Leib geschneidert wurde, sah sie irgendwie zu groß aus für seinen schlaksigen Körper.

Helmut löste seinen Blick von dem Kollegen und ließ ihn durch den Raum schweifen, der, wie er korrekt annahm, der Tatort war. Ein Mann, offensichtlich das Opfer, saß an einem durchsichtigen Schreibtisch, mit dem zusammen gesunkenen Oberkörper auf der glatten Oberfläche. Ein holographisches Bild versuchte sich vergeblich zusammen zu setzen, vom Kopf der Leiche behindert. Helmut bemerkte sofort, dass im Genick des Mannes das Kabel für den Uplink steckte. Der Täter musste den Augenblick des Downloads von HYPER und die vorübergehende Hilflosigkeit des Opfers ausgenutzt haben, um ihn zu ermorden.

„Kein Fingerabdrücke gefunden, Herr Inspektor!“ meldete sich Franz erneut zu Wort. Helmut sog lautstark die Luft ein und unterdrückte ein Seufzen. Das hatte man davon, wenn man halbe Kinder mit Polizeiprotokoll fütterte und dann auf die Menschheit losließ! Natürlich war die Suche nach Fingerabdrücken immer noch Vorschrift bei der Sicherung des Tatorts, aber schon seit fast einem halben Jahrhundert waren an dem Ort eines Verbrechens keine der verräterischen Spuren mehr gefunden worden.

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Der Roman - 2010-11-05, 05:00:00 Noch keine Kommentare

Konsens - 1.5

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Ein Gewaltverbrechen also. Er hatte gedacht, er hätte sich beim Aufwachen verhört. Gewalt eines Menschen gegenüber einem anderen war nach der Singularität selten geworden. Nachdem HYPER die Kontrolle über die komplexen Belange der Menschheit übernommen hatte, waren die häufigsten Ursachen für Verbrechen, Armut und Gier, de facto verschwunden. Die einzigen Verstöße gegen das Gesetz, die Helmut und seine kleine Gruppe immer mal wieder auf den Plan riefen, waren Hyper-Hacks, Versuche, das Netzwerk für den eigenen Vorteil zu manipulieren. Und selbst diese hatte HYPER bisher immer schon selbst gelöst und ihnen blieben nur noch die Formalitäten der Festsetzung des Verbrechers.

Darüber hinaus wurden die meisten Verbrechen schwereren Kalibers nur noch von den wenigen Non-Konsensuellen verübt. Diese weigerten sich aus unerfindlichen Gründen, den regelmäßigen Upload mit HYPER vorzunehmen und fielen somit aus der menschlichen Gesellschaft heraus. Um zu überleben, stahlen sie bisweilen Kleidung und Nahrung, wurden jedoch aufgrund ihrer Unsichtbarkeit innerhalb des Systems so gut wie nie festgenommen. Es war eine Ironie, dass eine der ersten Beschlüsse von HYPER als oberste Instanz menschlicher Regierung die Abschaffung der bis dato virulent ausbreitenden Überwachungstechnologie war. Diese wäre mit dem freiwilligem Upload aller Menschen obsolet geworden, argumentierte das Netzwerk damals. Genau diese Blindheit machten sich aber die Non-Konsensuellen zunutze. Seit einiger Zeit wurden auch immer wieder Todesfälle innerhalb dieser mysteriösen Subkultur gemeldet, die ebenfalls aufgrund ihrer Anonymität nicht aufgeklärt werden konnten. Vielleicht war Helmuts neuer Fall auch so ein Tod?

Grübelnd saß Helmut an seinem Frühstückstisch, als er draußen das charakteristische Sausen der Luftbahn hörte. Mist, er hatte vergessen, sich den Mundraum zu desinfizieren. Naja, wer ihn mitten in der Nacht aufweckte, musste halt mit seinem Mundgeruch leben. Die scheinbar nahtlos in seine Fensterwand eingebaute Tür öffnete sich leise zischend und Helmut stieg in die Luftbahn ein, die sich sofort nachdem er sich auf einen der Plätze gesetzt hatte, abhob und davonflog. Draußen wurde es gerade hell und in der Bahn war zu dieser frühen Zeit auch nur ein einziger anderer Passagier, der leise schnarchend schlief, während die Nachrichten auf seiner Zeitung stumm zappelnd bemüht zu sein schienen, ihn aufzuwecken.

