Flugnotizen

Frankfurt Flughafen. Ich sitze im Häagen-Dazs und trinke einen Kaffee Latte. Neben mir steht noch eine fette Waffel und ich suche verzweifelt nach einem WLAN. Irgendwie sitze ich hier im Nichts - T-Offline ist auch nirgends zu finden, dann muss ich halt schnell zum Gate hetzen und dort auf Funk hoffen. Mein UMTS liegt zu Hause, damit meine Freundin eine Chance hat während meine Abwesenheit online zu sein. Schliesslich habe ich kein DSL, denn da war ja auch mal Wüste bei mir. Aber das ändert sich bestimmt in der neuen Wohnung.

Der Flughafen ist erstaunlich leer. Naja, es ist ja Winterflugplan, aber komisch ist das schon. Wirkt sich hier schon die Konjunkturschwäche aus?

War das weit! Die neuen Abflüge nach Amerika gehen von den C-Gates am Terminal 1. Die Dinger sind so weit weg, dass man Ewigkeiten latschen muss. Ich habe schon überlegt, ob der Weg von Jena zum C-Gate nicht kürzer ist, als der Umweg über Frankfurt :) Ansonsten sieht es hässlich und neu aus. Langweilig und inspirationslos würde ich es nennen. Wenn man böse ist, dann nennt man es Deutsch. Die Ledersitze sind besondern nervig, da man am Rücken wie Sau schwitzt.

Unsere 747 ist gerade rangekarrt worden. Offensichtlich war das gute Stück über Nacht in Frankfurt und ist nicht erst reingeschwebt. Vielleicht in der Wartung gewesen oder die Lufthansa hat nicht alle Maschinen im Winter in der Luft. Ich bin gespannt, ob es eine umgerüstete Maschine ist, die schon die Monitore in den Sitzen hat oder noch den globalen Langweilemodus auf grossen Fernsehern mit Grünstich an der Decke.

Jetzt schmökere ich erstmal in einem Berg Zeitungen, den ich mir zusammengeklaut habe. Security und Ausreise gingen heute sehr fix. Keine Schlangen und ausreichend freundlich, wenn man den wortlosen Modus des Bundespolizisten als freundlich deutet.

Nun sitze ich im Flieger und wir sind weit hinter Irland. Es gab Essen und heute keine Auswahl, denn Hühnchen war extra schnell aus und wir mussten alle mit Rinderroulade vorlieb nehmen. Geschmacklich ging es. Der Rest war auch ok. Als Getränk hatte ich mir einen Tonic bestellt, der war nicht auf dem Wagen und so ist die Stewardess losgeflitzt. Als sie zurück war, hat sie den Tonic auf dem Wagen entdeckt und sich selbst als "Dumme Nuss" bezeichnet. Wie sympatisch.

Ansonsten hängen natürlich die üblichen grünstichigen Monitore an der Decke und der Rest des Fliegers ist auch sachlich langweilig. Als kleinen Vorschlag könnte die Lufthansa mal ihre Stewardessen und Stewards neu einkleiden und vielleicht mal zur Abwechslung modisch. Die derzeitigen Uniformen sind sowas von alt und unförmig, geradezu altmachend. Die Damen sehen heute durch die Bank attraktiv aus, wobei das Kostüm sie zu 50-jährigen gelutschten Dropsen macht.

Neben mir sitzen zwei Frauen aus der Türkei und hinter mir eine Horde Skandinavier. Jedenfalls würde ich die Sprache so deuten, kann aber weder Schwedisch noch Norwegisch klar heraushören. Finnisch ist es definitiv nicht. Sie sind etwas... lebhaft und laut. Man könnte sie glatt für britische Touristen mit Handtüchern halten.

Jetzt kommen die Visaformulare und danach geht der Bordfilm "Mamma Mia" los. Mal sehen, ob ich der Tonspur lausche, denn das Musical in Hamburg war ja super... den Film habe ich selbst noch nicht gesehen. Kenne nur ausreichend Verrückte, die den Film gehäuft konsumieren.

Arbeiten kann ich im Flieger nicht, denn das Display geht nicht weit genug auf und ich schaue etwas schräg auf den Schirm und verkrampfe beim Tippen. Ich habe meinen MSI Wind nicht eingepackt, obwohl ich lange überlegt hatte. Gerade spielen sie den Angstfilm über die Einreise ab: Schreibe die Eins nur so und die Vier nie so, stehe immer hinter der Linie und wehe Du änderst was. Umlaute sind auch totale Killer. In Wirklichkeit zaubern die Grenzbeamten nicht sonderlich rum, solange mit ordentlich aussieht, nicht frech wird und halbwegs plausible Antworten gibt. Ich habe schon lange aufgehört die falschen Vieren und Siebenen zu korrigieren. Bei meiner ersten Einreise habe ich den grünen Zettel noch dreimal ausgefüllt, weil ich die Eins immer versaut hatte.

