Zum Umbau der BTU Cottbus/Hochschule Lausitz

Als einer der ersten Studenten der neuen Technischen Universität Cottbus im Studiengang Informatik (1992-1998), nehme ich die derzeitigen Pläne zum Umbau der Universitäts- und Hochschullandschaft mit Kopfschütteln zur Kenntnis. Man hat viel Geld, Mühe und Zeit in den Aufbau der BTU gesteckt, ihre Reputation erarbeitet, sie bekannt gemacht und mit der Wirtschaft verbunden und nun soll wieder alles anderes werden?

Was ich an der BTU schätze, war ihre überschaubare Grösse, ihre kurzen Wege und die Möglichkeit mit den Lehrkräften direkt zu interagieren und nicht einer von unzähligen namenlosen Studenten zu sein. Es gibt einen Bedarf an einer kleinen aber feinen Universität.

Meine derzeitige Heimat Jena bietet eine Fachhochschule und eine Universität. Beide stehen teilweise sogar in Konkurrenz und dieser kleine Wettbewerb scheint beiden zu helfen. Beide Bildungseinrichtungen haben unterschiedliche Ziele, sprechen unterschiedliche Interessen an, aber zum Schluss sind sie immens wichtig für die Zukunft der Region um Jena.

Die Hochschule Lausitz und die Universität in Cottbus können und sollen sich ergänzen, aber beide sollen ihre unterschiedlichen Ziele und Lerninhalte behalten, beide sollen und müssen der Region Wissen, Ideen und gut ausgebildete Arbeitskräfte zur Verfügung stellen. Den Anspruch an eine Universität und die Erwartungen an eine Fachhochschule sollten nicht vermengt werden.

Als Arbeitgeber ist es für mich wichtig zu wissen, wo ein Bewerber herkommt, wo er gelernt hat und was man von dieser Bildungseinrichtung erwarten kann. Eine neue Energieuniversität hat keine Reputation, hat kein Profil und schon der Name allein macht es schwer, ein breites Angebot an Lehrinhalten zu erwarten.

Ich bin für eine Technische Universität, die kluge Ideen in Forschung und Entwicklung hervorbringt, Unternehmensgründungen ermöglicht und die Region Lausitz nach vorn bringt. Ich bin für eine Fachhochschule Lausitz, die praxisnah ausbildet und die Region mit motivierten Arbeitskräften stärkt.

Ergänzung: Nicht zu vergessen ist, dass die Abschlüsse aller bisherigen Studenten der BTU und Hochschule Lausitz quasi entwertet werden. Wenn eine Einrichtung geschlossen wird, dann kommt schnell der Makel auf, dass sie vorher schlecht war.

Mehr dazu auf der I love BTU-Seite und für die, die unbedingt Facebook nutzen müssen, gibt es auch eine Seite.

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Christian T.

Gerüchten zufolge werden wohl FH und Uni Jena 2015 ebenfalls,zum Ende der Amtszeit der FH Rektorin, fusionieren. Ist bis jetzt aber nur hörensagen und ohne Beleg, würde aber durchaus zum Sparwahn im Bildungssektor passen...
2012-03-19 - 17:24:57 - Christian T.

gast

Habt ihr effektivere/bessere Sparvorschlaege unter der Annahme, das die aktuelle Politik/Lobbyistentum beibehalten wird.

Einkommenssteuer erhiehen ?
Kindersteuer zur Finanzierung der Hochschulen ?

Kritik ist nur brechtigt, wenn mann Alternativen aufzeigt.
2012-03-20 - 02:27:18 - gast

Christian T.

Braucht man in Erfurt (28 Mio. €) bzw. Jena (ca. 18 Mio) Multifunktionsarenen? Ein Stadionumbau der wahrscheinlich nur die Hälfte kostet würde es auch tun. Die andere Hälfte stecken wir in die Bildung.
- Die Milliarden die zur Stützung des Euro (der Banken) verbrannt werden, würden in andere Bereiche verteilt mehr Sinn machen.
- Rettung von großen Unternehmen durch den Staat (aktuelle Diskussion um Schlecker) nicht nötig, wer Mist baut sollte dafür gerade stehen. Egal wie "systemrelevant" er ist. Der Tante Emma Laden an der Ecke wird im Insolvenzfall auch nicht gestützt.
Und schon wieder Geld gespart das anderswo nötiger gebraucht wird...
2012-03-20 - 09:13:29 - Christian T.