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Der Roman - 2010-11-04, 05:00:00 Noch keine Kommentare

Konsens - 1.0

1.0

„Guten Morgen, Helmut. Du hast einen wichtigen Termin, der keinen Aufschub duldet. Entschuldige, dass ich dich daher wecken muss.“

Die unaufdringliche, androgyne Stimme von HYPER erscholl aus dem Lautsprecher der Uplink-Station, die unsichtbar hinter der blassgelben Wand der Wohnung verborgen war. Der Adressat der Nachricht, Inspektor Helmut Chan von der Lok-Pol, der lokalen Polizeistelle des Wohnclusters 04229-Le, für seine Einwohner immer noch als Leipzig bekannt, öffnete verschlafen seine Augen.

„Wasnlos?“

„Im Wohnbezirk West, Untercluster C wurde ein Gewaltverbrechen verübt, Helmut. Deine sofortige Anwesenheit wird dringend erwünscht.“

„Ja, okay, ich komme.“ Langsam richtete sich Helmut Chan in seinem Bett auf, dessen Servomotoren sich mit einem fast unhörbaren Surren von der Form seines Rückens zu einer perfekten Waagerechten zurück bildeten. Er war vor ein paar Monaten fünfzig geworden, sein Alter sah man ihm allerdings nur an ersten grauen Strähnen in seinen halblangen, dunkelbraunen Haaren an. Die Haut seines Gesichtes zeigte nur winzigste Spuren des Alterns, ein paar Krähenfüße um die Augen, zwei Linien um die Mundwinkeln und eine tiefere Falte zwischen seinen dunkelbraunen Augen. Alles in allem hätte man ihn auf Ende zwanzig, Anfang dreißig schätzen können. Müde rieb er sich die Augen und versuchte sich an den Traum, den er gehabt hatte zu erinnern. Wie so oft hatte er das Gefühl, dass er gleichzeitig etwas Wichtiges und Furchtbares geträumt hatte, aber die Fetzen der vagen Erinnerung entglitten seinen suchenden, geistigen Fingern.

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Der Roman - 2010-11-02, 21:08:23 Noch keine Kommentare

Das Erz der Solminer

Ganz ehrlich? Ich hasse diese Erdbürokratie. Warum muss ich drei Tage am äußeren Perimeter des Sonnensystems warten, bevor ich meine Fracht auf einem der Jupiter-Monde abkippen kann? Ja, ich weiss, die Erde hat Angst vor der Plexusgrippe, aber die blöden Jupiterminen sind vollautomatisiert, da treibt sich kein Mensch rum. Ok, das ist jetzt politisch inkorrekt. Natürlich treibt sich kein Mensch dort rum, aber einige Solminer aus dem System Alpha-IV und die sind immun.

Die Plexusgrippe geht von einem niedlichen Virus aus, der auf Plexus nur ein Niessen verursacht, aber der bei 75% der Erdbevölkerung zum Tode führt. Da ich einer wenigen immunen Menschen bin, kann ich Trips nach Plexus wagen und mir meinen Lebensunterhalt verdienen. Plexus besitzt reiche Galtaritvorkommen und ich transportiere dieses Erz zu den Jupiter-Monden. Als Bonus gibt es auf Plexus die schärfsten Damen der ganzen Galaxis. Sie sehen nicht nur gut aus, sondern haben auch noch unglaubliche Talente, die einem glatt den Verstand rauben können. Es sollte nicht unerwähnt bleiben, dass einige Erdenmänner Plexus nie wieder verlassen haben, also zumindest nicht auf eigenen Beinen.

Die Plexusdamen wollen kein Geld dafür, denn diese Art der Gastfreundschaft ist genetisch bei ihnen verankert. Außerdem mögen sie Erdenmännern, denn sie können nicht von ihnen schwanger werden und Verhütung ist auf Plexus eine Straftat. Das liegt nicht an einer religiösen Grundeinstellung, sondern daran, dass die Bevölkerung seit Jahrhunderten schrumpft, weil es zu genetischen Unregelmäßigkeiten kam. Dadurch kann sich jetzt nicht mehr jeder Plexianer mit jeder Plexianerin paaren. Ok, sie können sich schon paaren, aber beide sterben danach, was den Paarungsakt irgendwie ad absurdum führt. Aus diesem Grund gibt es achtfach gesicherte Gentests, die feststellen, ob ein Paar eine Familie werden kann oder nicht.