Nett war übrigens noch die Stewardess, als ein Passagier Kaffee wollte und sie nur Tee dabei hatte. Sie meinte dann, dabei auf ihre Kollegin zeigend: "She is arriving." Nun gut, wenn sie halt auf Reise mit dem Kaffee war, dann ist das wohl nicht falsch.

Ansonsten fühle ich mich gerade wie eine Sardine. Vor mir ist noch die aktuelle Ausgabe der "Zeit" eingequetscht. Die werde ich mir noch reinleiern. Den Rest der Zeit muss ich gerade tierisch gähnen. Ich bin total matt.

Gerade beginnt die Vorfilmhatz, jeder will noch mal schnell aufs Örtchen und in den schrecklichen Flugzeugbordtoilettenspiegel schauen. Der macht jede Hautfalte sichtbar, jeden Mitesser und jeden Millimeter trockene Haut. Ich komme mir immer vor wie in Ehren ergraut, aber ohne graue Haare.

Soeben beugt sich eine der skandinavischen Schönheiten über mich, denn sie will ans Gepäck über meinen Kopf. Kann es mir gut gehen und sie riecht so gut. Fliegen ist ja sowas von geil ;), auch wenn ich artig zur Seite geschaut und nicht alle Attribute optisch vermessen habe. Man muss auch mal Gentleman sein, auch wenn es schwerfällt.

Die Duty-Free Runde läuft gerade und die Stewardessen versuchen, Ramsch und Zigaretten zu verticken. "Mamma Mia" geht los. Die Musik ist gleich im Ohr. ABBA ist sowas von zeitlos, der Hammer und dann hat Madonna ja letztens erst mit "Hung up" einen Hit teilgeklaut und der klemmt mir auch immer im Ohr. Sie hat übrigens dafür ordentlich Lizenzgebühren an ABBA abgeführt.

So, der Film ist um. Sehr schön gewesen, eigentlich eher ein Hörfilm. Jetzt brechen alle zum Nachfilmtoilettengang auf. Ich bin gespannt, ob es noch den kleinen Snack mit etwas Kaffee gibt. Da fällt mir ein, dass ich gern eine Espressobar in meinem Flieger hätte. Das wäre cool. So im Unterdeck, mit WLAN :)

Es ist immer wieder ein komisches Gefühl aus dem Fenster zu schauen, die Tragfläche im blauen Himmel silbern glitzern zu sehen und darunter eine weisse Wolkenschicht. Alles ist so rein, klar, sauber. So unnatürlich schön. Darunter ist es dreckig, die Menschen hauen sich die Rübe ein und jeder ist sich selbst Nächste. Was für ein Kontrast. Wenn man nur immer hier oben bleiben könnte.

Wir sind kurz vor Kanada und es sind noch 1729km, rund 2 Stunden und 30 Minuten. Rene gähnt erstmal erschöpft. Wenn man doch nur ein Fenster zum Lüften öffnen könnte.

So, Zeitsprung. Angekommen und im Regen ins Büro gefahren.

YetAnotherBlog - Flugnotizen Frankfurt Flughafen. Ich sitze im Häagen-Dazs und trinke einen Kaffee Latte. Neben mir steht noch eine fette Waffel und ich suche verzweifelt nach einem WLAN. Irgendwie sitze ich hier im Nichts - T-Offline ist auch nirgends zu finden, dann muss ic...

Connie

Hi Rene,
Dein Blog gefällt mir, Deine Art Selbstgespräche und Gedanken - angenehm normal und von gesundem Menschenverstand zeugend.
Man hat ja öfter den Eindruck, dass die Welt verblödet. Ja, ich weiß, dass klingt überheblich, ist aber so.
Besonders symphatisch die Beschreibung, wie man sich gefällt, wenn man in den Spiegel auf der Flugzeugtoilette schaut - geht mir auch immer so. Gut zu wissen, dass es anderen genauso geht.
Have a nice WE. Connie.
2008-11-07 - 12:57:54 - Connie

Rene99

@Connie: Danke. Das hast Du lieb gesagt. Schönes Wochenende.
2008-11-07 - 13:00:15 - Rene99

fernseheule

Gerade gestern eine schöne Serie über den Frankfurter Flughafen gesehen. Unglaublich wie viel Mühe, Aufwand und Arbeit dieses Flugzeugessen macht. In Frankfurt arbeiten 2300 Menschen nur fürs Passagieressen. Ansonsten der vorletzte Absatz ist besonders schön, über den Wolken ... Schöne Zeit !
2008-11-09 - 18:18:52 - fernseheule

Rene99

@fernseheule: Leider schmeckt es nicht nach viel Aufwand.
2008-11-09 - 18:44:55 - Rene99

fernseheule

Irgendwie auch verständlich in der Küche sah es noch super aus, aber dann wird es gekocht, abgekühlt, rumtransportiert und wieder erhitzt. Die Firstclass hatte ein Menü vom Sternekoch, ich mußte so lachen, was die für ein Sums darum gemacht haben.
2008-11-09 - 22:06:53 - fernseheule

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