Bob

Ich nehme an, wenn so große Einrichtungen wie eine Uni und eine FH zusammengelegt werden, kostet das zunächst einmal mehr Geld. Wenn der Prozess abgeschlossen ist und die Anzahl an Studenten nicht sinken soll, woher kommt dann das zu sparende Geld? Gebäude, also Platz ist meistens eh nicht im Überschuss vorhanden. Ausstattung, brauchen die Studenten auch. Lehrpersonal sollte auch gleich bleiben, wenn nicht weniger Studenten umsorgt werden sollen. Bleibt noch die Verwaltung, aber wenn die Masse an Studenten gleich bleibt wird sich hier auch nicht übermäßig viel Geld sparen lassen. Wieso spart eine solche Reform dann, wenn man nicht weniger Studenten hat, mehr Geld als sie kostet. Vielleicht langfristig. Aber genau hier kann man doch viel leichter Geld sparen. Wenn man Einrichtungen optimiert, Studenten Lehre und Verwaltung besser auf einander abstimmt, kann man vielleicht auch nicht viel Geld sparen. Aber ich würde gerne mal sehen, wie das im Verhältnis zu so einer Umstrukturierung steht. Ganz zu schweigen von der gesteigerten Qualtität und dem besseren Ruf der Einrichtung.
2012-03-20 - 22:07:35 - Bob

fj

@gast: Erstmal: das Ministerium betont bis zur Ermüdung, daß dies kein Sparvorhaben sei. De facto ist es natürlich eins, will die Regierung nur nicht zugeben.

@Bob: in der Verwaltung gibt es nicht viel Sparpotential – an der BTU kreppelt die auf dem letzten Loch, an der HSL wird's nicht viel anders sein. Außerdem darf laut Tarifvertrag „Umbau“ niemand gekündigt werden (aber versetzt!). Gespart werden kann fast nur am befristeten Mittelbau, also die Leute, die „die Arbeit machen“. (Kein Prof. macht seine Forschung allein, und auch die Lehre wird vom Mittelbau maßgeblich unterstützt.) Mir scheint da der Gedankengang im MWFK zu sein: Da man ja FH-Professoren mit hohem Lehrdeputat in die neue Uni bekommt, ist das ja erstmal kein Problem. (Hinterher meckern wird dann an diesen Profs rum, daß sie keine vernünftige Forschung machen.)

@gast „Kritik ist nur berechtigt, wann man Alternativen aufzeigt.“ Zunächst liegt erstmal die Beweislast bei demjenigen, der Änderungen will; vor allem, wenn die Gutachter sagen, daß beide Hochschulen zwar verbesserungswürdig, aber im Prinzip gut sind. (Sagt der Leiter der Kommission, Prof. Emmermann, z.B. auf der Stadtverordnetenversammlung. Nicht dem rbb alles blind glauben!)
Daß verbessert werden muß, bestreitet auch niemand ernsthaft. Die Kritik bezieht sich vor allem darauf, ohne Sinn und Verstand, und ohne Rücksprache mit denen, die Ahnung haben (Emmermann und die Lausitzkommission), und denen, die Betroffen sind und das alles umsetzen sollen, eine Fusion zu propagieren und kein Konzept dafür zu liefern.
In diesem Sinne finde ich die Kritik am MWFK sehr berechtigt. Es hat seit sechs Wochen nahezu nichts konstruktives beigetragen.

@gast, ein letztes noch zum lieben Geld: das Land steckte letztes Jahr 52 Mio. € in die BTU. Zusätzlich warb die BTU gute 34 Mio. € Drittmittel ein. Das heißt, für jeden Euro, den das Land in die BTU gesteckt hat, gab's nochmal 66 Cent drauf. Ich find das eine recht gute Rendite.
2012-03-28 - 00:29:51 - fj

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