Simita, meine liebste Plexianerin, hat mir erzählt, dass es ca. 20 Kurzbeziehungen braucht, bis man einen Partner gefunden hat, mit dem man es versuchen will und der gleichzeitig genetisch passt. Plexianer sind beziehungstechnisch sehr schwierig, deswegen dauert das Finden eines möglichen und dann auch noch genetisch passenden Partners sehr lange. Damit erklärt sich dann auch, dass es gleich mit einem Kind klappen muss und kein einziger Sexualakt verschwendet werden darf.

Mir ist das ganz recht, denn Erdenfrauen sind nicht mein Ding. Sie sind so kompliziert und können mit meiner Rumfliegerei nichts anfangen. 10 von 12 Monaten im Jahr bin ich unterwegs und die restlichen 2 Monate will ich nur entspannt an einem Erdmeer oder See verbringen. Wasser im Überfluss, so sieht mein Traumurlaub aus, denn im Weltall ist Wasser rationiert. Man kann zwar hier und da auftanken, aber nicht auf jeder Welt ist Wasser reichlich vorhanden oder billig.

Aber in der Erzstation wird es reichlich Wasser geben, also gönne ich mir jetzt ein verschwenderische schwerelose Dusche mit viel Wasser. Es tanzt immer so schön in kleinen Perlen um mich herum und ich schwebe hindurch und lasse die kleinen Perlen auf meiner Haut zerplatzen. Dazu noch einige altmodische Musikstücke von der Erde und man ist im Himmel. Gut, mit Simita zusammen wäre es der Hammer, aber das muss ich ja nicht extra noch erwähnen.

Ich freue mich auf die Erzstation, nicht nur wegen des vielen Wassers, sondern auch wegen ihrer Bewohner. Die Solminer sind ein komisches, aber geselliges Völkchen. Sie ähneln zwar grob den Menschen, aber sind krasse 4 Meter gross. Auf der Erde hat sich das Schimpfwort Abohne eingebürgert. Quasi als Kurzform von Alpha-IV-Bohnenstange, denn die Solminer sind nicht breiter als wir, nur größer. Sie haben unsere Sprache gelernt und sind verdammt gute Pokerspieler. Was soll man sonst in einer einsamen vollautomatischen Erzaufbereitungsanlage machen? Ihr Sexualtrieb ist auch nicht so ausgeprägt wie bei uns Menschen. Sie sind nur alle 7 Jahre paarungsbereit und deswegen arbeiten Männer und Frauen ca. 6 Jahre problemlos zusammen ohne auch nur ansatzweise mit Hormone rumzuhantieren.

Während ich vor Tor IV des Erdsystems antriebslos rumschwebe, lege ich mir also meine Pokerideen zurecht. Wer einen Solminer geschlagen hat, der wird zur Legende im Sonnensystem. Ich bin eine solche Legende und deswegen immer wieder ein gern gesehener Gast. Schließlich wollen mir es alle Solminer heimzahlen, dass ich ihren Grossmeister K-Tu geschlagen habe. Warum musste der Kerl auch unbedingt meinen hyberjanischen Whisky trinken? Menschen könnten das Zeug für Kefir halten und merken auch nicht mehr als nach einem Glas Kefir, aber Solminer ticken völlig aus. Es ist eine Mutprobe für sie und K-Tu prahlte halt, dass er immer und unter allen Umständen gewinnt. Naja, die Idee mit der Whiskeywette war von mir... und ich bin immer noch stolz drauf.

Die Erdverwaltung hat mir zwar dann 200 Währungen als Strafe abgeknöpft, was ungefähr 2 Jahreslöhne für mich sind, aber mir war das egal, denn jede Solminer zollt mir nun Respekt und ich hatte sowieso 450 Währungen gewonnen. Also immer noch ein guter Schnitt. Die Strafe gab es übrigens für den Whiskey, nicht für das Pokern.

Aber Respekt und Geld machen das Rumtreiben vor Tor IV nicht schöner. Man darf niemanden empfangen, man darf den Bannkreis nicht verlassen und wer sich zu nahe an einen anderen Wartenden manövriert, der darf gleich nochmal 3 Tage absitzen.

Nach meinem ausgiebigen Schwebebad wende ich mich jetzt erstmal meinem Logbuch zu, denn das werden sich die Erdbürokraten gleich runterladen, wenn ich durch das Tor fliege. Also muss ich es noch etwas den Erwartungen angleichen. Man sollte nicht am Ganymed III haltgemacht habe. Auch ist der Mitflug in einem der Veganischen Raumsterne eher ungern gesehen. Das ist alles nicht illegal, könnte aber Fragen aufwerfen. Wobei so ein Veganischer Raumstern der Hammer ist. Das Ding ist so gross wie der Erdmond, hat Platz für 1000 Raumschiffe im Inneren und dabei können alle Besatzungen auch noch von Bord gehen und sich amüsieren.

Die Veganer haben die Raumsterne eigentlich als Ersatzwelten für ihren Planeten gebaut, aber da die Reise mit ihnen so populär und vor allem schnell ist, nehmen sie jetzt bei ihrer Dauerreise durchs All immer wieder Anhalter mit. Man drückt einige Währungen ab und kann dann mit den Veganer durch den gekrümmten Raum reisen. Was sonst einen Monat dauert, kann man in einem Tag erledigen.

Der Name Veganer ist übrigens saudoof, weil die Jungs und Mädels sowas von viel Fleisch verzehren, schon fast nicht mehr feierlich. Es geht auch das Gerücht um, dass sie auf dem ein oder anderen Planeten auch mal einen Bewohner mitgehen lassen. Das ist auch der Grund, warum man lieber nicht mit ihnen mitfliegen sollte... man könnte zum Döner werden. Wobei ich hier glücklicherweise von meinem Ruf zehren kann, dass ich die Solminer einmal bei Poker geschlagen habe.

Poker ist übrigens der Erdexportschlager in der Galaxis. Aus komischen Gründen finden es alle Nichtmenschen toll und einmal pro Erdenjahr wird in unserem Sonnensystem die Galaktische Meisterschaft ausgetragen. Ok, die Solminer gewinnen eigentlich immer, aber man hat quasi den zweiten Platz zum ersten Platz gemacht und streitet darum. Oder anders gesagt, wer als Letzter gegen einen Solminer verliert, hat gewonnen.

Die Erde ist auch Alleinproduzent von Spielkarten. Der galaktische Rat hat hier einen Herkunftsschutz erlassen. Natürlich gibt es illegale Nachdrucke, aber insgesamt gesehen, wollen alle nur mit Erdkarten spielen. Das mache ich mir natürlich zu nutze und habe immer ein große Kiste mit Kartenspielen dabei. Die kleine halblegale Zweitwährung für besondere Anlässe.

Nicht dieses durchdringende Geräusch bitte - der Annährungsalarm plärrt und damit dürften mir nochmal drei Tage in der Einöde sicher sein. So ein Mist. Mal sehen, wer es ist?!

Solminer? Hier und dann auch noch neben meinem Frachter? Solminer sind eigentlich überhaupt nicht weltraumgeil und lassen sich meist nur in Stasis transportieren bzw. von den Veganern, weil man da nicht merkt, dass man auf einem Schiff ist. Habe ich was verbrochen? Pokerschulden sind bezahlt, Fracht ist noch in Ordnung und für meine Warteschleife kann ich doch nix.

"NSS-234, machen sie sich bereit, einen Besucher an Bord zu nehmen." Nein... nicht auch noch einen Besucher, das versaut mir ja meine ganze Planung. Sekunden später klopft es auch schon an der Schleuse. Ich aktiviere die Gravitation und stampfe langsam hinüber. Keine Parasiten, keine Bakterien, keine Strahlung und kaum Geruch laut Analyse. Könnte glatt eine frischgeduschte Plexianerin in der Schleuse sein, aber soviel Glück habe ich nicht.

Ich öffne die Schleuse und was ich sehe verschlägt mir sofort die Sprache. Sekunden später sitze ich auf meinem Hosenboden und starre nur noch fassungslos auf meinen Gast.

Der Roman - 2010-08-09, 23:40:06 3 Kommentare

Global Warming? Wer braucht das schon!

Storchenbeine

In letzter Zeit tauchen immer mehr Zeitgenossen auf, die versuchen einem das Konzept vom Globaler Erwärmung zu verkaufen. Immer nach dem Motto: "Wer jetzt viel verbraucht, der kann später drauf vertrauen, dass es warm und kuschlig ist und dann nicht mehr heizen muss." Also jetzt Geld ausgeben, um im Alter zu sparen. Klingt wie eine Rentenanlage und ist es auch.

Wir schreiben den 21. Dezember 2047. Ich sitze mit meinen 75 Jahren auf der Terrasse eines kleinen Hauses in der Nähe von Schwerin. Von hier aus sind es nur 250m bis zur Nordostsee. 2025 habe ich nur 1,5 Millionen Euro dafür bezahlt und nun ist es ca. 15 Millionen wert. Naja, ganz korrekt ist das natürlich nicht, denn 2021 hatten wir eine Hyperinflation, die die Rohstoffmärkte zusammenbrechen liess. Es wollte einfach keiner mehr 1723 Dollar pro Barrel Rohöl bezahlen. Bei den Preisen lohnte sich auch der Transport von Lebensmittel aus China nicht mehr. Danach ging es in China hoch her. Die Menschen murrten ja schon ewig, weil sie kaum noch Atmen konnten und die durchschnittliche Lebenserwartung bei 42 Jahren lag, aber nun gab es kaum noch Arbeit.

Ein Teil der Aufstände wurde gewaltsam niedergeschlagen. Es starben ungefähr 2,2 Millionen Chinesen dabei. Dann war auch die Niederschlagung niedergeschlagen und das Problem wuchs einfach der Welt über den Kopf. Die anschliessende grosse Hungersnot raffte 500 Millionen Menschen auf der ganzen Welt dahin. Besonders in Asien, Südamerika und Afrika starben viele Menschen. Von Russland weiss es keiner genau, da das Land sich 2019 komplett isolierte und auch den Ölhahn zudrehte. Irgendwo musste der Preis ja herkommen. Die Saudis waren schon lange trocken und konnten sich auch keine Meerwasserentsalzung mehr leisten. Bevor die Menschen verdursteten, wollten sie über die Grenzen in die Nachbarländer fliehen. Die Nachbarländer fanden das nicht witzig, da sie schon genug eigene Probleme hatten. Der massive Völkermord als Lösung des Flüchtlingsproblems juckte keine Nation mehr. Jeder hatte mit sich selbst zu tun.

Wir Europäer schlossen derweil alle Grenzen in alle Richtungen. Nachdem 2 Millionen Afrikaner in 8 Wochen an den Küsten angelandet waren, schossen auch die Europäer scharf. In der gleichen Zeit mussten Teile der Niederlande, Belgiens und ganz Dänemarks umgesiedelt werden. Die Experten hatten eigentlich mit einem Rotationsproblem der Erde nach dem Abschmelzen der Polkappen gerechnet, aber wir bekamen nur nasse Füsse. Soweit zu den Panikmachern der Nation... sagten wir damals. 2047 habe ich ein Wassergrundstück. Schade nur, dass man nicht Baden gehen kann und Fische gibt es auch keine mehr. Mit der Überflutung der ehemaligen Siedlungsgebiete ist auch jeder nur erdenkliche Schadstoff ins Wasser gelangt. Deswegen darf man auch nur bis auf 100m an die Brühe ran. Ein 5m hoher Doppelzaun trennt die stinkende See und das Festland... auch um die Flüchtlinge fernzuhalten.

Ich war heute unvorsichtig und habe meine Wasserration schon vor 17 Uhr geleert. Eigentlich müssen 0,5 Liter doch für 24h reichen. Man soll zwar mit den Hydrierungstabletten den Körper runterbremsen, aber die Dinger machen tierische Kopfschmerzen. Die meisten Leute nehmen sie nicht. Ist zwar illegal, aber was soll es. 100 Milliliter Wasser kosten auf dem Schwarzmarkt 10.000 Euro. Im Keller habe ich noch die Reste vom 2046 Wintereis. Es war zwar illegal, aber ich habe mir einen Block aus dem grossen See geklaut. Man muss es monatelang stehen lassen und mit acht verschiedenen Chemikalien behandeln, aber dann ist es fast ok.

Der Winter 2046 war komisch. Es hatte seit 25 Jahren das erste Mal wieder geschneit und die Temperaturen blieben für 14 Tage unter dem Gefrierpunkt. Die europäische Einheitsregierung hat den Winter begrüsst. Wohl eher herbeigesehnt, denn es starben 15% der Einwohner Europas. So blieb mehr für den Rest. Auch erinnerte die Aufbereitung der Toten stark an einem Science Fiction Film aus meiner Jugend Soylent Green - Jahr 2022 - die überleben wollen. Europa konnte seine Wasservorräte auffüllen und mehr Nahrungsrationen gab es dann auch. Jeder von uns hat sich schon lange daran gewöhnt, umgearbeitete Proteine zu essen. Die H-Cookies sind nicht lecker, aber man wird satt. Ausserdem gibt es die Dinger gratis und man muss nicht sein Geld für Essen ausgeben.

So, ich gehe jetzt mal wieder ins Haus, denn gleich ziehen die sauren Wolken auf und deren Regentropfen brennen wie die Hölle auf der Haut.

Photo by azrainman under CC-BY-2.0

Der Roman - 2007-10-17, 00:57:20 8 Kommentare

Wie es zum Zweiten Kalten Krieg kam

Bombardierung

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2011 - Nach der Bombardierung der iranischen Nuklearanlagen durch Israel im Jahre 2009, hat der Iran in einem gewaltigen Gegenschlag Israel mit Raketen beschossen und grosse Teile Tel Avis dem Erdboden gleichgemacht. Bei diesem Angriff sterben ca. 50000 Menschen.

Die USA und Grossbritannien, gedeckt durch die EU, haben daraufhin wichtige Industrieanlagen im Iran zerstört. Als Reaktion darauf hat der Iran mit der Invasion des Iraks begonnen, um sich den Zugriff auf die wichtigsten Ölquellen zu sichern. Mit der Unterstützung einiger Volksgruppen im Irak wurden die USA aus der Hälfte des Landes zurückgedrängt. Die Börsen reagieren mit Kursverlusten bis zu 30%, der Ölpreis erreicht 110 Dollar pro Barrel.

Die Situation macht sich die Türkei zu Nutze und erobert relativ kampflos den Norden des Irak. CNN berichtet von ethnischen Säuberungen.

Zur gleichen Zeit greift Nordkorea in einem Verzweiflungsakt Südkorea an, da die USA alle Hände voll zu tun haben. In der Bevölkerung Nordkoreas waren grosse Unruhen durch Hunger und Seuchen ausgebrochen. Die nordkoreanische Regierung nennt es den Befreiungsschlag aus der Blockade durch Südkorea, die zu Hunger und Elend im eigenen Land geführt hatte. Der Ölpreis erreicht 125 Dollar pro Barrel.

Da die Ölpreise seit Jahren hoch sind und die meisten Fluggesellschaften ihre Kaufoptionen auf billiges Öl aufgebraucht haben, müssen mehrere grosse Gesellschaften Konkurs anmelden. Zugleich macht die Vorschrift zum vollständigen Screening aller Passagiere das Fliegen auf Kurz- und Mittelstrecken unattraktiv. Passagiere müssen sich zwei Wochen vor Abflug mit einem speziellen Flugvisa melden. Daraufhin wird ein Persönlichkeitsprofil erstellt, um terroristische Risiken zu minimieren. Trotzdem gelingt es terroristischen Zellen, ungefähr jede Woche ein Passagierflugzeug vom Himmel zu holen. In einigen Gebieten werden Boden-Luftraketen benutzt, in Europa und Nordamerika werden aber vorrangig Selbstmordattentate verübt.

Lufthansa Boeing 737

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Mit dem Absturz einer Boeing 737 der Lufthansa über dem Stadtzentrum von Frankfurt werden alle innerdeutschen Flüge untersagt, ausserdem sind die meisten Flüge ohnehin nur zu 25% ausgelastet. Immer mehr Menschen nutzen den Fernverkehr der Bahn. Leider verliert auch diese Reiseart ihre Attraktivität, nachdem auf der Strecke Köln-Frankfurt ein ICE mit einem LKW kollidiert, der von Attentätern von einer Brücke auf die Gleise gestürzt wurde. Der ICE rast mit 300km/h in das Wrack und Teile des Zuges werden förmlich pulverisiert. 500 Menschen sterben.

China fühlt sich unbeobachtet und überfällt Taiwan. Der Ölpreis erreicht 135 Dollar trotz sinkender Nachfrage. Zwei Tage nach dem Überfall auf Taiwan schliesst der Iran alle Ölquellen für Exporte in die westliche Welt und unterzeichnet ein Exklusivlieferabkommen mit China. Öl wird für mehrere Tage nicht gehandelt, da sich keine Kurse mehr festsetzen lassen.

Mehrere Anschläge in den USA zerstören wichtige Raffinerien und Ölhäfen. Der Preis für Benzin explodiert in den USA auf 10 Dollar pro Gallone. In Panik verkaufen viele Leute ihre Lebensversicherungen und Wertpapieranlagen, um Bargeld zur Verfügung zu haben. Die US-Leitbörse fällt innerhalb von sieben Tagen um 50%. Kraftstoff wird rationiert und Fliegen unter 300 Meilen untersagt.

Die Weltwirtschaft liegt am Boden. Es bilden sich politische Lager. Europa und Nordamerika bilden die Westkoalition (Western Coalition - WeCo); grosse Teile Asiens, ausgenommen Japan, verbünden sich mit China zur Asiatischen Allianz (Asian Treaty Organization - ATO). Afrika findet keinerlei Beachtung und Südamerika verhält sich relativ neutral.

China gewinnt durch die Asien-Allianz einen Teil der Absatzmärkte hinzu, die es durch den Einfuhrboykott der Westkoalition verloren hat. Europa und Nordamerika versinken im wirtschaftlichen Chaos, denn es fehlt an den meisten Konsumgütern. Vor allem Textilien und Computer werden knapp. Nach einigen Monaten gelingt es Mittelamerika, die Lieferausfälle zu kompensieren. Es gibt endlich wieder Jeans und Unterwäsche. Aber weiterhin keine Computer.

Russland mag sich nicht einem bestimmten Lager anschliessen und erklärt sich zum Chefvermittler zwischen den Fronten. Wichtige Exporte aus und in die WeCo werden über Russland gegen eine Gebühr von 25% abgewickelt. Endlich gibt es wieder Computer.

Es ist Silvester 2011 und die Menschen erhoffen sich von 2012 Ruhe und Frieden, sowie wieder ein normales Leben.

Nukleare Explosion

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23:58 Uhr erschüttert eine atomare Explosion London. 25000 Menschen sterben sofort, weitere 25000 in den folgenden 4 Wochen. Bis zum Ende des Jahres 2012 werden insgesamt 70000 sterben. 100000 Menschen sind unheilbar strahlenkrank.

Dieser Anschlag wird offiziell nie aufgeklärt. Einzig die Herkunft des Urans kann auf eine sibirische Quelle zurückgeführt werden. Eine Zeit lang machen sich beide Fraktionen für das Attentat gegenseitig verantwortlich.

Die Asiatische Fraktion erklärt, dass die Westkoalition dieses Unglück absichtlich herbeigeführt hat, um militärische Aktionen rechtfertigen zu können. Die WeCo wiederum bezichtigt die ATO, dass sie dem Finanzzentrum Europas schaden will, da dort grosse asiatische Vermögensgegenstände eingefroren sind.

Am 15.02.2012 erklärt die Asiatische Allianz der Westkoalition den Krieg. Am nächsten Tag erwidert die WeCo die Kriegserklärung.

Beide Fraktionen beginnen Seeblockaden und entziehen alle Überflugrechte der gegnerischen Partei. Fast alle Internetrouten zwischen den Kriegsparteien werden stillgelegt. Es verbleibt ein einziger Knotenpunkt, der von beiden Seiten mit umfangreichen technischen Massnahmen geschützt wird. Einzig privater Emailverkehr ist stark reguliert möglich, wird aber vollständig abgehört. Verschlüsselte Nachrichten werden blockiert.

Am 14.09.2012 steigen vom Gebiet Russlands vier Interkontinentalraketen auf und schlagen wenig später in unbewohnten Gebieten beider Fraktionen ein. Russland bietet beiden Fraktionen nach diesen Warnschüssen Friedensverhandlungen an. Der russische Präsident wird später mit den Worten zitiert werden, dass er dem ungebremsten menschlichen Irrsinn Einhalt gebieten wollte.

Kirche in Jekatarinburg

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Sieben Tage später beginnen offizielle Verhandlungen in Jekaterinburg. Diese dauern über 7 Monate und enden am 26. Juni 2013 mit der Unterzeichnung eines Friedensvertrages. Ein Teil der Handels- und Reiseeinschränkungen wird aufgehoben. Die abgebrochenen diplomatischen Beziehungen zwischen den meisten Ländern werden wieder hergestellt. Trotzdem wird dieser Tag als der Beginn des Zweiten Kalten Krieges in die Geschichte eingehen.

Der Roman - 2006-09-09, 05:58:56 23 Kommentare

Tomatenrot - Der Roman zum Wochenende

Bergwiese

Es war einer dieser Hochsommertage, an dem man das Gefühl hat, irgendwer hätte den Film angehalten. Ein Standbild. Flirrende Hitze umgibt die Stadt. Reglos liegt Hannah auf der Wiese. Ein Buch über ihrem Kopf, die Augen geschlossen. Hier oben auf dem Berg hoch über dem hektischen Treiben im Schatten der Ebereschen ist das Leben schön. So müsste es immer sein. Abgewandt von der Welt und dem Alltag. Gedanken kreisen um alles und nichts.

Seit Monaten hatte sie dieses Bild im Kopf. Das Bild einer blonden nackten Frauenleiche, die auf einem Felsen im tiefen Wald auf weichem Moos liegt. Sie wollte niemanden umbringen, ihr grauste vor der Kälte des Todes. Sie konnte sich nicht erinnern, jemals einen Toten gesehen zu haben. Doch das Bild der Leiche auf dem Fels verfolgte sie seit langem. Sie hörte förmlich das Rauschen der Wipfel und die kühle Luft, die dort unten im Wald wie Blei zwischen den Bäumen liegt, kroch fühlbar ihren Nacken hinauf.

Dunkel war der Grund mit dem einsamen Fels mitten im Wald. Es war eine Art Hochplateau - ein riesiger Brocken wie vom Lieben Gott zufällig an der falschen Stelle verloren.

Der Fels war von dichtem grünen Moos bedeckt, etwas übersinnliches lag auf diesem Ort.

Schön wie der Schlaf war dieser Tod und erinnerte nur durch die grausige Kälte and die Endgültigkeit und das Leid. Die Kirschroten Lippen der Toten waren von weithin sichtbar und ihr blondes Haar ringelte sich in langen Locken im dichten Moos. Gespenstische Stille herrschte hier unten im Waldesgrund. Kein Rascheln der Blätter war zu hören, nicht mal ein Tier verirrte sich hier her. Wie war diese Frau hier her gekommen, wer war sie und warum war sie tot ?

Und warum könnte Hannah diese Phantasie seit langer Zeit fast identisch nachfühlen ?

Es war nun Zeit, Hannah musste gehen, die kleine Flucht aus dem Alltag war wieder nur durch diese eine dunkle Fantasie belastet. Ihr Leben in der Stadt war eines von Vielen. Die kleine Zweiraumwohnung im Hinterhof und der Job bei einer Bank beherrschten die meiste Zeit des Tages. Nur selten konnte sie vor all dem fliehen und eine Weile über die Felder weit entfernt der Stadt streifen. Hannah war das was man eine graue Maus nennen kann. Pflichtbewusst und fleißig. Keiner kannte ihr wahres ich. Sie war allein . Jeglichen Annähehrungsversuchen von Männern begegnete sie mit endloser Kühle. Denn Hannah war nicht einsam. Sie hatte ihre Fantasie und das kleine Leben in der Natur. Es würde niemanden geben, der diese Dinge mit ihr teilen wollte.

Fortsetzung folgt...

Photo by Aliento Más Allá under CC-BY-2.0

Der Roman - 2006-09-01, 17:24:14 8 Kommentare
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